Pflanzen verdunsten fast das gesamte Wasser, das du ihnen gibst, und dieses Wasser landet in der Luft deiner Growbox. Solange die Abluft genug trockene Luft nachzieht, ist das kein Problem. Doch in feuchten Kellern, im Spätsommer oder in der späten Blüte reicht die Abluft allein oft nicht mehr. Dann ist ein Luftentfeuchter die zuverlässigste Lösung gegen Schimmel und Knospenfäule.
Brauchst du überhaupt einen Luftentfeuchter? #
Bevor du ein Gerät anschaffst, prüfe die einfacheren Stellschrauben:
- Abluft erhöhen: Oft reicht es, den Abluftlüfter eine Stufe höher zu stellen, damit feuchte Luft schneller abtransportiert wird.
- Umluft verbessern: Ein Clip-Ventilator verhindert feuchte Luftpolster zwischen den Blättern.
- Gießmenge und Drain prüfen: Stehendes Wasser im Untersetzer verdunstet in die Box. Leere Untersetzer nach dem Gießen.
- Raumluft messen: Die Abluft kann die Box nur so trocken machen wie die Luft, die nachströmt. Liegt der Raum selbst bei 65 %, kommst du in der Box kaum unter diesen Wert.
Ein Luftentfeuchter lohnt sich, wenn die Raumluft selbst zu feucht ist oder du trotz passender Abluft in der Blüte dauerhaft über dem Zielbereich liegst. Grundlagen zur Steuerung findest du im Beitrag Luftfeuchtigkeit in der Growbox regeln.
Zielwerte für die Luftfeuchte #
| Phase | relative Luftfeuchte (Richtwert) | Temperatur (Licht an) |
|---|---|---|
| Keimlinge und Stecklinge | 65 bis 75 % | 22 bis 26 °C |
| Wachstumsphase | 55 bis 65 % | 22 bis 28 °C |
| frühe und mittlere Blüte | 45 bis 55 % | 22 bis 26 °C |
| späte Blüte (letzte 2 bis 3 Wochen) | 40 bis 50 % | 20 bis 25 °C |
| Trocknung | 55 bis 60 % | 18 bis 21 °C |
Luftfeuchte und Temperatur gehören zusammen. Wie beide Werte über den VPD zusammenwirken, erklärt die Anleitung: VPD-Werte richtig einstellen.
Die drei Bauarten im Vergleich #
| Bauart | Funktionsprinzip | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|
| Kompressor-Entfeuchter | kühlt Luft an kalten Lamellen ab, Wasser kondensiert | energieeffizient bei Raumtemperatur, große Leistung | lauter, gibt Wärme ab, schwächer unter etwa 15 °C |
| Adsorptions-Entfeuchter | Trockenmittelrad bindet Feuchtigkeit | funktioniert auch in kühlen Räumen, leiser | höherer Stromverbrauch, heizt deutlich |
| Mini-Entfeuchter (Peltier) | kleines Kühlelement | leise, klein | sehr geringe Leistung, für Growboxen meist zu schwach |
Für die meisten Growroom- und Growbox-Setups bei 18 bis 28 °C ist ein Kompressor-Entfeuchter die beste Wahl. Adsorptionsgeräte spielen ihre Stärke in unbeheizten Kellern oder im Winter aus, wo die Wärmeabgabe sogar willkommen sein kann.
Die richtige Größe abschätzen #
Die Herstellerangabe in Litern pro Tag bezieht sich meist auf Laborbedingungen mit hoher Temperatur und sehr feuchter Luft, oft etwa 30 °C und 80 % Luftfeuchte. Bei typischen Grow-Bedingungen von 22 bis 25 °C und 55 bis 60 % schafft dasselbe Gerät oft nur einen Bruchteil davon.
So schätzt du deinen Bedarf ab:
Wasserzufuhr ermitteln
Notiere, wie viel Wasser du pro Tag insgesamt gießt.
Drain abziehen
Ziehe das Wasser ab, das unten aus den Töpfen läuft und entsorgt wird.
Ergebnis als Verdunstung annehmen
Der Rest gelangt nahezu vollständig über die Blätter in die Luft.
Mit Reserve planen
Wähle ein Gerät, dessen Nennleistung ein Mehrfaches dieser Menge beträgt, weil die reale Leistung bei Grow-Bedingungen deutlich niedriger ist.
Beispiel: Du gießt drei Pflanzen täglich mit insgesamt 4 Litern, davon laufen 0,5 Liter als Drain ab. Rund 3,5 Liter pro Tag verdunsten. Ein Gerät mit einer Nennleistung von 10 bis 12 Litern pro Tag hat hier genug Reserve, während ein Mini-Entfeuchter mit einem halben Liter Tagesleistung chancenlos wäre.
