Spinnmilben sind winzig, vermehren sich rasant und fühlen sich im warmen, trockenen Klima einer Growbox ausgesprochen wohl. Wer den Befall erst an Gespinsten erkennt, hat meist schon eine große Population vor sich. Mit einem geübten Blick auf die Blattunterseiten und einem klaren Plan lässt sich ein Befall aber auch indoor stoppen, idealerweise bevor die Blüte beginnt.
Was sind Spinnmilben? #
Im Indoor-Grow tritt vor allem die Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae) auf. Sie gehört zu den Spinnentieren, nicht zu den Insekten.
- Größe: etwa 0,3 bis 0,5 mm, mit bloßem Auge nur als Pünktchen erkennbar
- Farbe: gelblich bis grünlich mit zwei dunklen Flecken, im Herbst und unter Stress auch rötlich
- Lebensweise: sitzen auf der Blattunterseite, stechen einzelne Zellen an und saugen sie aus
- Vermehrung: Bei Temperaturen um 27 bis 30 °C kann eine Generation in rund einer Woche heranwachsen, bei kühleren Temperaturen dauert es deutlich länger. Jedes Weibchen legt zahlreiche Eier.
Diese schnelle Vermehrung erklärt, warum ein Befall innerhalb von zwei bis drei Wochen von „kaum sichtbar“ zu „ganze Pflanze betroffen“ werden kann.
Spinnmilben erkennen: das Schadbild #
| Stadium | Anzeichen |
|---|---|
| Früh | feine, helle oder gelbliche Sprenkel auf der Blattoberseite, meist an älteren Blättern |
| Fortgeschritten | Sprenkel fließen zusammen, Blätter wirken matt, gelblich oder bronzefarben |
| Stark | feine Gespinste zwischen Blättern und an Triebspitzen, Blätter vertrocknen |
| Sehr stark | Gespinste auf den Blüten, sichtbare Milben-Kolonien an den Spitzen |
Verwechslungsgefahr: Helle Flecken können auch von Thripsen stammen. Diese hinterlassen aber eher silbrig glänzende, längliche Flecken mit kleinen schwarzen Kotpunkten. Mehr dazu im Beitrag Thripse bei Cannabis erkennen. Auch Magnesiummangel verursacht Aufhellungen, allerdings zwischen den Blattadern und ohne punktförmiges Muster.
Befall bestätigen #
Blattunterseite prüfen
Drehe gesprenkelte Blätter um und betrachte sie mit einer Lupe ab etwa 30-facher Vergrößerung. Du siehst kleine, sich bewegende Punkte und runde, glasige Eier.
Papiertest
Halte ein weißes Blatt Papier unter einen Trieb und klopfe leicht darauf. Kleine Punkte, die über das Papier krabbeln, sind Milben.
Ausmaß bestimmen
Kontrolliere jede Pflanze, jeweils unten, in der Mitte und oben. Notiere, wo du Milben findest.
Sofortmaßnahmen #
Sobald der Befall bestätigt ist, zählt jeder Tag.
Isolieren
Befallene Pflanzen möglichst von gesunden trennen. In einer einzelnen Box ist das kaum möglich, dann gilt der ganze Bestand als betroffen.
Stark befallene Blätter entfernen
Vorsichtig abschneiden, direkt in einen Beutel stecken und verschlossen entsorgen, damit keine Milben abgestreift werden.
Abspülen (nur Wachstumsphase)
Pflanzen mit lauwarmem Wasser kräftig abbrausen, besonders die Blattunterseiten. Das reduziert die Population mechanisch.
Klima anpassen
Temperatur leicht senken und die Luftfeuchte in der Wachstumsphase auf etwa 60 bis 65 % rF anheben. Spinnmilben mögen es warm und trocken.
Gespinste entfernen
Mit einem feuchten Tuch oder Wattestäbchen abwischen, weil die Gespinste Milben und Eier schützen.
Behandlung in der Wachstumsphase #
In der vegetativen Phase stehen mehrere Mittel zur Verfügung. Wichtig ist die Wiederholung, weil kaum ein Mittel die Eier zuverlässig trifft.
| Methode | Wirkung | Hinweise |
|---|---|---|
| Kaliseife | wirkt bei direktem Kontakt | gründlich auf Blattunterseiten sprühen, nach Herstellerangabe verdünnen |
| Neemöl | stört Fraß und Entwicklung | nur bei ausgeschaltetem Licht anwenden, nicht bei hoher Wärme |
| Raubmilben | fressen Milben und Eier | nachhaltig, auch für die Blüte geeignet |
| Abbrausen | reduziert Population | ergänzend, ersetzt keine Behandlung |
Ein bewährter Rhythmus für Sprühmittel: drei Anwendungen im Abstand von etwa drei bis fünf Tagen. So werden auch die Milben erwischt, die aus den Eiern schlüpfen. Wie du Neemöl richtig einsetzt, beschreibt die Anleitung: Schädlinge mit Neemöl behandeln.
