Die Blüte ist die Phase mit dem höchsten Schimmelrisiko. Die Buds werden dicht, speichern Feuchtigkeit und sind im Inneren schlecht belüftet. Grauschimmel (Botrytis) beginnt oft unsichtbar im Kern einer Blüte, Echter Mehltau zeigt sich als weißer Belag auf den Blättern. Ist der Befall einmal da, lässt er sich kaum noch stoppen – Vorbeugung ist deshalb alles.

Diese Checkliste hilft dir, die wichtigsten Punkte regelmäßig abzuarbeiten. Die Werte sind Richtwerte und hängen von Sorte und Setup ab.

Vor der Blüte #

  • Sorte bewusst wählen: Sehr kompakte, dichte Sorten sind anfälliger als lockere
  • Pflanzen vor dem Umstellen gesund und schädlingsfrei halten – geschwächte Pflanzen erkranken leichter
  • Pflanzenzahl und Größe an die Box anpassen, damit zwischen den Pflanzen Luft bleibt
  • Umluftventilatoren so positionieren, dass sich das gesamte Blätterdach leicht bewegt
  • Abluft so dimensionieren, dass die Luftfeuchte auch in der späten Blüte gesenkt werden kann
  • Luftentfeuchter einplanen, wenn der Raum dazu neigt, feucht zu sein
  • Hygrometer auf Höhe der Blüten anbringen und mit einem zweiten Gerät abgleichen

Luftfeuchtigkeit kontrollieren #

  • Frühe Blüte (Woche 1 bis 3): etwa 50 bis 60 % rF
  • Mittlere Blüte (Woche 4 bis 6): etwa 45 bis 50 % rF
  • Späte Blüte (ab Woche 7): etwa 40 bis 45 % rF
  • Luftfeuchte zweimal täglich ablesen, idealerweise mit Datenlogger oder Min-Max-Anzeige
  • Besonders die Werte kurz nach dem Ausschalten der Lampe prüfen – dann steigt die Luftfeuchte am stärksten
  • Nasse Töpfe, offene Wasserbehälter und Wäsche aus dem Grow-Raum fernhalten
  • Gießen möglichst zu Beginn der Lichtphase, damit überschüssige Feuchte verdunsten kann

Wie ein Luftentfeuchter richtig dimensioniert und aufgestellt wird, erklärt der Ratgeber Luftentfeuchter in der Growbox.

Temperatur und Taupunkt #

  • Tagestemperatur in der Blüte bei etwa 22 bis 26 °C halten
  • Nachttemperatur höchstens 5 °C unter der Tagestemperatur
  • Abluft auch in der Dunkelphase laufen lassen, notfalls auf niedriger Stufe
  • Box nicht an kalte Außenwände stellen, wo sich Kondenswasser bildet
  • Im Winter die Lichtphase in die Nacht legen, um starke Abkühlung zu vermeiden

Luftzirkulation #

  • Umluft rund um die Uhr laufen lassen, auch in der Dunkelphase
  • Ventilatoren oberhalb und unterhalb des Blätterdachs einsetzen
  • Kein direkter Dauerwind auf einzelne Blüten – leichte Bewegung genügt
  • Prüfen, ob sich alle Bereiche der Box bewegen, auch Ecken und der Bodenbereich
  • Abluft und Aktivkohlefilter auf Leistung prüfen: Ein verstopfter Filter drosselt den Luftwechsel

Defoliation und Pflanzenpflege #

  • Große Fächerblätter entfernen, die Blüten dauerhaft verdecken oder aufeinanderliegen
  • Innere, schattige Triebe ohne Licht entfernen (Lollipopping)
  • Letzte größere Defoliation etwa um Tag 21 der Blüte, danach nur noch einzelne Blätter
  • Nie mehr als etwa 20 bis 30 % des Laubs auf einmal entfernen
  • Abgestorbene und vergilbte Blätter täglich absammeln, bevor sie faulen
  • Pflanzen stützen, damit schwere Blüten nicht aneinanderliegen

Ob und wie stark du entlauben solltest, ist unter Growern umstritten. Die Argumente beider Seiten fasst der Beitrag Defoliation bei Cannabis: Ja oder Nein? zusammen.

Pflanzeninspektion #

  • Pflanzen mindestens jeden zweiten Tag genau ansehen, in der späten Blüte täglich
  • Auf einzelne gelbe oder braune Blättchen achten, die aus einer gesunden Blüte ragen – typisches Frühzeichen für Botrytis
  • Verdächtige Buds vorsichtig auseinanderbiegen und ins Innere schauen
  • Blätter auf weißen, mehligen Belag prüfen, besonders auf der Oberseite
  • Geruch prüfen: Ein muffiger, modriger Geruch ist ein Warnsignal
  • Taschenlampe oder Handy-Licht verwenden, um in dichte Bereiche zu schauen

Hygiene #

  • Hände waschen und Werkzeug desinfizieren, bevor du an die Pflanzen gehst
  • Pflanzenreste vom Boden der Box entfernen
  • Keine Pflanzen aus fremden Quellen in die laufende Blüte bringen
  • Scheren nach jedem Kontakt mit befallenem Material reinigen

Wenn du Schimmel findest #

  • Befallene Blüte großzügig herausschneiden, mindestens einige Zentimeter ins gesunde Gewebe
  • Material vorsichtig in eine Tüte schneiden, damit sich keine Sporen verteilen
  • Werkzeug und Hände danach gründlich reinigen
  • Luftfeuchte sofort senken und alle anderen Pflanzen gründlich kontrollieren
  • Befallene Blüten niemals trocknen oder verwenden

Das genaue Vorgehen beschreibt die Anleitung: Botrytis-befallene Buds entfernen. Wie du Grauschimmel grundsätzlich verhinderst, zeigt der Ratgeber Grauschimmel (Botrytis) bei Cannabis verhindern.

Häufige Fragen #

Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Blüte ideal?

Als Richtwert gelten 50 bis 60 % in der frühen und 40 bis 45 % in der späten Blüte. Entscheidend ist, dass die Werte auch in der Dunkelphase nicht deutlich darüber steigen.

Kann ich Schimmel an Buds noch retten?

Nein. Blüten mit Grauschimmel oder Mehltau solltest du vollständig entsorgen. Das Myzel reicht oft weiter, als es von außen aussieht, und Sporen lassen sich nicht zuverlässig entfernen.

Hilft es, die Pflanzen mit Mitteln gegen Schimmel zu besprühen?

In der Blüte wird davon abgeraten. Jede Flüssigkeit auf den Blüten erhöht das Schimmelrisiko und kann Rückstände hinterlassen. Vorbeugung über Klima, Luftzirkulation und Pflanzenpflege ist der wirksamere Weg.