Die Luftfeuchtigkeit ist neben der Temperatur der wichtigste Klimawert in der Growbox. Ist sie zu niedrig, verdunsten die Pflanzen zu viel Wasser und schließen ihre Spaltöffnungen. Ist sie zu hoch, stockt die Verdunstung, Nährstoffe werden schlechter transportiert, und in der Blüte droht Schimmel. Die gute Nachricht: Mit einem Hygrometer, der richtigen Abluft und ein paar einfachen Hilfsmitteln bekommst du die Werte in den Griff.

Zielwerte für jede Phase #

Die ideale relative Luftfeuchte (% rF) sinkt im Laufe des Grows. Junge Pflanzen mit kleinem Wurzelsystem brauchen feuchte Luft, blühende Pflanzen mit dichten Blüten brauchen trockenere Luft.

PhaseLuftfeuchte (Richtwert)Temperatur bei Licht (Richtwert)
Stecklinge und Keimlinge65 bis 75 % rF22 bis 26 °C
Frühe Wachstumsphase60 bis 70 % rF22 bis 28 °C
Späte Wachstumsphase55 bis 65 % rF22 bis 28 °C
Frühe und mittlere Blüte45 bis 55 % rF20 bis 26 °C
Späte Blüte (letzte 2 bis 3 Wochen)40 bis 50 % rF18 bis 24 °C
Trocknung nach der Ernte55 bis 62 % rF16 bis 21 °C

Luftfeuchte und Temperatur hängen eng zusammen. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte. Deshalb betrachten viele Grower beide Werte gemeinsam als VPD (Dampfdruckdefizit). Wie du den VPD für jede Phase einstellst, erklärt der VPD-Masterguide.

Richtig messen #

Ohne verlässliche Messung ist jede Regelung Raterei. Platziere das Hygrometer auf Höhe der Pflanzenspitzen, nicht direkt unter der Lampe und nicht im Luftstrom des Ventilators. Günstige Geräte weichen oft um 5 % rF oder mehr ab. Ein einfacher Plausibilitätstest: Mehrere Geräte nebeneinander legen und vergleichen. Mehr zur Auswahl findest du im Beitrag Thermometer und Hygrometer für die Growbox.

Ein Gerät mit Speicherfunktion für Minimum und Maximum zeigt dir, was nachts passiert. Gerade in der Dunkelphase steigt die Luftfeuchte oft deutlich an, weil die Temperatur fällt und die Lampe keine Wärme mehr liefert.

Luftfeuchtigkeit senken #

Zu hohe Luftfeuchte ist das häufigere Problem, besonders in der Blüte und in kühlen Räumen.

  1. Abluft erhöhen

    Die Abluft ist dein wichtigstes Werkzeug. Sie transportiert feuchte Luft nach draußen und zieht trockenere Raumluft nach. Erhöhe die Drehzahl des Lüfters schrittweise.

  2. Umluft verbessern

    Ein Umluftventilator verhindert feuchte Luftpolster zwischen den Blättern. Er senkt nicht die gemessene Luftfeuchte, aber das Schimmelrisiko im Bestand.

  3. Blattmasse reduzieren

    Dichte Pflanzen verdunsten viel Wasser. Entferne große, beschattete Blätter im unteren Bereich, damit die Luft zirkulieren kann.

  4. Gießmenge anpassen

    Gieße nur so viel, wie die Pflanzen brauchen, und entferne stehendes Wasser aus Untersetzern.

  5. Raumklima prüfen

    Ist schon die Luft im Raum sehr feucht, bringt mehr Abluft wenig. Dann hilft ein Luftentfeuchter im Raum oder in größeren Boxen direkt im Zelt.

Welcher Luftentfeuchter zu deinem Setup passt, erfährst du unter Luftentfeuchter in der Growbox.

Luftfeuchtigkeit erhöhen #

Zu trockene Luft tritt vor allem im Winter mit Heizungsluft auf oder in kleinen Boxen mit starker Lampe.

  • Abluft drosseln: Reduziere die Lüfterleistung, ohne den Unterdruck ganz aufzugeben. Die Box sollte weiterhin leicht nach innen gewölbt sein.
  • Luftbefeuchter einsetzen: Ein Ultraschall- oder Verdunstungsbefeuchter in der Box oder im Raum ist die zuverlässigste Lösung. Verwende möglichst entmineralisiertes Wasser, damit sich kein weißer Kalkstaub auf Blättern und Geräten absetzt.
  • Offene Wasserflächen: Eine flache Wasserschale oder feuchte Tücher helfen in kleinen Boxen und bei Stecklingen etwas, reichen bei großen Pflanzen aber selten aus.
  • Temperatur senken: Kühlere Luft hat bei gleicher Wassermenge eine höhere relative Luftfeuchte. Ein paar Grad weniger können schon helfen.
  • Zuluft anpassen: Ziehst du sehr trockene Luft aus einem beheizten Raum, kann eine Zuluft aus einem anderen Bereich helfen.

Luftfeuchte in der Nacht #

In der Dunkelphase fällt die Temperatur, die relative Luftfeuchte steigt. Liegt der Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur über etwa 5 bis 8 °C, kann sich an kühlen Flächen sogar Kondenswasser bilden. Halte die Abluft nachts aktiv, statt sie abzuschalten, und begrenze den Temperatursturz, zum Beispiel durch eine Mindesttemperatur am Klimacontroller oder eine kleine Heizung im Raum.

Automatisch regeln #

Wer nicht ständig nachstellen will, kann Abluft, Befeuchter und Entfeuchter über einen Klimacontroller steuern. Der Controller misst Temperatur und Luftfeuchte und passt die Lüfterdrehzahl stufenlos an. Wichtig ist eine sinnvolle Hysterese, damit Geräte nicht im Minutentakt an- und ausschalten.

Typische Fehler #

  • Hygrometer an der falschen Stelle: Direkt unter der Lampe misst es zu trocken, am Boden zu feucht.
  • Nur tagsüber kontrolliert: Die kritischen Werte entstehen oft in der Nacht.
  • Abluft zu schwach dimensioniert: Reicht die Lüfterleistung nicht, helfen alle anderen Maßnahmen nur begrenzt.
  • Befeuchter in der Blüte vergessen: Ein Befeuchter aus der Wachstumsphase gehört vor der Blüte ausgebaut oder neu eingestellt.

Häufige Fragen #

Welche Luftfeuchtigkeit braucht Cannabis in der Blüte?

Als Richtwert 45 bis 55 % rF in der frühen und mittleren Blüte und 40 bis 50 % rF in den letzten Wochen vor der Ernte. Niedrigere Werte in der Endphase senken das Schimmelrisiko.

Warum ist die Luftfeuchtigkeit in meiner Growbox so hoch?

Häufige Ursachen sind eine zu schwache Abluft, sehr feuchte Raumluft, zu viel Gießwasser oder ein dichter Blätterwald. Prüfe zuerst die Abluft und die Luftfeuchte im Raum außerhalb der Box.

Ist zu niedrige Luftfeuchtigkeit schädlich?

Ja, vor allem für junge Pflanzen. Sie verdunsten zu viel Wasser und wachsen langsamer. Anzeichen sind nach oben gewölbte, trockene Blattränder und ein hoher Wasserverbrauch bei wenig Wachstum.

Soll die Abluft nachts laufen?

Ja. Gerade in der Dunkelphase steigt die Luftfeuchte, und ohne Abluft kann sich Kondenswasser bilden. Du kannst die Drehzahl nachts reduzieren, solltest den Luftaustausch aber nicht ganz abschalten.