Nach der Ernte entscheidet die Trocknung darüber, wie viel Aroma in den Blüten bleibt. Neben Temperatur und Luftfeuchte spielt dabei auch die Frage eine Rolle, worauf oder worin die Blüten trocknen. Trocknungsnetze, Trockenboxen und die ausgeräumte Growbox sind die drei gängigsten Lösungen im Heim-Grow. Hier erfährst du, wie sie sich unterscheiden, für wen sie sich eignen und wie du sie richtig einsetzt.
Die Grundlagen: Was die Trocknung braucht #
Egal, welches Hilfsmittel du nutzt, die Rahmenbedingungen sind dieselben:
| Parameter | Richtwert |
|---|---|
| Temperatur | 18 bis 21 °C |
| Relative Luftfeuchte | 55 bis 62 % |
| Licht | Dunkelheit |
| Luftbewegung | leicht und indirekt, kein direkter Luftstrom auf die Blüten |
| Dauer | etwa 7 bis 14 Tage |
Trocknet das Material zu schnell, bleibt Chlorophyll zurück, und die Blüten riechen nach Heu. Trocknet es zu langsam oder bei zu hoher Feuchte, droht Schimmel. Die ausführliche Klima-Anleitung findest du in Cannabis richtig trocknen: Temperatur und Luftfeuchte. Hier geht es vor allem um die Ausrüstung.
Trocknungsnetze #
Ein Trocknungsnetz besteht aus mehreren übereinanderliegenden Netzebenen, meist rund oder quadratisch, die an einem Haken hängen. Im Englischen heißen sie oft Drying Rack; eine kurze Definition findest du unter Was ist ein Drying Rack?.
Vorteile:
- sehr platzsparend, passt in jede Growbox
- ideal für einzelne Blüten nach dem Nass-Trimmen
- zusammenfaltbar und leicht zu reinigen
Nachteile:
- einzelne Blüten trocknen schneller als ganze Äste, Terpenverlust bei zu trockener Luft
- Auflageflächen können flach gedrückt werden, daher regelmäßig wenden
- bei zu dichter Belegung schlechte Luftzirkulation
Tipps für die Nutzung:
- Blüten in einer Lage und mit Abstand auslegen
- Ebenen nicht überladen, lieber ein zweites Netz verwenden
- in den ersten Tagen täglich wenden
- die unteren Ebenen zuerst kontrollieren, dort ist die Luft oft feuchter
Trockenboxen #
Trockenboxen sind geschlossene Behälter, oft kleine Zelte oder Kästen mit integrierten Netzebenen, eigenem Lüfter und teils mit Aktivkohlefilter. Manche Modelle regeln Feuchte und Luftstrom automatisch.
Vorteile:
- geschlossener, dunkler Raum mit kontrollierbarer Luftbewegung
- Geruch lässt sich über einen Filter abfangen
- getrennt vom Growraum nutzbar, während dort schon die nächste Runde läuft
Nachteile:
- zusätzliches Gerät, das Platz braucht
- kleine Boxen reagieren empfindlich auf Überladung: Viel frisches Pflanzenmaterial treibt die Luftfeuchte schnell nach oben
- Klima im Aufstellraum muss trotzdem passen
Die Growbox als Trockenraum #
Die wohl häufigste Lösung im Heim-Grow: Nach der Ernte wird die Growbox ausgeräumt und zum Trockenraum umfunktioniert. Das funktioniert gut, wenn du ein paar Punkte beachtest.
Box reinigen
Pflanzenreste, Erde und Blätter entfernen. Wände und Boden auswischen.
Licht aus
Lampe ausschalten oder abbauen. Auch kleine Lichtquellen an Geräten abdecken.
Abluft drosseln
Den Abluftlüfter mit Aktivkohlefilter auf niedrige Stufe stellen. Er soll leichten Unterdruck erzeugen und Feuchtigkeit abführen, aber keinen starken Luftzug erzeugen.
Umluft indirekt
Einen kleinen Ventilator gegen Wand oder Boden richten, nie direkt auf die Blüten.
Hygrometer platzieren
Auf Höhe der Blüten, idealerweise ein zweites am Boden.
Äste aufhängen oder Netze einhängen
Ganze Äste an Schnüren oder Stangen, einzelne Blüten im Netz.
Wenn die Luftfeuchte im Raum um die Growbox sehr niedrig oder sehr hoch ist, schlägt sich das auch in der Box nieder. Dann hilft ein Luftbefeuchter bzw. Luftentfeuchter im Raum oder in der Box. Wer regelmäßig größere Mengen trocknet, findet in Trocknungsraum einrichten eine Anleitung für einen dauerhaften Trockenraum.
Hängen oder legen? #
| Methode | Trocknungstempo | Geeignet für | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Ganze Pflanze kopfüber | langsam | Dry Trimming, trockene Umgebung | braucht viel Höhe |
| Einzelne Äste an Schnüren | mittel | Standard in der Growbox | gut kombinierbar mit Netzen |
| Einzelne Blüten im Netz | schnell | Nass-Trimmen, begrenzter Platz | Klima genau überwachen |
| Trockenbox mit Netzen | einstellbar | wiederkehrende Ernten | nicht überladen |
Je trockener deine Umgebung, desto eher solltest du hängen statt legen. Große Äste und Blätter verlangsamen die Trocknung und gleichen trockene Raumluft aus.
Wann ist die Trocknung abgeschlossen? #
Die Blüten sind bereit für das Glas, wenn kleine Stiele beim Biegen knacken, statt sich nur zu biegen, und die Außenseite der Blüten trocken wirkt, während das Innere noch minimal nachgibt. Danach geht es mit dem Curing weiter; wie das funktioniert, zeigt die Anleitung zum Curing im Glas.
Typische Fehler #
- Netz überladen: Blüten berühren sich, die Luft steht, das Schimmelrisiko steigt.
- Ventilator direkt auf die Blüten: Die Oberfläche trocknet zu schnell, innen bleibt Feuchtigkeit.
- Zu warm: Über 24 °C verfliegen Terpene deutlich schneller.
- Kein Hygrometer: Ohne Messwert weißt du nicht, ob das Klima passt.
- Zu früh ins Glas: Die häufigste Ursache für Schimmel im Curing.
Häufige Fragen #
Wie lange trocknet Cannabis im Trocknungsnetz?
Einzelne Blüten trocknen im Netz meist etwas schneller als am Ast, oft in 5 bis 10 Tagen. Bei 18 bis 21 °C und 55 bis 62 % Luftfeuchte ist das ein guter Richtwert. Entscheidend ist der Stieltest, nicht der Kalender.
Kann ich Cannabis in der Growbox trocknen?
Ja, die Growbox eignet sich gut. Licht aus, Abluft mit Filter auf niedriger Stufe, indirekte Umluft und ein Hygrometer auf Blütenhöhe – dann hast du einen dunklen, geruchsdichten Trockenraum.
Was ist besser: hängen oder im Netz trocknen?
Aufhängen ganzer Äste trocknet langsamer und schonender, das Netz spart Platz und eignet sich für einzeln geschnittene Blüten. In sehr trockener Umgebung ist Hängen die bessere Wahl.
Muss ich Blüten im Netz wenden?
In den ersten Tagen ist einmal tägliches Wenden sinnvoll. So trocknen die Blüten gleichmäßig und bekommen keine flachen Auflageseiten.


