Nach der Ernte enthalten Cannabisblüten rund 75 % Wasser. Dieses Wasser muss langsam und gleichmäßig entweichen: zu schnell, und die Blüten schmecken nach Heu; zu langsam, und es droht Schimmel. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Klimawerten ist die Trocknung kein Glücksspiel.

Die idealen Bedingungen auf einen Blick #

FaktorZielwertWarum
Temperatur18 bis 21 °Cschont Terpene, verhindert zu schnelles Austrocknen
Luftfeuchte55 bis 60 %gleichmäßige Trocknung von außen nach innen
LichtDunkelheitLicht und UV bauen Cannabinoide ab
Luftbewegungsanft, nicht direkt auf die Blütenverhindert Feuchtenester, ohne auszudörren
Dauer7 bis 14 Tageabhängig von Blütendichte und Klima

Als Faustregel gilt „60/60“: rund 60 °F (etwa 16 °C) und 60 % Luftfeuchte. In den meisten Wohnräumen sind 18 bis 21 °C realistischer – mit etwas niedrigerer Luftfeuchte funktioniert das genauso gut.

Der richtige Ort #

Ideal ist ein eigener, dunkler Raum oder die leere Growbox nach der Ernte. Sie hat den Vorteil, dass Abluft und Aktivkohlefilter den Geruch binden und sich das Klima gezielt steuern lässt. Wichtig ist ein Thermo-Hygrometer, das du täglich abliest.

Hängen oder Trockennetz? #

Ganze Äste hängend trocknen ist die schonendste Methode. Der Stiel gibt seine Feuchtigkeit langsam an die Blüten ab, dadurch trocknen sie gleichmäßiger. Du brauchst dafür etwas Platz und eine Leine oder Stange.

Trockennetze und Trockengestelle (Drying Racks) sparen Platz und eignen sich für einzelne, bereits abgeschnittene Blüten. Mehrere Ebenen übereinander passen auch in eine kleine Growbox. Lege die Blüten so, dass sie sich nicht berühren, und wende sie in den ersten Tagen einmal täglich.

Nass- oder Trockentrimm? #

Beim Nasstrimm entfernst du die Blattreste direkt nach der Ernte. Die Blüten trocknen dann schneller, was bei hoher Raumfeuchte hilft. Beim Trockentrimm bleiben die Blätter zunächst dran und schützen die Blüten wie ein Mantel; die Trocknung läuft langsamer und oft aromatischer. In trockenen Räumen ist der Trockentrimm meist die bessere Wahl.

So läuft die Trocknung ab #

  1. Tag 1 bis 3

    Die Oberfläche verliert ihre Feuchtigkeit. Kontrolliere täglich Temperatur, Luftfeuchte und Geruch.

  2. Tag 4 bis 7

    Die Blüten fühlen sich außen trocken an, innen sind sie noch feucht. Jetzt ist Geduld gefragt.

  3. Tag 7 bis 14

    Kleine Stiele beginnen zu knacken. Prüfe jetzt täglich mit dem Stiel-Test.

Der Stiel-Test #

Biege einen dünnen Seitenstiel. Knackt er hörbar, ist die Trocknung abgeschlossen und die Blüten können ins Glas. Biegt er sich nur, braucht die Trocknung noch Zeit. Größere Stiele dürfen dabei noch leicht flexibel sein.

Anschließend folgt das Curing, bei dem sich die Restfeuchte ausgleicht und das Aroma reift. Wie das funktioniert, zeigt unsere Anleitung zum Curing im Glas.

Trocknen im Sommer: Was tun bei Hitze? #

Im Sommer ist meist die Temperatur das Hauptproblem: Ab etwa 26 °C trocknen die Blüten in wenigen Tagen außen aus, während innen Feuchtigkeit eingeschlossen bleibt – und Terpene verdunsten spürbar.

  • Den kühlsten Raum wählen: Keller oder Nordzimmer sind oft mehrere Grad kühler als der Rest der Wohnung.
  • Nachts lüften, tagsüber abdunkeln: Frische Nachtluft senkt die Temperatur, geschlossene Rollläden halten die Hitze draußen.
  • Trocknung verlangsamen: Ganze Äste hängen und trocken trimmen – die Blätter schützen die Blüten vor zu schnellem Austrocknen.
  • Bei Schwüle entfeuchten: Feuchtwarme Sommerluft erhöht die Schimmelgefahr. Ein kleiner Luftentfeuchter hält die Luftfeuchte bei 55 bis 60 %.
  • Häufiger kontrollieren: Im Sommer kann die Trocknung schon nach 5 bis 7 Tagen abgeschlossen sein.

Typische Fehler #

  • Zu warm: Über 24 °C verdunsten Terpene, die Blüten werden außen spröde und bleiben innen feucht.
  • Zu trocken: Unter 45 % Luftfeuchte ist die Trocknung oft schon nach drei bis vier Tagen „fertig“ – mit heuartigem Geschmack.
  • Zu feucht: Über 65 % steigt die Schimmelgefahr, besonders bei dichten Blüten.
  • Ventilator direkt auf die Blüten: Trocknet die Außenseite zu schnell und schließt Feuchtigkeit im Inneren ein.
  • Licht im Trockenraum: Baut Cannabinoide ab und verfärbt die Blüten.

Luftfeuchte zu hoch oder zu niedrig? #

Ist die Luftfeuchte zu hoch, hilft ein kleiner Luftentfeuchter oder eine höhere Abluftstufe. Ist sie zu niedrig, reduzierst du die Abluft, hängst ganze Äste statt einzelner Blüten auf oder stellst einen Luftbefeuchter in den Raum – nie direkt neben die Blüten. Wie du die Werte in der Growbox gezielt regelst, erklärt der Beitrag Luftfeuchtigkeit in der Growbox regeln.

Häufige Fragen #

Wie lange dauert das Trocknen von Cannabis?

In der Regel 7 bis 14 Tage. Dichte, große Blüten und kühlere Räume brauchen länger, kleine, luftige Blüten trocknen schneller.

Kann ich die Trocknung beschleunigen?

Davon ist abzuraten. Schnelle Trocknung mit Wärme, Dörrgerät oder Mikrowelle zerstört Terpene und schließt Chlorophyll ein. Das Ergebnis schmeckt kratzig und nach Heu.

Wie viel Gewicht verlieren die Blüten beim Trocknen?

Etwa 70 bis 80 % des Frischgewichts. Aus 100 g frischen Blüten werden also rund 20 bis 30 g getrocknete.

Kann ich Cannabis im Glas trocknen?

Nicht die frischen Blüten – im geschlossenen Glas schimmeln sie. Ins Glas kommen die Blüten erst nach der Trocknung zum Curing. Wie das geht, erklärt die Anleitung zum Curing im Glas.

Muss es beim Trocknen komplett dunkel sein?

Ja, so dunkel wie möglich. Kurzes Licht für die Kontrolle schadet nicht, dauerhafte Beleuchtung dagegen schon.

Fazit #

Gute Trocknung ist vor allem stabile Trocknung: 18 bis 21 °C, 55 bis 60 % Luftfeuchte, Dunkelheit und sanfte Luftbewegung über 7 bis 14 Tage. Wer täglich misst und den Stiel-Test abwartet, legt die Grundlage für ein aromatisches Curing.