Ein großer Teil der Feuchtigkeit verlässt die Box weiterhin über die Abluft. Der Entfeuchter muss nur den Anteil schaffen, den die Abluft nicht abführt. Das Rechenbeispiel ist deshalb bewusst vorsichtig.
Wo steht der Luftentfeuchter am besten? #
Im Raum vor der Box #
In den meisten Fällen die beste Lösung: Der Entfeuchter trocknet die Raumluft, die über die Zuluftöffnungen in die Box strömt. Die Abwärme des Geräts bleibt außerhalb der Box, und du kannst Wassertank und Bedienung bequem erreichen. Voraussetzung ist ein geschlossener Raum, damit der Entfeuchter nicht die ganze Wohnung trocknen muss.
In der Box #
Sinnvoll bei großen Growboxen oder wenn der Raum nicht geschlossen werden kann. Nachteile: Das Gerät nimmt Platz weg und gibt Wärme direkt in die Box ab, in einer kleinen Box kann das die Temperatur um mehrere Grad anheben. Stelle es auf den Boden, damit es nicht die Pflanzen anbläst, und sorge für ausreichend Abstand zu Töpfen und Wasser.
Worauf du beim Setup achten solltest #
- Kondenswasser ableiten: Ein Gerät mit Schlauchanschluss spart das tägliche Ausleeren. Der Schlauch muss mit Gefälle in einen Abfluss oder großen Behälter führen.
- Hygrostat nutzen: Stelle das Gerät auf den Zielwert ein oder steuere es über eine Steckdose mit externem Feuchtesensor. Dauerbetrieb ohne Steuerung trocknet die Luft unnötig stark aus.
- Referenzhygrometer verwenden: Der eingebaute Sensor des Entfeuchters misst nur an seiner eigenen Position. Maßgeblich ist ein Hygrometer auf Höhe der Pflanzen. Mehr zur Auswahl steht im Ratgeber Thermometer und Hygrometer für die Growbox.
- Luftfilter reinigen: Den Ansaugfilter des Geräts alle paar Wochen ausklopfen oder auswaschen.
- Dunkelphase beachten: Nach dem Ausschalten des Lichts steigt die Luftfeuchte oft sprunghaft an. Der Entfeuchter sollte gerade dann zuverlässig arbeiten.
Stromverbrauch und Lautstärke #
Kleine Kompressorgeräte ziehen im Betrieb meist grob zwischen 150 und 300 Watt, Adsorptionsgeräte oft mehr. Mit Hygrostat läuft das Gerät aber nicht durchgehend. Wer in einer Wohnung growt, sollte auf die Lautstärke achten: Kompressoren brummen hörbar und schalten mit einem Klacken ein und aus. Ein Aufstellen auf einer weichen Unterlage dämpft Vibrationen.
Häufige Fragen #
Reicht ein Luftentfeuchter statt einer Abluft?
Nein. Die Abluft führt Wärme ab, versorgt die Pflanzen mit frischem CO₂ und hält über den Aktivkohlefilter den Geruch in Schach. Ein Entfeuchter ergänzt die Abluft, ersetzt sie aber nicht.
Warum steigt die Luftfeuchte nachts so stark?
Wenn das Licht ausgeht, sinkt die Temperatur. Kühlere Luft kann weniger Wasserdampf aufnehmen, die relative Luftfeuchte steigt deshalb, auch ohne dass mehr Wasser in der Luft ist. Die Abluft sollte in der Dunkelphase daher nicht zu weit gedrosselt werden.
Kann ich das Wasser aus dem Entfeuchter zum Gießen verwenden?
Davon ist abzuraten. Das Kondensat ist zwar mineralarm, kann aber Keime, Staub und Rückstände aus dem Gerät enthalten. Für eine saubere Wasserbasis ist Osmosewasser die bessere Wahl.
Brauche ich den Entfeuchter auch beim Trocknen?
Häufig ja, besonders in den ersten Tagen, wenn frisch geerntete Blüten viel Wasser abgeben. Ziel sind etwa 55 bis 60 % Luftfeuchte. Zu trockene Luft lässt die Blüten allerdings zu schnell trocknen, deshalb den Hygrostat entsprechend einstellen.
Fazit #
Ein Luftentfeuchter ist dann sinnvoll, wenn die Abluft allein die Feuchte nicht unter den Zielwert bringt, typischerweise in der späten Blüte und bei feuchter Raumluft. Für normale Raumtemperaturen ist ein Kompressorgerät die erste Wahl. Plane die Leistung großzügig, stelle das Gerät möglichst vor die Box und steuere es über einen Hygrostat, damit die Luftfeuchte in der Blüte stabil bei 40 bis 55 % bleibt.


