Leitungswasser ist nicht gleich Leitungswasser. In manchen Regionen kommt fast kalkfreies Wasser aus dem Hahn, anderswo bildet sich schon nach wenigen Tagen ein weißer Rand im Wasserkocher. Für den Indoor-Grow ist dieser Unterschied wichtig: Die Wasserhärte bestimmt, wie viel Kalzium und Magnesium schon im Gießwasser stecken, wie stark sich der pH-Wert verschieben lässt und wie viel Platz für Dünger bleibt.

Was bedeutet Wasserhärte? #

Die Wasserhärte beschreibt die Menge an gelösten Erdalkali-Ionen im Wasser, vor allem Kalzium (Ca) und Magnesium (Mg). In Deutschland wird sie häufig in Grad deutscher Härte (°dH) oder in Millimol pro Liter angegeben. Ein Grad deutscher Härte entspricht etwa 0,18 mmol/l Erdalkali-Ionen.

Dabei unterscheidet man zwei Werte:

  • Gesamthärte: Summe aller Kalzium- und Magnesium-Ionen. Sie zeigt, wie viel dieser Nährstoffe das Wasser bereits mitbringt.
  • Karbonathärte (KH): Der Anteil, der an Hydrogenkarbonat gebunden ist. Sie bestimmt die Pufferkapazität des Wassers, also wie stark es sich gegen pH-Veränderungen wehrt.

Für Grower ist die Karbonathärte oft der wichtigere Wert, weil sie direkt beeinflusst, wie viel pH-Down du brauchst und wie stabil der eingestellte Wert bleibt.

Härtebereiche im Überblick #

HärtebereichGesamthärte (Richtwert)Bedeutung für den Grow
weichunter etwa 8,4 °dHwenig Kalzium und Magnesium, schwacher pH-Puffer, CalMag oft nötig
mitteletwa 8,4 bis 14 °dHmeist gut nutzbar, Dünger nach Messung anpassen
hartüber etwa 14 °dHviel Kalk, hoher Ausgangs-EC, pH steigt nach dem Einstellen gern wieder an

Die Angaben für dein Leitungswasser findest du in der Wasseranalyse deines Versorgers, die meist online abrufbar ist. Sie enthält neben der Härte oft auch Kalzium-, Magnesium- und Natriumwerte.

Wie Wasserhärte den pH-Wert beeinflusst #

Hydrogenkarbonat reagiert mit Säure und neutralisiert sie. Gibst du pH-Down in hartes Wasser, wird ein Teil der Säure zunächst vom Karbonat „verbraucht“. Du brauchst also mehr Korrekturmittel, und der pH-Wert kann nach einigen Stunden wieder ansteigen, weil sich das chemische Gleichgewicht erst langsam einstellt.

Weiches Wasser hat dagegen kaum Puffer. Schon wenige Tropfen pH-Down lassen den Wert stark fallen. In Kokos und Hydro führt das leicht zu unruhigen Messwerten. Wie du solche Schwankungen eingrenzt, beschreibt der Beitrag pH-Schwankungen im Grow.

Wie Wasserhärte den EC-Wert beeinflusst #

Gelöste Mineralien leiten Strom. Deshalb hat Leitungswasser schon vor dem Düngen einen eigenen EC-Wert, in Deutschland oft zwischen etwa 0,2 und 0,8 mS/cm. Dieser Ausgangs-EC zählt zur Gesamtkonzentration der Nährlösung.

Zwei Folgen ergeben sich daraus:

  • Bei hartem Wasser bleibt weniger Spielraum für Dünger, bevor der Ziel-EC erreicht ist.
  • Ein Teil des Ausgangs-EC stammt aus Natrium, Chlorid oder Sulfat, die die Pflanze kaum braucht. Hoher Ausgangs-EC ist also nicht automatisch „mehr Nährstoffe“.

Miss den EC-Wert deines Leitungswassers einmal pro Saison und rechne ihn beim Düngen mit ein. Viele Düngeschemata geben an, ob sich ihre Werte auf den Gesamt-EC oder auf den Zusatz über das Ausgangswasser beziehen.

