Beim Flush stellst du in der letzten Phase der Blüte die Düngung ein und gießt nur noch mit klarem Wasser. Ziel ist, überschüssige Nährsalze aus dem Substrat zu spülen und die Pflanze dazu zu bringen, eingelagerte Nährstoffe zu verbrauchen. Kaum ein Thema wird unter Growern so kontrovers diskutiert. Dieser Guide zeigt, wie ein Flush sinnvoll abläuft und wo seine Grenzen liegen.
Warum flushen? #
Die Befürworter nennen vor allem drei Gründe:
- Salzreste im Substrat abbauen: Über Wochen der Düngung sammeln sich Nährsalze im Substrat an. Klares Wasser spült einen Teil davon aus.
- Überdüngung am Ende vermeiden: Wer bis zum letzten Tag voll düngt, riskiert verbrannte Blattspitzen und einen Nährstoffstau.
- Geschmack und Abbrand: Viele Grower berichten, dass geflushte Blüten milder schmecken und sauberer abbrennen.
Die Pflanze verbraucht in der Flush-Phase zudem Reserven aus den großen Blättern. Diese vergilben deshalb deutlich, was in der Endphase normal ist.
Flushing ist umstritten: Pro und Contra #
Für den letzten Punkt, den besseren Geschmack, gibt es bisher keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege. Pflanzen lagern Nährstoffe nicht einfach als lose Salze in den Blüten ein, die man herausspülen könnte. Ein harscher Geschmack wird häufig eher durch zu schnelles Trocknen und fehlendes Curing verursacht als durch fehlenden Flush.
| Pro Flush | Contra Flush |
|---|---|
| Baut Salzreste im Substrat ab | Geschmacksvorteil wissenschaftlich nicht belegt |
| Verhindert Überdüngung in der Endphase | Kann bei zu langer Dauer Ertrag kosten |
| Viele Grower berichten mildere Blüten | Bei Mangelzuständen verstärkt er Defizite |
| Klarer, planbarer Abschluss der Düngung | In lebender Erde praktisch wirkungslos |
Eine pragmatische Haltung: In mineralisch gedüngten Systemen mit Kokos oder Hydro ist ein kurzer Flush sinnvoll, weil sich dort Salze stark anreichern können. In organischer oder lebender Erde reicht es meist, die Düngung in den letzten ein bis zwei Wochen auslaufen zu lassen. Wichtiger als der Flush selbst sind eine nicht überzogene Düngung während der gesamten Blüte und eine sorgfältige Trocknung.
Wann mit dem Flush beginnen? #
Der Zeitpunkt hängt vom Substrat ab. Je weniger Puffer das Medium hat, desto kürzer kann der Flush ausfallen.
| Substrat | Flush-Beginn vor der Ernte (Richtwert) |
|---|---|
| Erde mit mineralischem Flüssigdünger | 10 bis 14 Tage |
| Organisch vorgedüngte Erde | Düngung 7 bis 14 Tage vorher auslaufen lassen |
| Kokos | 5 bis 10 Tage |
| Hydro, DWC, Steinwolle | 3 bis 7 Tage |
Den Erntezeitpunkt bestimmst du über die Trichome. Da du den Flush vorher starten musst, lohnt es sich, schon rund drei Wochen vor dem erwarteten Ende regelmäßig mit der Lupe zu prüfen. Was sonst in dieser Phase zu tun ist, zeigt der Guide Die letzten 2 Wochen vor der Cannabis-Ernte.
Nur mit klarem Wasser #
Für den Flush verwendest du klares Wasser ohne Dünger und ohne Zusätze wie Blüte-Booster. Beachte dabei:
- pH-Wert weiter einstellen: Auch klares Wasser sollte den passenden pH-Wert haben, in Erde etwa 6,0 bis 6,8, in Kokos und Hydro etwa 5,5 bis 6,2 (Richtwerte).
- Wasserqualität prüfen: Sehr hartes Leitungswasser bringt selbst viele Mineralien mit. Liegt der EC deines Leitungswassers deutlich über 0,5 mS/cm, kann Osmosewasser oder ein Mischwasser sinnvoll sein.
- Temperatur: Zimmerwarmes Wasser um 18 bis 22 °C schont die Wurzeln.
- Fertige Flush-Lösungen: Spezielle Spülmittel sollen Salze schneller lösen. Nötig sind sie nicht.
