Deep Water Culture, kurz DWC, ist eine der einfachsten Hydro-Methoden: Die Wurzeln hängen direkt in einer sauerstoffreichen Nährlösung. Kein Substrat, keine Gießkanne, dafür sehr schnelles Wachstum, wenn Temperatur, Sauerstoff und pH stimmen. Ein Einzel-Eimer-System lässt sich mit wenig Material an einem Nachmittag bauen. Diese Anleitung konzentriert sich auf den Bau. Wie du ein DWC-System im laufenden Betrieb führst, erklärt DWC für Cannabis einrichten.

So funktioniert DWC #

Die Pflanze sitzt in einem Netztopf mit Blähton im Deckel eines Eimers. Darunter steht die Nährlösung. Eine Luftpumpe drückt über einen Sprudelstein ständig Luft ins Wasser. Die aufsteigenden Blasen versorgen die Wurzeln mit Sauerstoff und halten die Lösung in Bewegung. Anfangs reicht die Nährlösung bis knapp unter den Netztopf. Sobald die Wurzeln ins Wasser gewachsen sind, wird der Pegel abgesenkt, sodass zwischen Deckel und Wasseroberfläche ein Luftspalt entsteht.

Materialien #

  • Eimer: 15–20 Liter, lichtdicht (schwarz oder weiß-schwarz), lebensmittelecht, mit dicht schließendem Deckel
  • Netztopf: 10–15 cm Durchmesser, passend zum Loch im Deckel
  • Blähton: gewaschen, etwa 1–2 Liter pro Netztopf
  • Luftpumpe: Membranpumpe mit ausreichender Leistung (siehe unten)
  • Sprudelstein oder Luftscheibe: möglichst groß, für feine Blasen
  • Luftschlauch: 4–6 mm, lichtundurchlässig oder geschützt verlegt
  • Rückschlagventil: verhindert, dass bei Stromausfall Wasser in die Pumpe zurückläuft
  • Optional: Pegelanzeige aus transparentem Schlauch, Ablasshahn, Aquarienthermometer
  • Werkzeug: Lochsäge oder Cuttermesser, Bohrer, Schleifpapier
  • Messgeräte: kalibriertes pH- und EC-Meter

Was einen guten Netztopf ausmacht, erklärt der Beitrag Netztopf im Hydro-Grow.

Behälter vorbereiten #

  1. Reinigen

    Eimer und Deckel mit heißem Wasser und etwas Wasserstoffperoxid oder einem milden Reiniger auswaschen, gründlich nachspülen.

  2. Deckelloch markieren

    Netztopf mittig auf den Deckel stellen und den Außenrand unterhalb des Randwulstes anzeichnen. Das Loch muss so groß sein, dass der Topf hindurchpasst, aber am Rand hängen bleibt.

  3. Loch schneiden

    Mit Lochsäge oder Cuttermesser ausschneiden und die Kanten entgraten.

  4. Schlauchdurchführung bohren

    Ein kleines Loch am Rand des Deckels oder oben an der Eimerwand für den Luftschlauch bohren, etwas kleiner als der Schlauchdurchmesser, damit er stramm sitzt.

  5. Pegelanzeige einbauen (optional)

    Unten am Eimer eine Tülle mit Dichtung einsetzen und einen transparenten Schlauch senkrecht nach oben führen. So siehst du den Wasserstand, ohne den Deckel zu öffnen.

  6. Füllstand markieren

    Mit dem Netztopf im Deckel prüfen, bei welchem Pegel das Wasser 1–2 cm unter den Boden des Netztopfs reicht, und diese Höhe außen markieren.

Luftpumpe installieren #

Die Luftversorgung ist das Herz des Systems. Zu wenig Sauerstoff ist die häufigste Ursache für Wurzelprobleme.

NährlösungLuftleistung (Richtwert)
10 lab etwa 3–5 l/min
20 lab etwa 5–8 l/min
mehrere EimerSumme plus Reserve, lieber großzügig
  1. Sprudelstein einlegen

    Am Eimerboden mittig platzieren, damit die Blasen gleichmäßig aufsteigen.