Kalzium und Magnesium im Gleichgewicht #

Kalzium stabilisiert Zellwände und neues Gewebe, Magnesium ist zentraler Baustein des Chlorophylls. Beide werden in größeren Mengen gebraucht und stehen in Konkurrenz: Zu viel Kalzium kann die Aufnahme von Magnesium bremsen und umgekehrt. Als grober Richtwert gilt in der Nährlösung ein Verhältnis von etwa 2 bis 3 Teilen Kalzium zu 1 Teil Magnesium.

Hartes Wasser liefert oft viel Kalzium, aber vergleichsweise wenig Magnesium. Dann kann trotz „hartem“ Wasser ein Magnesiummangel auftreten, erkennbar an Aufhellungen zwischen den Blattadern älterer Blätter. Weiches Wasser liefert von beidem wenig, weshalb dort ein Kalzium-Magnesium-Zusatz fast immer sinnvoll ist. Wann genau, erklärt der Beitrag CalMag im Indoor-Grow.

Welches Wasser für welches Substrat? #

SubstratHartes WasserWeiches Wasser
Erdemeist problemlos, Erde puffert selbstgut nutzbar, auf Kalziumversorgung achten
Kokosteilweise verschneiden, CalMag reduzierenCalMag regelmäßig zugeben
Hydro / DWCoft mit Osmosewasser verschneidengut geeignet, CalMag ergänzen

In Erde spielt die Wasserhärte die kleinste Rolle, weil das Substrat selbst Kalk und organische Puffer enthält. In Kokos und Hydro hat sie dagegen direkten Einfluss auf die Nährstoffbalance.

Hartes Wasser anpassen #

  1. Werte ermitteln

    Wasseranalyse des Versorgers lesen und selbst den EC-Wert messen.

  2. Verschneiden

    Einen Teil des Leitungswassers durch Osmose- oder Regenwasser ersetzen, bis der Ausgangs-EC in einem niedrigen Bereich liegt, etwa um 0,2 bis 0,4 mS/cm.

  3. Dünger anpassen

    Bei weiterhin hartem Wasser den CalMag-Zusatz reduzieren oder weglassen.

  4. pH mit Geduld einstellen

    Korrekturmittel in kleinen Schritten zugeben und nach einer Wartezeit nachmessen.

Ob sich eine eigene Osmoseanlage für dich lohnt, zeigt der Beitrag Osmosewasser im Grow: Wann ist es sinnvoll?.

Weiches Wasser und Osmosewasser nutzen #

Sehr weiches Wasser oder reines Osmosewasser ist eine saubere Ausgangsbasis, weil du alle Nährstoffe selbst bestimmst. Es fehlt aber an Kalzium, Magnesium und Puffer. Ein CalMag-Zusatz vor dem eigentlichen Dünger bringt den EC meist auf etwa 0,3 bis 0,4 mS/cm und stabilisiert gleichzeitig den pH-Wert. Gib den Zusatz immer zuerst ins Wasser, dann die Dünger und am Ende die pH-Korrektur.

Häufige Fragen #

Welche Wasserhärte ist ideal für Cannabis?

Eine mittlere Härte mit niedrigem bis moderatem Ausgangs-EC ist für die meisten Setups gut geeignet. Wichtiger als ein bestimmter Härtegrad ist, dass du die Werte kennst und Dünger und CalMag danach ausrichtest.

Kann ich hartes Leitungswasser einfach abkochen?

Abkochen entfernt nur einen Teil der Karbonathärte und ist für größere Mengen unpraktisch. Verschneiden mit Osmose- oder Regenwasser ist die zuverlässigere Methode.

Muss ich Leitungswasser abstehen lassen?

Abstehen lassen hilft, wenn dein Versorger mit Chlor desinfiziert, weil Chlor ausgast. Die Härte ändert sich dadurch nicht. Zusätzlich erreicht das Wasser Raumtemperatur, was den Wurzeln gut tut.

Brauche ich bei hartem Wasser trotzdem CalMag?

Nicht immer. In Erde meist nicht, in Kokos oft nur in reduzierter Menge. Achte auf Magnesiummangel, denn hartes Wasser enthält häufig mehr Kalzium als Magnesium.