Fensteröffner, Ventilator und Heizung sind schnell installiert. Ob das Klima im Gewächshaus dann wirklich stabil bleibt, entscheidet die Klimasteuerung: Welche Werte gelten wann, ab welcher Abweichung wird eingegriffen und was passiert, wenn Temperatur und Luftfeuchte gegensätzliche Maßnahmen verlangen? Hier geht es um diese Regellogik. Welche Sensoren und Geräte du grundsätzlich brauchst, beschreibt der Überblick zum Smart Greenhouse.

Was eine Klimasteuerung leisten muss #

Eine Klimasteuerung vergleicht laufend Messwerte mit Sollwerten und schaltet Geräte so, dass die Abweichung klein bleibt. Im Gewächshaus kommen drei Besonderheiten hinzu:

  • Starke äußere Einflüsse: Sonne, Wind und Außentemperatur verändern das Innenklima schneller als in einem geschlossenen Raum.
  • Gegenläufige Ziele: Lüften senkt die Temperatur und oft die Luftfeuchte, kann aber nachts zu kalt werden. Heizen senkt die relative Luftfeuchte, kostet aber Energie.
  • Wechselnde Anforderungen: Tag und Nacht, Wachstum und Blüte brauchen unterschiedliche Sollwerte.

Sollwerte für Cannabis im Gewächshaus #

PhaseTemperatur TagTemperatur NachtLuftfeuchte
Jungpflanzen22 bis 26 °C18 bis 20 °C60 bis 70 % rF
Wachstum22 bis 28 °C16 bis 20 °C50 bis 65 % rF
Blüte20 bis 26 °C15 bis 18 °C40 bis 55 % rF

Alle Werte sind Richtwerte. Im Gewächshaus lassen sie sich an heißen Tagen oder in kalten Nächten nicht immer exakt halten. Ziel ist, Extreme zu vermeiden: Dauerhaft über 30 °C oder unter etwa 12 °C sowie lange Phasen mit über 70 % rF in der Blüte sind die kritischen Bereiche.

Hysterese: Ruhe in der Regelung #

Ohne Hysterese würde ein Ventilator bei 27,0 °C einschalten und bei 26,9 °C sofort wieder aus. Das ständige Takten verschleißt Geräte und bringt Unruhe ins Klima. Die Hysterese legt einen Abstand zwischen Ein- und Ausschaltpunkt fest.

RegelkreisEinschaltenAusschalten
Fenster öffnen26 °C23 °C
Abluftventilator29 °C26 °C
Heizung (Nacht)14 °C17 °C
Umluft verstärken65 % rF58 % rF

Zusätzlich helfen Mindestlaufzeiten: Ein Ventilator läuft nach dem Einschalten zum Beispiel mindestens fünf Minuten, auch wenn der Wert schon früher erreicht ist.

Regelstufen statt Ein-Aus #

Statt alle Geräte gleichzeitig zu schalten, arbeitet eine gute Steuerung in Stufen. Beispiel für die Kühlung:

  1. Stufe 1

    Dachfenster öffnen sich teilweise.

  2. Stufe 2

    Dach- und Seitenfenster öffnen vollständig.

  3. Stufe 3

    Abluftventilator schaltet zu.

  4. Stufe 4

    Schattierung schließt oder es wird eine Warnung verschickt.

Jede Stufe hat einen etwas höheren Einschaltwert als die vorherige. So wird nur so viel Technik eingesetzt wie nötig.

Tag-Nacht-Profile #

Die meisten Klimacontroller erlauben getrennte Sollwerte für Tag und Nacht, entweder nach Uhrzeit oder über einen Lichtsensor. Sinnvoll sind:

  • Nachtabsenkung: Die Temperatur darf nachts etwa 5 bis 8 °C unter dem Tageswert liegen. Das spart Heizenergie und kann die Streckung begrenzen.
  • Morgenlüftung: Kurz nach Sonnenaufgang für einige Minuten lüften, um feuchte Nachtluft auszutauschen, bevor die Pflanzen stark verdunsten.
  • Sanfte Übergänge: Den Sollwert über ein bis zwei Stunden anheben statt abrupt umzuschalten, das vermeidet Kondenswasser auf kalten Blättern.