  2. Schlauch anschließen

    Durch die Bohrung führen und mit dem Stein verbinden.

  3. Rückschlagventil setzen

    In die Leitung zwischen Pumpe und Eimer, Pfeil in Richtung Eimer.

  4. Pumpe positionieren

    Außerhalb des Eimers, möglichst höher als der Wasserspiegel und auf einer dämpfenden Unterlage gegen Brummgeräusche.

  5. Test

    Eimer mit Wasser füllen, Pumpe einschalten. Die Oberfläche sollte kräftig sprudeln und sichtbar in Bewegung sein.

Nährlösung ansetzen #

  1. Wasser vorbereiten

    Eimer mit Osmose- oder Leitungswasser bis zur Markierung füllen. Wassertemperatur 18 bis 21 °C.

  2. Cal-Mag zugeben

    Bei Osmosewasser oder sehr weichem Wasser zuerst Cal-Mag einrühren.

  3. Dünger dosieren

    Hydro-geeigneten Dünger nach Schema einrühren, jede Komponente einzeln und gut verrühren.

  4. EC messen

    Für Sämlinge und frische Stecklinge 0,4 bis 0,8 mS/cm als Richtwert, später schrittweise steigern.

  5. pH einstellen

    Auf 5,6 bis 6,0 bringen, erst nach allen Zusätzen.

  6. Durchmischen lassen

    Pumpe 30 Minuten laufen lassen, dann pH und EC erneut messen.

Pflanze einsetzen #

  1. Netztopf befüllen

    Eine Schicht gewaschenen Blähton einfüllen.

  2. Steckling oder Sämling einsetzen

    Am besten in einem Steinwollwürfel oder Anzuchtblock mittig in den Topf setzen und mit Blähton umgeben.

  3. Wasserstand prüfen

    Die Lösung sollte 1 bis 2 cm unter dem Netztopfboden stehen. Die Blasen befeuchten den Blähton von unten.

  4. Anfangs von oben gießen

    Solange die Wurzeln das Wasser noch nicht erreichen, den Würfel ein- bis zweimal täglich mit etwas Nährlösung befeuchten.

  5. Pegel absenken

    Sobald die Wurzeln deutlich ins Wasser hängen, den Pegel schrittweise senken, bis ein Luftspalt von 5 bis 10 cm entsteht.

Zielwerte im Betrieb #

ParameterRichtwert
Wassertemperatur18–21 °C, möglichst unter 22 °C
pH5,6–6,0
EC Wachstum0,8–1,6 mS/cm
EC Blüte1,2–2,0 mS/cm
Lösungswechselalle 7–14 Tage

Wärmere Lösung hält weniger Sauerstoff und begünstigt Krankheitserreger. Braune, schleimige Wurzeln mit fauligem Geruch sind ein Alarmzeichen. Was dann zu tun ist, erklärt Wurzelfäule erkennen und behandeln. Für die laufende Pflege hilft die Checkliste DWC-Reservoir wöchentlich.

Häufige Fragen #

Wie groß sollte der DWC-Eimer sein?

Für eine Pflanze haben sich 15 bis 20 Liter bewährt. Größere Volumen puffern Temperatur und pH besser, sind aber schwerer zu wechseln.

Kann ich ein Aeroponik-System auf die gleiche Weise bauen?

Das Grundprinzip ist ähnlich, doch Aeroponik arbeitet mit Hochdruckdüsen statt Luftsteinen und braucht eine Pumpe mit Timer. Die Anforderungen an Technik und Zuverlässigkeit sind deutlich höher.

Wie oft muss ich die Nährlösung wechseln?

Alle 7 bis 14 Tage komplett. Dazwischen wird verdunstetes Wasser mit schwach dosierter Lösung aufgefüllt und pH sowie EC kontrolliert.

Brauche ich einen Wasserkühler?

Nur wenn die Lösung dauerhaft über 22 °C steigt. Oft reichen ein kühler Standort, isolierte Eimer und gefrorene Wasserflaschen als Übergangslösung.