BioBizz ist ein niederländischer Hersteller organischer Dünger und Substrate, dessen Produkte im Eigenanbau weit verbreitet sind. Die Düngerlinie ist modular aufgebaut: zwei Basisdünger für Wachstum und Blüte, dazu eine Reihe von Zusätzen. Dieser Überblick erklärt neutral, was die einzelnen Produkte leisten, wie die Dosierung grundsätzlich funktioniert und wo die Grenzen organischer Flüssigdünger liegen. Er ist keine Empfehlung für eine bestimmte Marke, andere organische Düngerlinien funktionieren nach denselben Prinzipien.
Was organische Flüssigdünger ausmacht #
Organische Dünger liefern Nährstoffe überwiegend in gebundener Form, etwa aus Pflanzenextrakten, Melasse oder Algen. Mikroorganismen im Substrat zerlegen diese Verbindungen nach und nach in pflanzenverfügbare Nährstoffe. Das hat Folgen für die Praxis:
- Langsamere Wirkung: Nährstoffe stehen verzögert zur Verfügung, Korrekturen wirken nicht sofort.
- Aktives Bodenleben nötig: Organische Dünger funktionieren am besten in Erde mit gesunder Mikrobiologie.
- Geringeres Überdüngungsrisiko: Die Nährstoffe werden gepuffert freigesetzt, verbrannte Blattspitzen sind seltener als bei hoch dosierten Mineraldüngern.
- EC-Wert wenig aussagekräftig: Ein Teil der Nährstoffe liegt nicht als gelöste Salze vor und wird vom EC-Meter nicht vollständig erfasst.
Einen grundsätzlichen Vergleich beider Düngerarten findest du im Beitrag Organischer vs. mineralischer Cannabis-Dünger.
Die Produkte im Überblick #
| Produkt | Einsatzzweck | Phase |
|---|---|---|
| Bio-Grow | stickstoffbetonter Basisdünger für das Wachstum | Wachstum, teils frühe Blüte |
| Bio-Bloom | Basisdünger mit Schwerpunkt auf Phosphor und Kalium | Blüte |
| Top-Max | Blütestimulator mit Huminsäuren | Blüte |
| Root-Juice | Wurzelstimulator mit Humin- und Algenbestandteilen | Keimling, Umtopfen, erste Wochen |
| Alg-A-Mic | Algenextrakt zur allgemeinen Stärkung | gesamter Zyklus, auch nach Stress |
| Fish-Mix | stickstoffreicher Zusatz aus Fischemulsion | Wachstum, vor allem in Erde |
| Acti-Vera | Zusatz auf Aloe-Vera-Basis | gesamter Zyklus |
| Bio-Heaven | Zusatz mit Aminosäuren | gesamter Zyklus |
| CalMag | Ergänzung mit Calcium und Magnesium | bei weichem Wasser oder Mangel |
Die Angaben zu den genauen Nährstoffgehalten stehen auf dem jeweiligen Etikett und können sich mit Rezepturänderungen verschieben. Wie du die NPK-Angaben liest, erklärt der Lexikoneintrag Was ist NPK beim Düngen?
Bio-Grow für das Wachstum #
Bio-Grow ist der Basisdünger für die vegetative Phase. Er liefert vor allem Stickstoff, den die Pflanze für den Aufbau von Blattmasse und Trieben braucht, dazu Kalium und kleinere Mengen weiterer Nährstoffe.
Beim Einsatz spielt das Substrat eine große Rolle. In einer schwach vorgedüngten Erde beginnst du nach etwa ein bis zwei Wochen mit einer niedrigen Dosis. In stark vorgedüngter Erde reichen die enthaltenen Nährstoffe oft für die ersten drei bis vier Wochen, und zusätzliches Bio-Grow wäre zu viel. Beobachte die Pflanze: Werden die unteren Blätter hellgrün bis gelb, braucht sie Stickstoff.
Bio-Bloom für die Blüte #
Mit der Umstellung auf 12/12 wechselst du schrittweise von Bio-Grow auf Bio-Bloom. In den ersten ein bis zwei Blütewochen ist eine Kombination beider Dünger verbreitet, weil die Pflanze während des Stretchs noch viel Stickstoff braucht. Danach übernimmt Bio-Bloom mit seinem höheren Anteil an Phosphor und Kalium, die für Blütenbildung wichtig sind.
Die Dosierung steigerst du langsam und beobachtest die Pflanze. Dunkelgrüne Blätter mit krallenartig nach unten gebogenen Spitzen deuten auf zu viel Stickstoff hin, braune Blattspitzen auf eine insgesamt zu hohe Dosis.
Top-Max und weitere Zusätze #
Top-Max ist kein vollständiger Dünger, sondern ein Stimulator, der die Nährstoffaufnahme in der Blüte unterstützen soll. Er wird ergänzend zu Bio-Bloom eingesetzt.
