Im Sommer liefert die Sonne im Gewächshaus kostenlos Licht und Wärme. Zwischen November und Februar kehrt sich das um: Die Tage sind kurz, das Licht ist schwach, und nachts fällt die Temperatur weit unter das, was Cannabis verträgt. Ein ganzjähriger Betrieb ist trotzdem machbar. Er verlangt aber gute Dämmung, eine zuverlässige Heizung, Zusatzlicht und eine ehrliche Rechnung, ob der Aufwand im Verhältnis zum Ergebnis steht.
Die drei Winterprobleme #
Wer im Winter im Gewächshaus growen will, kämpft gegen drei Faktoren gleichzeitig:
- Kälte: Cannabis wächst am besten zwischen 20 und 28 °C. Unter etwa 15 °C stockt das Wachstum, Frost ist tödlich.
- Lichtmangel: Im Dezember scheint in Deutschland die Sonne nur etwa acht Stunden, und das bei flachem Einfallswinkel. Die tägliche Lichtmenge liegt dann nur bei einem Bruchteil der Sommerwerte.
- Feuchtigkeit: Warme Luft trifft auf kalte Scheiben, Kondenswasser tropft auf die Pflanzen. Schimmel und Mehltau finden ideale Bedingungen.
Hinzu kommt die Tageslänge: Bei unter zwölf Stunden Licht gehen photoperiodische Pflanzen sofort in die Blüte. Ohne Zusatzlicht ist eine Wachstumsphase im Winter nicht möglich.
Dämmung: Wärme halten statt nachheizen #
Jedes Grad, das nicht verloren geht, muss nicht erzeugt werden. Deshalb ist die Dämmung der wichtigste Hebel für den Winterbetrieb.
| Material | Wärmeverlust (U-Wert, Richtwert) | Einschätzung |
|---|---|---|
| Einfachglas | etwa 5,5 bis 6 W/m²K | ungeeignet für Winterbetrieb ohne Zusatzdämmung |
| Einfachglas mit Luftpolsterfolie innen | etwa 3 bis 4 W/m²K | günstige Nachrüstung, etwas weniger Licht |
| Hohlkammerplatten 10 mm | etwa 3 W/m²K | guter Kompromiss |
| Hohlkammerplatten 16 mm und mehr | etwa 2 bis 2,5 W/m²K | für ganzjährigen Betrieb empfehlenswert |
Die Unterschiede zwischen den Gewächshaustypen beschreibt der Ratgeber Gewächshaus-Typen für Cannabis.
Weitere Maßnahmen:
- Nordseite dämmen: Von Norden kommt kaum Licht. Hier kannst du undurchsichtig mit Dämmplatten und reflektierender Folie innen arbeiten.
- Bodendämmung: Pflanzen auf Styrodur- oder Holzplatten statt direkt auf kalten Boden stellen.
- Fugen abdichten: Zugluft an Türen und Lüftungsklappen kostet viel Wärme.
- Raum verkleinern: Ein Growzelt oder eine abgetrennte Zone im Gewächshaus muss deutlich weniger Volumen beheizen.
- Thermische Masse: Dunkle, mit Wasser gefüllte Behälter speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts langsam ab.
Was vor dem ersten Frost zu erledigen ist, findest du in der Checkliste Gewächshaus winterfest machen.
Heizbedarf berechnen #
Den Heizbedarf kannst du grob selbst abschätzen. Die Formel lautet: Wärmeverlust in Watt = U-Wert × Hüllfläche in m² × Temperaturdifferenz in Kelvin.
Beispiel: Ein kleines Gewächshaus hat rund 14 m² Hüllfläche aus 10-mm-Hohlkammerplatten (U-Wert etwa 3 W/m²K). Innen sollen 18 °C herrschen, draußen sind es 0 °C.
- Wärmeverlust: 3 × 14 × 18 = 756 Watt
- Pro Tag: 756 W × 24 h = etwa 18 kWh
In einer kalten Nacht mit −10 °C steigt der Bedarf auf über 1.100 Watt. Mit Luftpolsterfolie oder einem Growzelt im Inneren lässt sich der Wert deutlich senken. Tagsüber hilft die Sonne mit, dafür sind Lüftungsverluste in der Rechnung noch nicht enthalten.
Geeignete Heizungen:
- Elektrische Gewächshausheizungen mit Thermostat und Frostschutzfunktion
- Ölradiatoren für kleine Flächen
- Heizmatten unter den Töpfen, um die Wurzelzone warm zu halten
Petroleum- und Gasheizer ohne Abgasführung erzeugen Feuchtigkeit und Verbrennungsgase. Das begünstigt Schimmel und kann Pflanzen schädigen. Elektrische Heizgeräte gehören an einen abgesicherten, spritzwassergeschützten Anschluss.
