Pythium ist eine Gattung von Eipilzen (Oomyceten), die weltweit im Boden und in Wasser vorkommen. Obwohl sie Pilzen ähneln, sind sie biologisch näher mit Algen verwandt. Einige Pythium-Arten befallen Wurzeln und lösen die gefürchtete Wurzelfäule aus, im Englischen oft Root Rot genannt. Besonders anfällig sind Hydrosysteme mit warmer Nährlösung und dauerhaft nasse Substrate. Pythium ist nicht die einzige Ursache für Wurzelfäule, aber eine der häufigsten. Eine allgemeine Übersicht über faulende Wurzeln gibt Wurzelfäule bei Cannabis erkennen und behandeln. Hier geht es gezielt um Pythium.

Wie Pythium schadet #

Pythium verbreitet sich über bewegliche Sporen, die im Wasser schwimmen. Sie werden von Wurzelausscheidungen angelockt, dringen in feine Wurzelspitzen ein und zerstören das Gewebe von innen. Die Wurzeln können dann kein Wasser und keine Nährstoffe mehr aufnehmen. Weil geschädigte Wurzeln weitere Erreger anziehen, wird aus einem kleinen Befall schnell eine umfassende Fäulnis.

Gesunde, kräftige Pflanzen in gut belüftetem Substrat wehren Pythium oft ab. Der Erreger nutzt vor allem Schwächephasen: Sauerstoffmangel, Wärme, Stress beim Umtopfen oder junge, empfindliche Wurzeln.

Symptome erkennen #

An den Wurzeln #

  • Braune bis dunkelbraune statt weißer oder cremefarbener Wurzeln
  • Schleimige, weiche Oberfläche, die sich leicht abziehen lässt, sodass nur ein dünner Faden übrig bleibt
  • Muffiger oder fauliger Geruch aus dem Reservoir oder dem Wurzelballen
  • In Hydrosystemen: bräunliche Beläge und trübe Nährlösung

An der Pflanze #

  • Welke trotz ausreichend oder zu viel Wasser
  • Gelbe, hängende Blätter, oft von unten beginnend
  • Mangelsymptome, obwohl richtig gedüngt wird
  • Stark verlangsamtes Wachstum
  • Bei Sämlingen: Der Stängel wird direkt über dem Substrat dünn, glasig und braun, die Pflanze kippt um. Diese sogenannte Umfallkrankheit wird häufig durch Pythium verursacht.

Pythium oder etwas anderes? #

BeobachtungHinweis auf PythiumAndere mögliche Ursache
Welke bei nassem SubstratjaÜberwässerung ohne Befall
Braune Wurzeln in DWCwenn schleimig und riechendVerfärbung durch Zusätze oder Dünger, Wurzeln dann aber fest
Umkippende SämlingetypischLichtmangel mit extrem langem, dünnem Stängel
Welke bei trockenem Substrateher nichtUnterwässerung

Ein Blick auf die Wurzeln bringt meist Klarheit. Bei Topfpflanzen kannst du den Ballen vorsichtig aus dem Topf ziehen und die Außenseite ansehen.

Ursachen #

  • Warme Wurzelzone: Über etwa 22 bis 24 °C sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser, und Pythium vermehrt sich schneller. Das ist in Hydrosystemen im Sommer die häufigste Ursache.
  • Sauerstoffmangel: Zu wenig Luftsprudler in DWC, verdichtetes Substrat, Staunässe in Töpfen ohne Abfluss.
  • Überwässerung: Dauerhaft nasse Erde verdrängt Luft aus den Poren. Mehr dazu im Beitrag Überwässerung bei Cannabis.
  • Verunreinigung: Ungereinigte Reservoirs, Schläuche, Töpfe oder Gießkannen aus früheren Durchgängen. Auch Trauermücken können Sporen übertragen.
  • Licht im Reservoir: Durchscheinende Behälter fördern Algen, die wiederum Sauerstoff verbrauchen und organisches Material liefern.
  • Organische Zusätze in Hydro: Zucker, Melasse oder organische Dünger in rezirkulierenden Systemen nähren Keime.

Behandlung #

Die Rettung gelingt nur, wenn noch ein Teil der Wurzeln gesund ist und du die Ursachen gleichzeitig beseitigst.

