Botrytis cinerea, besser bekannt als Grauschimmel oder Budrot, befällt Cannabis bevorzugt in den dichten Blüten der späten Blütephase. Der Pilz arbeitet sich von innen nach außen vor, deshalb ist ein Befall oft schon weit fortgeschritten, wenn du ihn siehst. Jetzt zählt schnelles und sauberes Handeln: Befallene Stellen müssen raus, ohne die Sporen im Growraum zu verteilen. Diese Anleitung führt dich Schritt für Schritt durch das Entfernen. Wie du Grauschimmel von Anfang an verhinderst, erklärt der Ratgeber Grauschimmel (Botrytis) bei Cannabis verhindern.

Befall erkennen #

Botrytis beginnt meist im Inneren dicker Blüten, oft am Stielansatz, wo sich Feuchtigkeit hält. Achte auf diese Anzeichen:

  • Einzelne welke, gelbe oder bräunliche Blätter, die aus einer sonst gesunden Blüte herausragen. Das ist oft das erste sichtbare Zeichen.
  • Graubraune, matschige Stellen in der Blüte, die sich weich anfühlen.
  • Grauer, flaumiger Belag, später mit staubenden Sporen.
  • Braune Verfärbungen am Stiel unterhalb der Blüte.
  • Muffiger Geruch, der sich vom normalen Aroma unterscheidet.

Was du brauchst #

  • Saubere, scharfe Schere oder Gartenschere
  • Einweghandschuhe
  • Papiertüte oder Gefrierbeutel, in den die befallenen Teile direkt fallen
  • Isopropanol (mind. 70 %) oder Desinfektionsspray für das Werkzeug
  • Eine Lupe oder Taschenlampe zum Kontrollieren
  • Optional eine einfache Staubmaske, wenn der Befall bereits stäubt

Schritt für Schritt: befallene Buds entfernen #

  1. Lüftung anpassen

    Schalte den Umluftventilator kurz aus, damit Sporen beim Schneiden nicht verwirbelt werden. Die Abluft läuft weiter und zieht Sporen aus der Box.

  2. Handschuhe anziehen und Werkzeug desinfizieren

    Arbeite nur mit sauberen Händen und einer desinfizierten Schere.

  3. Beutel bereithalten

    Halte die offene Tüte direkt unter die befallene Stelle. So fällt nichts auf andere Blüten oder den Boden.

  4. Großzügig schneiden

    Schneide mit einem Sicherheitsabstand von mindestens 2 bis 3 cm ins gesunde Gewebe unterhalb der sichtbaren Schadstelle. Der Pilz wächst im Inneren weiter, als man von außen sieht.

  5. Nicht schütteln

    Hebe die befallene Blüte ruhig in den Beutel. Klopfe sie nicht ab und ziehe sie nicht durch andere Triebe.

  6. Schere nach jedem Schnitt desinfizieren

    So trägst du keine Sporen in gesundes Gewebe.

  7. Umgebung prüfen

    Kontrolliere die Nachbarblüten und die Blüten direkt darunter genau. Botrytis tritt selten nur an einer Stelle auf.

  8. Beutel verschließen und entsorgen

    Den verschlossenen Beutel sofort aus dem Growraum bringen und über den Restmüll entsorgen, nicht auf den Kompost.

  9. Handschuhe wechseln

    Zieh vor der nächsten Pflanze frische Handschuhe an.

Hygienemaßnahmen nach dem Entfernen #

Nach dem Schnitt ist vor der Vorbeugung. Sporen sind jetzt im Raum, und dieselben Bedingungen, die den Befall ausgelöst haben, bestehen weiter.

  • Luftfeuchte senken: In der späten Blüte gelten etwa 40 bis 50 % relative Luftfeuchte als Richtwert, nachts nicht über 55 %.
  • Temperaturschwankungen verringern: Große Unterschiede zwischen Tag und Nacht lassen Feuchtigkeit in den Blüten kondensieren. Halte die Nachtabsenkung bei etwa 3 bis 5 °C.
  • Luftbewegung erhöhen: Umluft wieder einschalten, sodass sich alle Blätter leicht bewegen, ohne dass Blüten hin- und herpeitschen.
  • Werkzeug und Flächen reinigen: Schere, Hände und Kontaktflächen desinfizieren, herabgefallene Pflanzenteile vom Boden entfernen.
  • Täglich kontrollieren: In den nächsten zwei Wochen jeden Tag alle großen Blüten prüfen, besonders die dichtesten.

Zu früh ernten? #

Tritt Botrytis kurz vor dem geplanten Erntezeitpunkt auf und breitet sich trotz Maßnahmen aus, kann eine frühere Ernte die bessere Wahl sein. Einige Tage früher geerntete Blüten sind nahezu immer besser als verschimmelte. Prüfe dazu die Trichome und entscheide abhängig von der Ausbreitung. Wer ohnehin nur noch wenige Tage vor sich hat, erntet besser sofort.

Wird geerntet, gilt beim Trocknen besondere Vorsicht: Blüten nicht zu dicht hängen, Luftfeuchte im Trocknungsraum im Zielbereich halten und täglich auf neue Befallsstellen kontrollieren.

Vorbeugung für den nächsten Grow #

  • Sortenwahl: Sehr dichte, großblütige Sorten sind anfälliger. Für feuchte Räume eignen sich eher lockerblütige Genetiken.
  • Luftiges Blätterdach: Durch Entlauben im richtigen Maß und Training entstehen keine feuchten Nester zwischen den Blüten.
  • Luftentfeuchter einplanen: Besonders in Kellern oder bei kühler Umgebung ist ein Entfeuchter in der Blüte oft die wichtigste Maßnahme.
  • Nicht über die Blüten sprühen: Blattsprays in der Blüte vermeiden.
  • Gießen am Anfang der Lichtphase: So verdunstet überschüssige Feuchtigkeit tagsüber und nicht in der Dunkelphase.

Eine kompakte Übersicht aller Maßnahmen bietet die Checkliste Schimmelprävention in der Blüte. Wie du Grauschimmel von Echtem Mehltau unterscheidest, liest du im Ratgeber Echter Mehltau im Grow.

Häufige Fragen #

Kann ich Botrytis mit einem Spray behandeln?

In der Blüte gibt es keine sinnvolle Sprühbehandlung für befallene Buds. Sprays erhöhen die Feuchtigkeit in den Blüten und können den Befall sogar fördern. Wirksam sind nur das Entfernen und die Verbesserung des Klimas.

Wie schnell breitet sich Grauschimmel aus?

Unter feuchten, kühlen Bedingungen kann sich Botrytis innerhalb weniger Tage auf benachbarte Blüten ausbreiten. Deshalb ist die tägliche Kontrolle nach einem Fund so wichtig.

Muss ich die ganze Pflanze entsorgen?

Nein, meist nicht. Solange der Befall auf einzelne Blüten begrenzt ist, reicht das großzügige Herausschneiden. Ist der Hauptstiel befallen oder breitet sich der Schimmel trotz Maßnahmen über viele Blüten aus, ist eine frühere Ernte der gesunden Teile sinnvoller.

Ist Botrytis für Menschen gefährlich?

Gesunde Menschen reagieren meist nicht auf gelegentlichen Kontakt. Sporen können aber Allergien und Atemwegsreizungen auslösen. Befallenes Pflanzenmaterial sollte deshalb nicht verwendet werden.