Deep Water Culture (DWC) ist eine Hydroponik-Methode, bei der die Wurzeln dauerhaft in einer stark belüfteten Nährlösung hängen. Das sorgt für schnelles Wachstum, lässt aber wenig Puffer: Stimmen pH, Temperatur oder Sauerstoff nicht, reagieren die Pflanzen innerhalb weniger Tage. Eine feste Wochenroutine ist deshalb Pflicht.
Wie ein DWC-System aufgebaut wird, erklärt der Ratgeber DWC (Deep Water Culture) für Cannabis einrichten. Diese Checkliste setzt ein laufendes System voraus. Alle Zahlen sind Richtwerte; halte dich im Zweifel an das Schema deines Düngerherstellers.
Vorbereitung #
- Kalibriertes pH-Meter und EC-Meter bereitlegen
- Thermometer für das Wasser (oder Sensor im Reservoir)
- pH-Up und pH-Down, Messbecher, Pipette
- Ausreichend abgestandenes oder aufbereitetes Wasser für Nachfüllen oder Wechsel
- Grow-Tagebuch oder Tabelle für die Messwerte
- Saubere Handschuhe, wenn du an die Wurzeln gehst
1. Wasserstand #
- Füllstand ablesen und mit dem Wert der Vorwoche vergleichen – der Verbrauch zeigt, wie aktiv die Pflanzen sind
- Abstand zwischen Wasseroberfläche und Netztopf prüfen: Bei etablierten Wurzeln reichen 2 bis 5 cm Luftspalt
- Bei Sämlingen und frischen Stecklingen muss die Lösung den Netztopf noch berühren oder knapp darunter stehen
- Verdunstetes Wasser mit pH-korrigiertem Wasser oder schwacher Nährlösung auffüllen
- Stark schwankenden Verbrauch notieren – plötzlicher Rückgang ist oft das erste Zeichen für Wurzelprobleme
2. pH-Wert #
- pH täglich kurz, einmal pro Woche gründlich messen und dokumentieren
- Zielbereich im DWC: etwa 5,5 bis 6,2
- Leichtes Wandern innerhalb dieses Bereichs ist erwünscht, weil verschiedene Nährstoffe bei unterschiedlichen Werten am besten verfügbar sind
- Korrekturen in kleinen Schritten vornehmen, dann 30 Minuten zirkulieren lassen und erneut messen
- Steigt der pH jeden Tag deutlich, auf Wurzelgesundheit und Wassertemperatur achten
Warum der pH im Reservoir wandert und wie du ihn stabil hältst, steht im Beitrag pH-Drift im Reservoir.
3. EC-Wert #
- EC messen und mit dem Wert nach dem letzten Ansetzen vergleichen
- Richtwerte: Sämlinge 0,4 bis 0,8 mS/cm, Wachstum 1,0 bis 1,6 mS/cm, Blüte 1,4 bis 2,0 mS/cm
- Im DWC reicht oft ein etwas niedrigerer EC als in Erde oder Kokos
- EC steigt, Wasserstand sinkt: Pflanzen trinken mehr Wasser als Nährstoffe – mit reinem Wasser auffüllen
- EC sinkt deutlich: Pflanzen nehmen viele Nährstoffe auf – beim Nachfüllen leicht höher dosieren
- Blattspitzen auf Verbrennungen prüfen, sie bestätigen einen zu hohen EC
4. Wassertemperatur #
- Temperatur der Nährlösung messen, am besten zur wärmsten Tageszeit
- Zielbereich: 18 bis 21 °C
- Über 22 °C sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser, und das Risiko für Wurzelfäule steigt deutlich
- Unter 16 °C verlangsamt sich die Nährstoffaufnahme
- Bei Hitze: Reservoir lichtdicht isolieren, Pumpe außerhalb des Wassers platzieren, notfalls Wasserkühler einsetzen
5. Wurzelinspektion #
- Deckel oder Netztopf vorsichtig anheben, Licht dabei kurz halten
- Gesunde Wurzeln: weiß bis cremefarben, fest, mit feinen Seitenwurzeln
- Warnzeichen: braune, schleimige Wurzeln, modriger Geruch, Biofilm an der Behälterwand
- Leichte Verfärbung durch organische Zusätze von echter Fäule unterscheiden: Fäule riecht und fühlt sich schmierig an
- Wurzeln, die in die Luftpumpe oder Schläuche wachsen, zurückleiten
Bei ersten Anzeichen von Fäule lies den Beitrag Pythium bei Cannabis: Ursachen und Behandlung und handle sofort.
6. Luftpumpe und Belüftung #
- Hörst und siehst du kräftige, gleichmäßige Blasen an allen Sprudelsteinen?
- Sprudelsteine auf Kalk und Biofilm prüfen, bei nachlassender Leistung reinigen oder tauschen
- Schläuche auf Knicke, Risse und Algen kontrollieren
- Rückschlagventil prüfen, damit bei Stromausfall kein Wasser in die Pumpe läuft
- Pumpe auf Vibration und Geräuschentwicklung prüfen – das kündigt oft einen Ausfall an
- Ersatzpumpe bereithalten: Ohne Sauerstoff drohen im DWC schon nach wenigen Stunden Schäden
7. Reservoirwechsel #
- Nährlösung alle 7 bis 14 Tage komplett wechseln, bei hohen Temperaturen eher wöchentlich
- Behälter mit heißem Wasser auswaschen, Ablagerungen entfernen
- Neue Lösung ansetzen, auf Zieltemperatur bringen, pH und EC einstellen
- Erst danach die Pflanzen wieder einsetzen
- Alte Lösung verdünnt im Garten oder für Zierpflanzen verwenden statt sie einfach wegzukippen
8. Hygiene und Licht #
- Reservoir, Deckel und Netztöpfe auf Lichtlecks prüfen – Licht fördert Algen
- Grüne Beläge an Schläuchen oder Wänden sind ein sicheres Zeichen für Licht im System
- Abgestorbene Wurzelreste und Pflanzenteile aus dem Wasser fischen
- Arbeitsgeräte nach dem Einsatz abspülen
9. Dokumentation #
- Datum, Wasserstand, Verbrauch, pH, EC, Wassertemperatur und Wurzelzustand notieren
- Auffälligkeiten an den Blättern mit einem Foto festhalten
- Änderungen an Dosierung oder Technik vermerken
Eine sauber geführte Tabelle zeigt nach zwei, drei Wochen Muster, die im Alltag untergehen: steigende Wassertemperatur an warmen Tagen, pH-Sprünge nach dem Nachfüllen oder einen langsam sinkenden Verbrauch. Für die tiefere Steuerung der Wurzelzone lohnt sich der Beitrag DWC für Profis: Wurzelzone perfekt managen.
Häufige Fragen #
Wie oft muss ich die Nährlösung im DWC wechseln?
Als Richtwert alle 7 bis 14 Tage. Bei Wassertemperaturen über 21 °C, schnellem pH-Drift oder trübem Wasser eher wöchentlich. Dazwischen füllst du nur verdunstetes Wasser auf.
Was ist der ideale pH-Wert für DWC?
Die meisten Grower halten den pH zwischen 5,5 und 6,2 und lassen ihn innerhalb dieses Bereichs leicht wandern. Werte außerhalb davon blockieren einzelne Nährstoffe.
Eignet sich DWC für Einsteiger?
DWC ist technisch einfach, verzeiht aber wenig. Wer bereit ist, täglich pH und Wasserstand zu prüfen und die Wochenroutine einzuhalten, kommt gut zurecht. Wer selten Zeit hat, fährt mit Erde entspannter.