  1. Wurzelzone kühlen

    In Hydrosystemen die Nährlösung auf 18 bis 21 °C bringen, zum Beispiel mit gefrorenen Wasserflaschen im Reservoir oder einem Wasserkühler.

  2. Sauerstoff erhöhen

    Luftpumpe verstärken oder zusätzliche Sprudelsteine einsetzen. In Töpfen weniger gießen und für Abfluss sorgen.

  3. Nährlösung komplett wechseln

    Reservoir entleeren, reinigen und mit frischer, pH-korrigierter Lösung in reduzierter Stärke befüllen.

  4. Abgestorbene Wurzeln entfernen

    In DWC lassen sich schleimige Wurzelteile vorsichtig mit sauberer Schere abschneiden. Nicht zu radikal vorgehen.

  5. Nützliche Mikroorganismen einsetzen

    Präparate mit Bakterien wie Bacillus-Arten oder Pilzen wie Trichoderma besiedeln die Wurzelzone und verdrängen Pythium. Sie wirken am besten vorbeugend, können aber auch bei beginnendem Befall helfen.

  6. Wurzeln beobachten

    Nach einigen Tagen sollten neue, weiße Wurzelspitzen erscheinen. Das ist das beste Zeichen, dass die Pflanze sich erholt.

Wasserstoffperoxid: wirksam, aber umstritten #

Wasserstoffperoxid (H2O2) wird häufig eingesetzt, um Reservoirs zu desinfizieren und Sauerstoff freizusetzen. Häufig genannt werden Dosierungen von etwa 1 bis 3 ml 3%igem H2O2 pro Liter Nährlösung. Die Wirkung ist umstritten: H2O2 zerfällt schnell, tötet neben Pythium auch nützliche Mikroorganismen und kann in zu hoher Konzentration die Wurzeln schädigen. Es sollte deshalb nicht gleichzeitig mit Nützlingspräparaten eingesetzt werden.

Wann Rettung keinen Sinn mehr hat #

Sind fast alle Wurzeln braun und schleimig und die Pflanze welkt dauerhaft, ist die Chance gering. Entferne die Pflanze dann, um die Ausbreitung zu verhindern, und desinfiziere das gesamte System gründlich.

Vorbeugung #

  • Wurzeltemperatur halten: Richtwert 18 bis 21 °C in Hydrosystemen, in Töpfen nicht über 24 °C.
  • Viel Sauerstoff: starke Luftpumpen in DWC, luftiges Substrat mit Perlite in Erde und Kokos. Wie das funktioniert, erklärt Wurzelbelüftung im Cannabis-Grow.
  • Lichtdichte Reservoirs: keine durchscheinenden Behälter verwenden.
  • Sauber starten: Reservoirs, Schläuche und Töpfe vor jedem Durchgang reinigen und desinfizieren.
  • Nützlinge vorbeugend einsetzen: Mikrobielle Präparate von Anfang an in die Wurzelzone geben.
  • Nass-Trocken-Zyklen in Erde: Erst wieder gießen, wenn die oberen Zentimeter angetrocknet sind.
  • Trauermücken bekämpfen: Sie können Sporen verschleppen und Wurzeln verletzen.

Häufige Fragen #

Ist Pythium ein Pilz?

Nein, auch wenn es oft so bezeichnet wird. Pythium gehört zu den Oomyceten, auch Eipilze genannt, die biologisch näher mit Algen verwandt sind. Für die Praxis ist das wichtig, weil manche Mittel gegen echte Pilze bei Pythium kaum wirken.

Kann sich eine Pflanze vollständig von Pythium erholen?

Bei frühem Eingreifen ja. Sobald die Ursachen beseitigt sind, bildet die Pflanze neue, gesunde Wurzeln. Einen Wachstumsrückstand holt sie aber oft nicht vollständig auf, besonders in der Blüte.

Warum tritt Pythium vor allem im Sommer auf?

Warme Nährlösung enthält weniger gelösten Sauerstoff, und Pythium vermehrt sich bei höheren Temperaturen schneller. Hydrosysteme sind in heißen Wochen deshalb besonders gefährdet.

Kann ich Substrat nach einem Pythium-Befall wiederverwenden?

Davon ist abzuraten. Sporen können im Substrat überdauern. Entsorge befallenes Substrat und desinfiziere Töpfe und Geräte gründlich, bevor du sie erneut nutzt.