Ohne Abluft wird jede Growbox innerhalb weniger Stunden zu warm, zu feucht und zu stickig. Der Inline-Lüfter, auch Rohrventilator genannt, sitzt meist oben in der Box, saugt die verbrauchte Luft über einen Aktivkohlefilter ab und bläst sie durch einen Schlauch nach draußen. Frische Luft strömt über Zuluftöffnungen unten nach. So einfach das Prinzip ist, so oft scheitert es an einem zu schwachen Lüfter, zu langen Schläuchen oder falscher Einstellung.

Was die Abluft leisten muss #

Ein Abluftsystem erfüllt in der Growbox vier Aufgaben gleichzeitig:

  • Wärme abführen: Lampe, Treiber und Pumpen heizen die Luft auf. Die Abluft transportiert diese Wärme aus der Box.
  • Feuchte regulieren: Pflanzen verdunsten den Großteil des Gießwassers. Ohne Luftaustausch steigt die Luftfeuchte, besonders in der Blüte gefährlich.
  • CO2 nachliefern: Bei geschlossener Box verbrauchen die Pflanzen das CO2 schnell. Frische Zuluft bringt Nachschub.
  • Unterdruck und Geruchskontrolle: Saugt der Lüfter mehr Luft ab, als passiv nachströmen kann, zieht sich die Zeltwand leicht nach innen. Dann entweicht Luft nur über den Filter, nicht durch Ritzen.

Was der Lüfter selbst ist und wie er aufgebaut ist, erklärt unser Lexikoneintrag Inline-Lüfter.

Die nötige Lüfterleistung berechnen #

Als Faustregel gilt: Der Lüfter sollte das Luftvolumen der Box etwa einmal pro Minute austauschen können. Weil Aktivkohlefilter, Schläuche und Bögen einen Teil der Leistung schlucken, rechnest du einen Aufschlag ein.

  1. Boxvolumen berechnen

    Länge × Breite × Höhe in Metern. Eine Box mit 80 × 80 × 180 cm hat rund 1,15 m³.

  2. Auf eine Stunde hochrechnen

    Volumen × 60. Im Beispiel sind das etwa 69 m³/h.

  3. Aufschlag für Filter und Schlauch

    Mit Aktivkohlefilter multiplizierst du mit etwa 1,5 bis 2, bei langen Schläuchen oder warmem Standort eher mit 2 bis 2,5. Im Beispiel landest du bei ungefähr 100 bis 170 m³/h.

Boxgröße (Grundfläche × Höhe)VolumenRichtwert Lüfterleistung mit Filter
60 × 60 × 160 cmca. 0,6 m³80 bis 150 m³/h
80 × 80 × 180 cmca. 1,2 m³120 bis 250 m³/h
100 × 100 × 200 cmca. 2,0 m³200 bis 400 m³/h
120 × 120 × 200 cmca. 2,9 m³300 bis 500 m³/h

Die Angaben der Hersteller beziehen sich meist auf freies Ausblasen ohne Widerstand. Unter realen Bedingungen liefert der Lüfter deutlich weniger. Ein etwas größerer Lüfter, der gedrosselt läuft, ist deshalb leiser und flexibler als ein kleiner Lüfter am Anschlag.

EC oder AC: Welcher Lüftertyp? #

Inline-Lüfter gibt es mit zwei Motortypen.

MerkmalAC-LüfterEC-Lüfter
MotorWechselstrommotorelektronisch kommutierter Gleichstrommotor
Regelungüber Stufenschalter oder Trafo-Drehzahlreglerstufenlos, oft mit integriertem Temperatursensor
Stromverbrauch bei Teillastrelativ hochdeutlich niedriger
Geräusch im gedrosselten BetriebBrummen bei manchen Reglernmeist leiser
Anschaffunggünstigerteurer

Für die meisten Heim-Grows ist ein EC-Lüfter die bessere Wahl, weil er dauerhaft gedrosselt läuft und dabei effizient und leise bleibt. Ein AC-Lüfter funktioniert ebenfalls, braucht aber einen passenden Drehzahlregler. Einfache Phasenanschnittdimmer für Lampen sind dafür nicht geeignet.