Lichtmangel ausgleichen #
Die tägliche Lichtmenge, der DLI, fällt im Winter so stark ab, dass Cannabis ohne Zusatzlicht nur kümmerlich wächst. Für kräftiges Wachstum brauchst du in der Wachstumsphase etwa 20 bis 40 mol/m²/Tag und in der Blüte 30 bis 45 mol/m²/Tag (Richtwerte). Im deutschen Winter liefert das Tageslicht im Gewächshaus oft nur einen kleinen Teil davon.
So gehst du vor:
Lichtbedarf bestimmen
Die Differenz zwischen dem Ziel-DLI und dem natürlichen Licht muss die Lampe liefern. Im Hochwinter ist das nahezu die gesamte Menge.
LED einplanen
Dimensioniere die Beleuchtung fast wie für einen Indoor-Grow, also etwa 300 bis 500 Watt LED-Leistung pro Quadratmeter Anbaufläche bei moderner Technik.
Photoperiode steuern
Für die Wachstumsphase auf 18 Stunden Licht verlängern. Für die Blüte reichen 12 Stunden, dabei darf in der Dunkelphase kein Fremdlicht hineinfallen.
Nachbarn und Umgebung bedenken
Ein nachts beleuchtetes Gewächshaus fällt auf. Lichtdichte Verdunkelung verhindert, dass Licht nach außen dringt.
Kondenswasser und Schimmel vermeiden #
Im Winter ist die Luftfeuchte im Gewächshaus oft das größere Problem als die Temperatur.
- Umluftventilatoren laufen dauerhaft, damit sich keine feuchten Luftpolster bilden.
- Morgens gießen, nicht abends, damit das Substrat vor der kalten Nacht abtrocknet.
- Einen Luftentfeuchter einsetzen, sobald die Luftfeuchte dauerhaft über 60 % rF liegt.
- Pflanzen nicht direkt an kalte Scheiben stellen.
- Kurzes Stoßlüften an sonnigen Mittagen tauscht feuchte gegen trockenere Außenluft.
Zielwerte in der Blüte: 40 bis 50 % rF, nachts nicht unter 17 bis 18 °C.
Wirtschaftlichkeit: ehrlich gerechnet #
Der ganzjährige Gewächshausbetrieb klingt nach einer Verlängerung der Saison zum Nulltarif. Tatsächlich sieht die Bilanz im Winter anders aus:
| Faktor | Gewächshaus im Winter | Growbox im beheizten Raum |
|---|---|---|
| Heizenergie | hoch, abhängig von Dämmung und Außentemperatur | keine zusätzliche Heizung nötig |
| Lichtenergie | fast gleich hoch wie indoor | voll durch Lampe gedeckt |
| Abwärme der Lampe | hilft beim Heizen | muss teils abgeführt werden |
| Klimakontrolle | schwierig, starke Schwankungen | gut steuerbar |
| Schimmelrisiko | erhöht | gering bis mittel |
Im Hochwinter braucht ein Gewächshaus also Licht wie ein Indoor-Grow und zusätzlich Heizenergie. Wirtschaftlich sinnvoll ist der Winterbetrieb vor allem in drei Fällen:
- Das Gewächshaus ist sehr gut gedämmt oder an ein warmes Gebäude angebaut.
- Die Übergangszeiten im März und Oktober werden genutzt, nicht der Hochwinter.
- Eine kleine, abgetrennte Zone wird beheizt, der Rest bleibt kalt.
Für viele Hobbygrower ist die bessere Lösung ein hybrider Ansatz: Im Winter eine kleine Indoor-Box betreiben und dort Pflanzen vorziehen, im Frühjahr ins Gewächshaus umziehen. Wie das funktioniert, beschreibt Saisonverlängerung im Gewächshaus.
Häufige Fragen #
Kann ich Cannabis im Winter im Gewächshaus ohne Heizung anbauen?
In Deutschland praktisch nicht. Die Nachttemperaturen liegen über Wochen unter dem Bereich, den Cannabis verträgt, und Frost zerstört die Pflanzen. Ein frostfreies, aber kaltes Gewächshaus eignet sich höchstens zur Überwinterung von Werkzeug und Töpfen.
Welche Temperatur braucht Cannabis nachts im Winter-Gewächshaus?
Als Richtwert mindestens 16 bis 18 °C. Kurzzeitig tiefere Werte überstehen die Pflanzen, aber Wachstum und Blütenbildung leiden, und in der Blüte steigt das Schimmelrisiko.
Welche Sorten eignen sich für den Winteranbau?
Kompakte, schnell blühende Sorten mit Resistenz gegen Schimmel. Autoflowers sind interessant, weil sie unabhängig von der Tageslänge blühen, brauchen aber genauso viel Licht und Wärme.
Reicht eine Heizmatte als Heizung?
Nur als Ergänzung. Eine Heizmatte hält die Wurzelzone warm, erwärmt aber nicht die Luft im Gewächshaus. Bei Frost braucht es eine Raumheizung.






