Grauschimmel ist einer der ärgerlichsten Schäden im Grow, weil er fast immer die wertvollsten Pflanzenteile trifft: dicke, reife Blüten kurz vor der Ernte. Der Pilz arbeitet sich vom Inneren der Buds nach außen vor und wird oft erst bemerkt, wenn bereits ein ganzer Blütenstand verloren ist. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Klima und aufmerksamer Kontrolle lässt sich das Risiko stark senken.

Was ist Botrytis? #

Botrytis cinerea ist ein weit verbreiteter Schimmelpilz, der viele Pflanzen befällt, darunter Erdbeeren, Weintrauben und Tomaten. Bei Cannabis spricht man auch von Bud Rot oder Blütenfäule. Die Sporen sind fast überall in der Luft vorhanden. Ob sie keimen, hängt vor allem von den Bedingungen ab: Feuchtigkeit, stehende Luft und moderate Temperaturen begünstigen den Pilz.

Typisch ist, dass Botrytis im Inneren dichter Blüten beginnt, oft am Stiel, wo sich Feuchtigkeit sammelt. Von dort breitet sich das Myzel aus, bis das Gewebe abstirbt und außen sichtbar wird.

Risikofaktoren #

FaktorWarum er das Risiko erhöht
Hohe Luftfeuchte in der Blüte (über 55 bis 60 %)Sporen brauchen Feuchtigkeit zum Keimen
Große Temperaturunterschiede zwischen Tag und NachtNachts kann die Luft den Taupunkt erreichen, Kondenswasser entsteht
Stehende Luft im BlätterdachFeuchtigkeit wird nicht abtransportiert
Sehr dichte, große BlütenInnen trocknet es kaum ab
Zu viele Blätter im BestandBlätter halten Feuchtigkeit und verhindern Luftbewegung
Verletzungen am GewebeEintrittspforte für den Pilz
Outdoor: Regen, Tau, kühle HerbstnächteNasse Blüten trocknen nicht schnell genug ab

Einige Sorten neigen durch sehr kompakte Blüten stärker zu Botrytis als lockere, sativa-betonte Genetiken.

Frühe Anzeichen erkennen #

Je früher du Grauschimmel entdeckst, desto weniger geht verloren. Achte in der Blüte besonders auf:

  • Einzelne gelbe oder braune Blätter, die aus einer Blüte herausragen und sich leicht herausziehen lassen.
  • Welke oder verfärbte Stempel an einer Stelle, während der Rest der Blüte gesund aussieht.
  • Graue oder bräunliche Stellen tief in der Blüte, sichtbar beim vorsichtigen Auseinanderbiegen.
  • Grauer, pelziger Belag in fortgeschrittenem Stadium, später mit staubenden Sporen.
  • Muffiger Geruch, der nicht zum typischen Duft der Sorte passt.

Kontrolliere ab der Mitte der Blüte mindestens jeden zweiten Tag, in den letzten Wochen täglich. Nimm dir dabei vor allem die dicksten Blüten und die unteren, schlechter belüfteten Bereiche vor.

Klimasteuerung zur Vorbeugung #

Das Klima ist der wichtigste Hebel. Diese Richtwerte haben sich bewährt:

PhaseTemperatur TagTemperatur NachtLuftfeuchte
Frühe Blüte (Woche 1 bis 4)22 bis 26 °C18 bis 22 °C45 bis 55 %
Späte Blüte (ab Woche 5)20 bis 25 °C17 bis 21 °C40 bis 50 %
Letzte 1 bis 2 Wochen20 bis 24 °C17 bis 20 °C35 bis 45 %

Wichtig ist auch der Übergang zwischen Licht und Dunkelheit. Wenn die Lampe ausgeht, fällt die Temperatur, und die relative Luftfeuchte steigt. Lass Abluft und Umluft deshalb auch nachts laufen und halte den Temperaturunterschied möglichst unter 5 bis 6 °C. Ein Luftentfeuchter in der Growbox ist in feuchten Räumen oft die entscheidende Ergänzung.

Pflege, die Schimmel vorbeugt #

  • Luftbewegung im Bestand: Umluftventilatoren sollten das ganze Blätterdach leicht bewegen, auch die unteren Etagen.
  • Entlauben: Große Fächerblätter, die Blüten verdecken oder dicht aneinanderliegen, gezielt entfernen. Lollipopping reduziert kleine, schlecht belüftete Triebe im unteren Bereich.
  • Nicht zu viele Pflanzen: Genug Abstand zwischen den Pflanzen lässt Luft zirkulieren.
  • Kein Sprühen in der Blüte: Blätter und Blüten ab der Blütebildung nicht mehr besprühen.
  • Gießen am Beginn der Lichtphase: So verdunstet überschüssige Feuchtigkeit tagsüber und nicht in der kühlen Dunkelphase.
  • Hygiene: Abgestorbene Blätter und Pflanzenreste vom Substrat und Boden entfernen.

Eine kompakte Liste für die wöchentliche Kontrolle bietet die Checkliste Schimmelprävention in der Blüte.

Was tun bei Befall? #

Botrytis lässt sich an der Pflanze nicht heilen. Befallenes Gewebe muss entfernt werden, und zwar großzügig: Schneide die betroffene Blüte mit einigen Zentimetern gesundem Gewebe darunter ab, ohne die Sporen im Raum zu verteilen. Anschließend Klima prüfen, Schere desinfizieren und die übrigen Blüten besonders genau kontrollieren. Wie das sauber gelingt, zeigt die Anleitung zum Entfernen befallener Buds.

Grauschimmel nach der Ernte #

Auch während der Trocknung und im Curing kann Botrytis auftreten, wenn die Blüten zu feucht in die Gläser kommen oder der Trocknungsraum zu feucht ist. Richtwerte für die Trocknung sind 18 bis 21 °C und 55 bis 60 % Luftfeuchte bei leichter Luftbewegung, die nicht direkt auf die Blüten bläst.

Häufige Fragen #

Wie sieht Grauschimmel an Cannabis aus?

Zuerst meist als einzelne braune oder gelbe Blätter, die aus einer sonst grünen Blüte ragen. Im Inneren zeigt sich graubraunes, später pelzig-graues Gewebe. Im Spätstadium stauben die Sporen beim Berühren.

Kann ich eine Pflanze mit Grauschimmel noch ernten?

Ja, die nicht befallenen Teile. Entferne befallene Blüten großzügig und kontrolliere den Rest täglich. Ist die Pflanze nahe am Erntezeitpunkt und breitet sich der Befall aus, kann eine vorgezogene Ernte die bessere Wahl sein.

Ab welcher Luftfeuchte droht Grauschimmel?

Ein festes Limit gibt es nicht, aber dauerhaft über 55 bis 60 % in der späten Blüte steigt das Risiko deutlich, besonders zusammen mit kühlen Nächten und stehender Luft.

Helfen Fungizide gegen Botrytis?

Im Heim-Grow ist davon abzuraten, besonders in der Blüte, da Rückstände auf den Blüten verbleiben können. Vorbeugung über Klima, Luftbewegung und Hygiene ist der sichere Weg.

Fazit #

Grauschimmel entsteht, wenn Feuchtigkeit in dichten Blüten nicht abtrocknet. Wer die Luftfeuchte in der späten Blüte bei 40 bis 50 % hält, Temperaturstürze in der Nacht vermeidet, für Luftbewegung sorgt und die Blüten regelmäßig kontrolliert, hat die wichtigsten Stellschrauben in der Hand.