Aufbau der Abluftstrecke #

Die Reihenfolge ist in fast allen Growboxen gleich: Filter, Lüfter, Schlauch, Auslass.

  1. Filter oben aufhängen

    Der Aktivkohlefilter hängt im oberen Bereich der Box, weil sich dort die warme Luft sammelt.

  2. Lüfter hinter den Filter setzen

    Der Lüfter saugt durch den Filter. So bleibt der gesamte Luftweg in der Box im Unterdruck.

  3. Schlauch möglichst kurz führen

    Jeder Meter Schlauch und jeder Bogen kostet Leistung. Enge Knicke vermeiden, den Schlauch straff ziehen.

  4. Durchmesser beibehalten

    Reduzierungen auf kleinere Rohrquerschnitte bremsen den Luftstrom und erzeugen Geräusche.

  5. Auslass nach draußen oder in einen großen Raum

    Warme, feuchte Abluft gehört idealerweise nach draußen, etwa über einen Fensteradapter. In einem kleinen, geschlossenen Raum staut sich sonst die Wärme.

  6. Zuluft freigeben

    Öffne die unteren Zuluftklappen. Ihre Fläche sollte etwas kleiner sein als der Abluftquerschnitt, damit Unterdruck entsteht.

Wie du den Unterdruck feinjustierst, zeigt die Anleitung Growbox-Unterdruck einstellen. Die Montage des Filters beschreibt Aktivkohlefilter installieren.

Den Lüfter richtig einstellen #

Die passende Drehzahl richtet sich nach dem Klima, nicht nach einem festen Wert. Als Richtwerte für das Klima in der Box gelten in der Blüte 20 bis 26 °C bei 40 bis 55 % rF, in der Wachstumsphase 22 bis 28 °C bei 55 bis 70 % rF.

  • Tagsüber: Lüfter so weit hochdrehen, dass die Temperatur im Zielbereich bleibt.
  • Nachts: Drehzahl reduzieren, aber nie ganz abschalten. Ohne Luftaustausch steigt die Feuchte, und die Geruchskontrolle fällt weg.
  • Automatisch regeln: Viele EC-Lüfter und Klimacontroller passen die Drehzahl anhand von Temperatur und Luftfeuchte selbst an. Das fängt Spitzen ab, auch wenn du nicht da bist.

Lautstärke senken #

Ein Inline-Lüfter ist oft das lauteste Gerät im Grow. Die wichtigsten Stellschrauben:

  • Lüfter eine Nummer größer wählen und gedrosselt betreiben.
  • Lüfter entkoppelt aufhängen, etwa mit Gurten, statt ihn fest an Stangen zu schrauben.
  • Schalldämpfer oder isolierte Schläuche nach dem Lüfter einsetzen.
  • Schläuche nicht an Wänden oder Stangen anliegen lassen.

Weitere Maßnahmen findest du im Ratgeber Growbox schallisolieren.

Häufige Fragen #

Wie groß muss der Lüfter für meine Growbox sein?

Rechne Boxvolumen in m³ mal 60 und schlage für Filter und Schlauch das 1,5- bis 2-Fache auf. Für eine 80 × 80 cm Box landest du damit bei rund 120 bis 250 m³/h.

Brauche ich zusätzlich einen Zuluftlüfter?

In den meisten Growboxen nicht. Passive Zuluft über die unteren Öffnungen reicht aus und sorgt für Unterdruck. Ein aktiver Zuluftlüfter ist nur bei sehr großen Räumen oder langen Zuluftwegen sinnvoll und muss schwächer laufen als die Abluft.

Darf der Abluftlüfter nachts ausgeschaltet werden?

Besser nicht. Nachts steigt die Luftfeuchte, weil es kühler wird und die Pflanzen weiter Wasser abgeben. Eine reduzierte Drehzahl hält die Feuchte im Rahmen und sorgt dafür, dass der Geruch weiter über den Filter entweicht.

Wohin mit der Abluft, wenn kein Fenster in der Nähe ist?

Die Abluft kann in einen großen, gut belüfteten Raum geleitet werden. Dann muss der Aktivkohlefilter zuverlässig arbeiten, und der Raum darf sich nicht aufheizen. Ein direkter Weg nach draußen bleibt die beste Lösung.