Prioritäten bei Konflikten #

Die schwierigste Aufgabe ist der Umgang mit Zielkonflikten. Lege fest, welche Regel Vorrang hat:

SituationKonfliktÜbliche Priorität
Kalte, feuchte Nacht in der BlüteLüften senkt die Feuchte, kühlt aber zu starkkurz heizen, dann kurz lüften (Heizen und Lüften kombiniert)
Heißer, trockener TagLüften kühlt, trocknet aber weiter ausKühlung hat Vorrang, Bewässerung anpassen
Sturm bei hoher TemperaturFenster sollen öffnen und schließenSturmschutz hat immer Vorrang
FrostUmluft und Lüftung vs. Wärme haltenFrostschutz hat Vorrang

Das Prinzip „heizen und lüften“ ist vor allem in der Blüte im Herbst hilfreich: Erwärmte Luft kann mehr Wasser aufnehmen, das anschließend über die Lüftung abgeführt wird. So sinkt die relative Luftfeuchte, ohne dass die Pflanzen auskühlen.

Welche Steuerung passt? #

SteuerungStärkeGrenze
Einzelthermostat und Hygrostatgünstig, robust, einfachkeine Prioritäten, keine Profile
Klimacontroller mit mehreren AusgängenTag-Nacht-Profile, Hysterese, Stufenbegrenzte Anzahl an Ausgängen
Home-Automation-Plattformbeliebig erweiterbar, Verläufe, BenachrichtigungenEinrichtungsaufwand, Pflege nötig
PID-Regelungsehr gleichmäßige Werte bei stufenlosen Gerätenlohnt sich nur mit drehzahlgeregelten Ventilatoren oder Heizungen

Wie eine PID-Regelung funktioniert und wann sie Vorteile bringt, erklärt der Beitrag PID-Controller für präzise Klimasteuerung. Die praktische Einrichtung eines Controllers zeigt die Anleitung: Klimacontroller programmieren.

Sensorplatzierung #

Die beste Regelung nützt nichts, wenn der Sensor falsch misst:

  • auf Höhe der Pflanzenspitzen, nicht unter dem Dach
  • vor direkter Sonne geschützt, idealerweise in einem belüfteten Strahlungsschutz
  • nicht direkt neben Heizung, Tür oder Ventilator
  • in größeren Gewächshäusern mindestens zwei Sensoren und mit dem Mittelwert regeln

Überwachen und nachjustieren #

Plane nach der Einrichtung zwei bis drei Wochen zur Beobachtung ein. Verlaufsdiagramme zeigen, ob Geräte zu häufig takten, ob die Nachttemperatur hält und ob die Luftfeuchte in der Blüte im Zielbereich bleibt. Passe Sollwerte und Hysterese schrittweise an und notiere jede Änderung.

Häufige Fragen #

Was ist der Unterschied zwischen Thermostat und Klimacontroller?

Ein Thermostat schaltet ein Gerät nach einem einzelnen Temperaturwert. Ein Klimacontroller verarbeitet mehrere Messwerte, steuert mehrere Geräte und berücksichtigt Tageszeit, Stufen und Prioritäten.

Wie groß sollte die Hysterese sein?

Für die Temperatur haben sich 2 bis 3 °C bewährt, für die Luftfeuchte etwa 5 bis 8 Prozentpunkte. Kleinere Werte führen zu häufigem Schalten, größere zu stärkeren Schwankungen.

Wie senke ich nachts die Luftfeuchte im Gewächshaus?

Mit einer Kombination aus leichter Heizung, dauerhafter Umluft und kurzem Lüften. Wärmere Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf, die Umluft verhindert feuchte Zonen, und das Lüften führt die Feuchte nach außen ab.

Brauche ich eine Klimasteuerung für ein kleines Gewächshaus?

Für kleine Gewächshäuser reichen oft automatische Fensteröffner und ein Thermostat für die Heizung. Eine vollständige Klimasteuerung lohnt sich, wenn du in der Blüte mit Schimmel kämpfst oder das Gewächshaus bis in den Herbst nutzen willst.

Fazit #

Eine gute Klimasteuerung im Gewächshaus besteht aus klaren Sollwerten je Phase und Tageszeit, ausreichender Hysterese, gestaffelten Regelstufen und festen Prioritäten für Konfliktfälle. Wer diese Logik sauber aufsetzt und anhand der Verläufe nachjustiert, hält das Klima auch bei wechselhaftem Wetter im grünen Bereich. Die Grundlagen zu Lüftung und Heizung vertieft der Beitrag Gewächshaus-Klimakontrolle.