Root-Juice kommt in den ersten Wochen und nach dem Umtopfen zum Einsatz, um die Wurzelbildung zu unterstützen. Alg-A-Mic gilt als allgemeines Stärkungsmittel, etwa nach Stressphasen.
Grundsätzlich gilt für alle Zusätze: Sie können das Ergebnis verfeinern, ersetzen aber weder eine passende Basisdüngung noch gutes Klima und Licht. Wer mit wenigen Produkten startet, versteht die Reaktionen seiner Pflanzen besser.
Dosierung: So gehst du vor #
Die meisten Flüssigprodukte der Linie werden laut Herstellerangaben im Bereich von etwa 1 bis 4 ml pro Liter Gießwasser dosiert. Maßgeblich ist immer das aktuelle Etikett beziehungsweise das Düngeschema des Herstellers.
Niedrig starten
Beginne mit der unteren Dosierung, besonders bei jungen Pflanzen und vorgedüngter Erde.
Flaschen schütteln
Organische Flüssigdünger setzen sich ab. Vor jeder Entnahme kräftig schütteln.
Einzeln einrühren
Gib die Produkte nacheinander ins Wasser und rühre zwischen den Zugaben um.
pH-Wert zuletzt messen
Organische Flüssigdünger senken den pH-Wert des Gießwassers oft. In Erde gilt ein Zielbereich von etwa 6,2 bis 6,8.
Langsam steigern
Erhöhe die Dosis nur, wenn die Pflanze gesund wächst und Nährstoffe einfordert.
Eine typische Aufteilung über den Zyklus sieht so aus:
| Zeitraum | Basisdünger | häufige Ergänzung |
|---|---|---|
| Woche 1 bis 2 (Wachstum) | meist kein oder sehr wenig Dünger | Root-Juice |
| restliche Wachstumsphase | Bio-Grow, langsam steigend | Alg-A-Mic |
| Blütewoche 1 bis 2 | Bio-Grow und Bio-Bloom kombiniert | Top-Max |
| Blütewoche 3 bis Ende | Bio-Bloom | Top-Max |
| letzte 1 bis 2 Wochen | kein Dünger oder stark reduziert | – |
Wie du daraus einen eigenen Plan für dein Substrat und deine Sorte baust, zeigt die Anleitung Düngeschema für Cannabis erstellen.
CalMag: Wann ist es nötig? #
Calcium- und Magnesium-Ergänzungen sind vor allem bei weichem Leitungswasser, Osmosewasser oder in Kokos sinnvoll. Bei mittelhartem bis hartem Leitungswasser und guter Erde ist die Versorgung oft ausreichend. Dosiere nach Etikett und beginne niedrig. Ein typischer Hinweis auf Magnesiummangel sind Aufhellungen zwischen den Blattadern älterer Blätter.
Für welche Substrate eignet sich die Linie? #
Organische Flüssigdünger sind in erster Linie für Erde gedacht, wo Mikroorganismen die Nährstoffe umsetzen. In Kokos lassen sie sich ebenfalls einsetzen, hier ist die Versorgung mit Calcium und Magnesium besonders wichtig. In rezirkulierenden Hydro-Systemen wie DWC sind organische Dünger problematisch, weil ihre Bestandteile im Wasser faulen und Schläuche verstopfen können.
Häufige Fragen #
Kann ich die BioBizz-Dosierung mit dem EC-Meter kontrollieren?
Nur eingeschränkt. Organische Dünger enthalten Nährstoffe, die das EC-Meter nicht vollständig erfasst. Der Wert ist als grobe Orientierung nützlich, verlässlicher sind die Reaktionen der Pflanze.
Muss ich den pH-Wert bei organischem Dünger einstellen?
In lebendiger Erde puffert das Substrat Schwankungen teilweise ab. Trotzdem ist es sinnvoll, das Gießwasser grob auf etwa 6,2 bis 6,8 einzustellen, besonders wenn das Wasser nach dem Düngen deutlich saurer ist.
Brauche ich alle Produkte der Linie?
Nein. Für einen erfolgreichen Grow in Erde reichen die beiden Basisdünger für Wachstum und Blüte. Zusätze sind optional und sollten einzeln ausprobiert werden, damit du ihre Wirkung beurteilen kannst.
Warum riecht der Dünger so stark?
Organische Rohstoffe wie Melasse oder Fischemulsion haben einen deutlichen Eigengeruch. Das ist normal. Angemischtes Gießwasser solltest du trotzdem zeitnah verbrauchen, da organische Bestandteile im Wasser zu gären beginnen können.
Fazit #
Die BioBizz-Linie folgt einem einfachen Prinzip: Bio-Grow für das Wachstum, Bio-Bloom für die Blüte, dazu optionale Stimulatoren. Wichtiger als die Zahl der Flaschen sind eine zum Substrat passende, vorsichtig gesteigerte Dosierung, ein kontrollierter pH-Wert und eine Erde mit aktivem Bodenleben. Wer eine feste Routine sucht, findet in der Checkliste: Organische Dünger-Routine die passenden Schritte.