Kaliseife und Neemöl schädigen auch Raubmilben. Entscheide dich für einen Weg oder halte nach einer Spritzbehandlung einige Tage Abstand, bevor du Nützlinge einsetzt.
Raubmilben: die nachhaltige Lösung #
Raubmilben sind natürliche Gegenspieler der Spinnmilbe und können auch in der Blüte eingesetzt werden, weil sie keine Rückstände hinterlassen.
- Phytoseiulus persimilis: frisst fast ausschließlich Spinnmilben, sehr wirksam bei akutem Befall. Braucht eine relative Luftfeuchte von etwa 60 % oder mehr und Temperaturen unter etwa 30 °C.
- Amblyseius californicus (Neoseiulus californicus): verträgt trockenere und wärmere Bedingungen, überlebt auch ohne Beute länger und eignet sich deshalb gut zur Vorbeugung.
Setze Raubmilben möglichst früh ein und verteile sie auf alle befallenen Pflanzen. Die Wirkung setzt nach einigen Tagen ein, die Population der Spinnmilben sinkt meist innerhalb von zwei bis drei Wochen deutlich.
Spinnmilben in der Blüte #
In der Blüte ist die Lage schwieriger. Sprühmittel hinterlassen Rückstände in den Blüten und fördern Schimmel. Deshalb gilt:
- ab etwa der dritten Blütewoche keine Öle oder Seifen mehr auf die Pflanzen sprühen
- Raubmilben einsetzen, dabei die höhere Luftfeuchte gegen das Schimmelrisiko abwägen
- stark befallene Blätter weiter konsequent entfernen
- bei massivem Befall kurz vor Ende der Blüte: Ernte vorziehen, statt die Qualität weiter leiden zu lassen
Blüten mit sichtbaren Gespinsten sollten nicht verwendet werden.
Nach dem Befall: Box reinigen #
Spinnmilben überleben in Ritzen, an Gestänge und in Pflanzenresten. Nach der Ernte gehört die Box deshalb komplett gereinigt:
- alle Pflanzenreste und benutztes Substrat entfernen
- Wände, Boden, Gestänge, Töpfe und Ventilatoren abwischen und desinfizieren
- Box einige Tage leer stehen lassen, wenn möglich
- neue Pflanzen nur nach Quarantäne einsetzen
Vorbeugung #
- Neue Pflanzen und Stecklinge ein bis zwei Wochen getrennt halten und kontrollieren, siehe Checkliste Quarantäne
- Nach Gartenarbeit oder Kontakt mit Zimmerpflanzen Kleidung wechseln
- Klima nicht dauerhaft zu warm und zu trocken halten
- Einmal pro Woche Blattunterseiten mit der Lupe prüfen
- Bei wiederkehrenden Problemen vorbeugend Amblyseius californicus einsetzen
Wie du diese Maßnahmen zu einer dauerhaften Strategie verbindest, erklärt der Beitrag IPM im Indoor-Grow.
Häufige Fragen #
Woher kommen Spinnmilben in der Growbox?
Meist werden sie eingeschleppt: über neue Pflanzen und Stecklinge, über Kleidung nach Gartenarbeit oder von Zimmerpflanzen. Seltener gelangen sie durch Zuluftöffnungen in die Box.
Kann ich Spinnmilben vollständig loswerden?
Ja, mit konsequenter Behandlung und anschließender Reinigung der Box. Einzelne überlebende Milben reichen allerdings für einen neuen Befall, deshalb sind Wiederholungen und Kontrollen entscheidend.
Hilft hohe Luftfeuchtigkeit gegen Spinnmilben?
Sie bremst die Vermehrung, tötet die Milben aber nicht. In der Wachstumsphase ist eine leicht erhöhte Luftfeuchte ein sinnvoller Baustein, in der Blüte steigt dadurch das Schimmelrisiko.
Sind Spinnmilben für Menschen gefährlich?
Nein, sie befallen nur Pflanzen. Befallene Blüten mit Gespinsten und Kot sind aber verunreinigt und sollten nicht verwendet werden.
Fazit #
Spinnmilben stoppst du am sichersten, wenn du sie früh entdeckst: an feinen hellen Sprenkeln und einem Blick unter die Blätter. In der Wachstumsphase helfen Abbrausen, Kaliseife oder Neemöl in mehreren Durchgängen, in der Blüte vor allem Raubmilben. Gründliche Reinigung und Quarantäne verhindern, dass der Befall im nächsten Durchgang zurückkehrt.




