Wer Cannabis in größerem Umfang unter behördlicher Aufsicht anbaut, etwa in einer Anbauvereinigung oder in der lizenzierten Produktion von Medizinalcannabis, muss mit Kontrollen rechnen. Ein Audit prüft, ob die Anlage so betrieben wird, wie es Erlaubnis, Gesetz und eigene Verfahren vorsehen. Diese Checkliste hilft bei der strukturierten Vorbereitung. Sie ersetzt keine Rechtsberatung und keine Abstimmung mit der zuständigen Behörde: Welche Anforderungen konkret gelten, hängt von Art der Erlaubnis und Bundesland ab. Für den privaten Eigenanbau mit bis zu drei Pflanzen ist ein solches Audit nicht vorgesehen.
Vorbereitung: vier Wochen vorher #
- Aktuelle Erlaubnis, Auflagen und behördliche Schreiben zusammentragen und auf Fristen prüfen
- Ansprechpartner und Verantwortliche für das Audit benennen, inklusive Vertretung
- Interne Vorab-Prüfung mit dieser Checkliste terminieren
- Offene Punkte aus früheren Kontrollen heraussuchen und den Umsetzungsstand dokumentieren
- Zutrittsregeln für Prüfende festlegen: Anmeldung, Begleitung, Schutzkleidung
Dokumentation #
Die Dokumentation ist bei den meisten Audits der Kern der Prüfung. Prüfende wollen sehen, dass sie vollständig, zeitnah und nachvollziehbar ist.
- Bestandsverzeichnis aller Pflanzen mit eindeutiger Kennung ist aktuell
- Mengenbilanz von Ernte, Trocknung, Lagerung, Abgabe und Entsorgung ist stimmig
- Jede Charge lässt sich bis zum Ausgangsmaterial zurückverfolgen
- Entsorgungsprotokolle enthalten Menge, Datum, Methode und Verantwortliche
- Korrekturen sind nachvollziehbar, ursprüngliche Einträge bleiben lesbar
- Arbeitsanweisungen (SOPs) liegen in der aktuellen Version vor und sind freigegeben
- Schulungsnachweise für alle Mitarbeitenden oder Mitglieder mit Zugang sind vollständig
- Wartungs- und Kalibrierprotokolle für Messgeräte und Technik sind lückenlos
- Protokolle zu Pflanzenschutz- und Düngemitteln mit Produkt, Menge und Datum sind vorhanden
Wie eine lückenlose Chargenverfolgung aufgebaut ist, erklärt der Beitrag Batch Tracking und Compliance.
Tracking und Bestände #
- Stichprobe: Physische Pflanzenzahl stimmt mit dem Verzeichnis überein
- Etiketten und Codes an Pflanzen, Behältern und Lagerplätzen sind lesbar und eindeutig
- Lagerbestand wurde vor dem Audit gezählt und gewogen
- Waagen sind geeicht beziehungsweise kalibriert, Nachweise liegen bereit
- Abweichungen der letzten Monate sind erklärt und dokumentiert
- Datensicherung des Tracking-Systems ist aktuell, ein Export ist möglich
Sicherheit und Zugang #
- Zugangskontrolle funktioniert: Schlösser, Karten oder Codes, Protokolle über Zutritte
- Liste der zugangsberechtigten Personen ist aktuell
- Einbruchschutz und gegebenenfalls Alarmanlage sind funktionsfähig und gewartet
- Lagerräume für Erntegut sind gesondert gesichert
- Videoaufzeichnungen, falls vorhanden, entsprechen den Datenschutzvorgaben
- Schlüssel- und Codeverwaltung ist dokumentiert
Arbeits- und Brandschutz #
- Elektrische Anlagen sind geprüft, Prüfprotokolle liegen vor
- Keine überlasteten Mehrfachsteckdosen, keine offenen Kabel in Nassbereichen
- Feuerlöscher sind vorhanden, geprüft und gut erreichbar
- Flucht- und Rettungswege sind frei und gekennzeichnet
- Sicherheitsdatenblätter für alle eingesetzten Chemikalien sind vorhanden
- Chemikalien sind getrennt, beschriftet und sicher gelagert
- Persönliche Schutzausrüstung ist vorhanden und wird genutzt
- Erste-Hilfe-Material ist vollständig
Hygiene #
- Reinigungs- und Desinfektionspläne für alle Räume liegen vor und sind abgezeichnet
- Hygieneschleuse oder Umkleidebereich ist sauber, Schutzkleidung ist verfügbar
- Handwaschmöglichkeit mit Seife und Desinfektionsmittel ist vorhanden
- Keine Lebensmittel, Getränke oder Rauchwaren in Anbau- und Verarbeitungsbereichen
- Böden, Wände und Oberflächen sind sauber und frei von Pflanzenresten
- Abfälle werden getrennt und regelmäßig entfernt
- Schädlingsmonitoring mit Gelbtafeln oder Fallen ist dokumentiert
- Verarbeitungsbereiche für Trimmen und Trocknen sind sauber, Werkzeuge desinfiziert
Die Grundlagen der Schädlingsprävention durch Hygiene beschreibt der Ratgeber Schädlingsbefall vorbeugen.
Anbau und Qualität #
- Klimadaten der letzten Durchgänge sind gespeichert und abrufbar
- Grenzwertüberschreitungen bei Temperatur oder Luftfeuchte sind dokumentiert und bewertet
- Nur zulässige Pflanzenschutzmittel werden verwendet
- Qualitätsprüfungen und Laborergebnisse, falls vorgeschrieben, sind den Chargen zugeordnet
- Gesperrte Chargen sind deutlich gekennzeichnet und getrennt gelagert
Am Audittag #
- Alle Unterlagen liegen geordnet an einem Ort, digital und bei Bedarf ausgedruckt
- Verantwortliche sind anwesend und auskunftsfähig
- Räume sind aufgeräumt, aber im normalen Betriebszustand
- Fragen werden sachlich und wahrheitsgemäß beantwortet, Unklarheiten werden notiert statt geraten
- Ein Protokoll der Prüfung wird mitgeschrieben
Nach dem Audit #
- Prüfbericht und Feststellungen zeitnah auswerten
- Maßnahmenplan mit Verantwortlichen und Fristen erstellen
- Umsetzung dokumentieren und bei Bedarf an die Behörde melden
- Checkliste und SOPs anhand der Erfahrungen aktualisieren
Wie du Arbeitsanweisungen so aufbaust, dass sie im Alltag funktionieren und im Audit überzeugen, zeigt Qualitätskontrolle: SOPs für konsistente Produktion.
Häufige Fragen #
Was wird bei einem Compliance Audit geprüft?
Typischerweise Dokumentation und Mengenbilanzen, Sicherheit und Zugangskontrolle, Hygiene, Arbeits- und Brandschutz sowie die Einhaltung der Auflagen aus der Erlaubnis. Der genaue Umfang hängt von der Art der Erlaubnis und der prüfenden Stelle ab.
Wie oft sollte ein internes Audit stattfinden?
Als Richtwert mindestens einmal pro Anbauzyklus oder alle drei bis sechs Monate. Regelmäßige kurze Prüfungen decken Lücken früher auf als eine große Prüfung kurz vor der Kontrolle.
Was ist der häufigste Mangel bei Audits?
Aus Sicht des Qualitätsmanagements sind es meist Dokumentationslücken: nicht erklärte Mengendifferenzen, fehlende Unterschriften oder veraltete Arbeitsanweisungen.