EC-Wert des Ablaufwassers kontrollieren #
Der EC-Wert zeigt, wie viele gelöste Salze im Wasser stecken. Im Ablaufwasser verrät er, wie viel Dünger noch im Substrat sitzt. So gehst du vor:
Ausgangswert messen
Miss den EC deines Gießwassers, zum Beispiel 0,3 mS/cm.
Gründlich gießen
Gieße so viel, dass etwa 20 bis 30 % der Menge unten als Ablaufwasser herauskommen.
Ablaufwasser auffangen
Sammle das Wasser, das nach einigen Minuten abläuft, und miss seinen EC.
Vergleichen
Liegt der Ablauf-EC deutlich über dem Gießwasser, sind noch viele Salze im Substrat.
Wiederholen
Bei jedem Gießen erneut messen, bis sich der Wert dem Gießwasser annähert.
Als Zielbereich gilt ein Ablauf-EC, der nur noch leicht über dem Gießwasser liegt, zum Beispiel unter 0,8 bis 1,0 mS/cm. Wie Messung und Ablaufwasser grundsätzlich funktionieren, erklärt der Lexikon-Eintrag Runoff beim Gießen. Die typischen EC-Werte der Wachstumsphasen findest du im Ratgeber EC-Wert für jede Wachstumsphase.
Ein großer Spülgang mit der dreifachen Topfmenge Wasser ist bei Kokos und Hydro gängig. In Erde führt er schnell zu Staunässe. Lass das Substrat in Erde nach dem Spülen wieder normal abtrocknen.
Wie die Pflanze auf den Flush reagiert #
Während des Flushs vergilben die großen Fächerblätter von unten nach oben, später auch einzelne Zuckerblätter. Das ist gewollt: Die Pflanze zieht mobile Nährstoffe wie Stickstoff aus den Blättern ab. Kritisch wird es, wenn
- die oberen, jungen Blätter stark vergilben oder absterben,
- die Pflanze schon Wochen vor der Ernte stark gelb wird,
- Blätter Flecken oder verbrannte Ränder bekommen.
Dann war der Flush zu früh oder zu lang, oder es lag bereits vorher ein Mangel vor. Beginnt die Vergilbung sehr früh, kannst du mit einer schwachen Nährlösung gegensteuern.
Gießen bis kurz vor der Ernte #
Auch während des Flushs gießt du nach Bedarf weiter, wenn der Topf leicht geworden ist. In den letzten ein bis drei Tagen darfst du das Substrat etwas stärker antrocknen lassen, damit die Blüten nicht übermäßig nass geerntet werden. Tagelanger Trockenstress bringt dagegen keinen belegten Vorteil und schwächt die Pflanze.
Häufige Fragen #
Wie viele Tage vor der Ernte soll ich kein Wasser mehr geben?
Einen kompletten Gießstopp brauchst du nicht. Gieße weiter nach Bedarf und lass das Substrat nur in den letzten ein bis drei Tagen etwas stärker abtrocknen.
Muss ich bei Bio-Dünger flushen?
In organischer oder lebender Erde ist ein klassischer Flush kaum wirksam, da die Nährstoffe dort nicht als lösliche Salze vorliegen. Es reicht, die Nachdüngung in den letzten ein bis zwei Wochen einzustellen.
Kann ich zu lange flushen?
Ja. Ein Flush über drei Wochen oder länger kann die Pflanze in einen Mangel treiben, bevor die Blüten ausgereift sind. Das kostet Ertrag und Qualität.
Ist Flushen dasselbe wie Spülen bei Überdüngung?
Das Verfahren ist ähnlich, der Anlass ein anderer. Bei Überdüngung wird während des Grows gespült, um einen Nährstoffstau zu lösen, danach geht es mit angepasster Düngung weiter. Die Begriffe erklärt der Lexikon-Eintrag Flush beim Cannabis-Grow.
Fazit #
Ein Flush ist kein Wundermittel, aber ein sinnvoller Abschluss der Düngung, vor allem in Kokos und Hydro. Starte ihn passend zum Substrat, gieße mit klarem, pH-korrigiertem Wasser und kontrolliere den EC im Ablaufwasser. In lebender Erde reicht es, die Düngung auslaufen zu lassen. Für den Geschmack entscheidender sind Trocknung und Curing.


