Echter Mehltau ist eine der häufigsten Pilzkrankheiten im Indoor-Grow. Er beginnt mit wenigen weißen Flecken, die aussehen wie verschüttetes Mehl, und kann sich innerhalb weniger Tage über die ganze Pflanze ausbreiten. Früh erkannt, lässt er sich in der Wachstumsphase gut eindämmen. In der Blüte wird es deutlich schwieriger. Hier erfährst du, woran du Mehltau erkennst, warum er entsteht und was du dagegen tun kannst.

Erkennung: weißer, mehliger Belag #

Echter Mehltau wird von Pilzen verursacht, die auf der Blattoberfläche wachsen. Typische Anzeichen:

  • Weiße, pudrige Flecken zuerst auf der Blattoberseite, oft auf älteren, beschatteten Blättern
  • Der Belag lässt sich mit dem Finger abwischen, kommt aber zurück
  • Flecken wachsen zusammen und überziehen ganze Blätter
  • Später Vergilbung, braune Stellen und vorzeitiges Absterben der Blätter
  • Bei fortgeschrittenem Befall auch Belag auf Stängeln, Zuckerblättern und Blüten

Verwechslungsgefahr #

ErscheinungUnterschied zu Mehltau
Trichomeglitzern, sitzen fest, nur auf Blüten und blütennahen Blättern
Kalk- oder Düngerrückstände nach dem Sprühentreten nur dort auf, wo gesprüht wurde, breiten sich nicht aus
Falscher Mehltaugrauvioletter Belag vor allem auf der Blattunterseite, gelbe Flecken oben
Spinnmilbenhelle Sprenkel ohne pudrigen Belag, eventuell feine Gespinste

Ursachen: Luftfeuchte, stehende Luft, dichte Bestände #

Mehltausporen sind nahezu überall in der Luft und werden über Kleidung, neue Pflanzen oder Zuluft eingetragen. Ob sie keimen, hängt vom Klima ab. Begünstigend wirken:

  • Hohe Luftfeuchte: Anders als viele andere Pilze braucht Echter Mehltau kein freies Wasser auf dem Blatt. Eine hohe Luftfeuchte reicht zur Keimung, besonders in stillen Luftschichten dicht am Blatt.
  • Starke Schwankungen zwischen Tag und Nacht: Fällt die Temperatur nachts stark ab, steigt die relative Luftfeuchte sprunghaft.
  • Stehende Luft: Im dichten Blätterdach oder in Zeltecken bilden sich feuchte Mikroklimata.
  • Moderate Temperaturen: Der Pilz fühlt sich bei etwa 20 bis 27 °C wohl.
  • Schwache Beleuchtung: Beschattete, untere Blätter sind häufig zuerst betroffen.
  • Geschwächte Pflanzen: Stress, Nährstoffmangel oder zu viel Stickstoff machen das Gewebe anfälliger.

Behandlung in der Wachstumsphase #

In der vegetativen Phase hast du die meisten Möglichkeiten. Gehe in dieser Reihenfolge vor:

  1. Befallene Blätter entfernen

    Stark befallene Blätter vorsichtig abschneiden und direkt in einen Beutel geben. So verteilst du beim Transport keine Sporen. Hände und Schere danach reinigen.

  2. Klima korrigieren

    Luftfeuchte senken, Umluft erhöhen, Blätterdach auslichten.

  3. Pflanzen behandeln

    Die übrigen Blätter mit einem geeigneten Mittel besprühen, Ober- und Unterseiten gründlich benetzen.

  4. Wiederholen

    Behandlung im Abstand von einigen Tagen mehrfach wiederholen und neue Flecken sofort entfernen.

Milch-Spray #

Ein bewährtes Hausmittel ist verdünnte Milch. Als gängiger Richtwert wird etwa 1 Teil Milch auf 5 bis 9 Teile Wasser gemischt. Die Wirkung wird Milcheiweißen und Mikroorganismen zugeschrieben, die das Pilzwachstum hemmen. Sprühe nur bei ausgeschaltetem Licht oder mit ausreichendem Abstand zur Lampe und lass die Blätter gut abtrocknen.

Natron oder Kaliumhydrogencarbonat #

Natron (Natriumhydrogencarbonat) und das verwandte Kaliumhydrogencarbonat verändern den pH-Wert auf der Blattoberfläche und hemmen den Pilz. Ein häufig genannter Richtwert sind etwa 3 bis 5 g pro Liter Wasser, ergänzt um einige Tropfen milder Seife als Netzmittel. Kaliumhydrogencarbonat ist als Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln für den Haus- und Kleingarten zugelassen und belastet die Pflanze weniger mit Natrium.

Weitere Optionen #

  • Schwefelpräparate: wirken gut vorbeugend, sollten aber nur in der Wachstumsphase, nicht bei großer Hitze und nicht zusammen mit Ölen eingesetzt werden.
  • Biologische Präparate: Es gibt Mittel auf Basis nützlicher Bakterien oder Pilze, die Mehltau verdrängen. Sie wirken eher vorbeugend.

Verwende nur Mittel, die für Pflanzen im Haus- und Kleingarten vorgesehen sind, und halte die Gebrauchsanweisung ein.

Mehltau in der Blüte #

Sobald sich Blüten bilden, solltest du auf Sprühmittel verzichten. Rückstände setzen sich in den Blüten fest und beeinträchtigen Geruch und Geschmack, Feuchtigkeit erhöht zudem das Risiko für Grauschimmel (Botrytis).

In der Blüte bleiben:

  • befallene Blätter entfernen
  • Klima konsequent optimieren: Luftfeuchte in der Blüte als Richtwert 40 bis 50 % rF
  • Umluft verbessern
  • befallene Blüten großzügig entsorgen

Blüten mit sichtbarem Mehltaubelag solltest du nicht verwenden. Bei starkem Befall in der späten Blüte ist eine frühere Ernte oft die bessere Entscheidung als ein weiteres Ausbreiten.

Prävention: Luftzirkulation und stabiles Klima #

Die beste Behandlung ist ein Klima, in dem Mehltau kaum Chancen hat:

MaßnahmeRichtwert/Hinweis
Luftfeuchte Wachstum55 bis 70 % rF, abhängig von der Temperatur
Luftfeuchte Blüte40 bis 50 % rF
Temperaturunterschied Tag/Nachtmöglichst nicht mehr als 5 bis 8 °C
Umluftalle Blätter leicht in Bewegung, keine toten Ecken
PflanzenabstandBlätterdach nicht zu dicht, untere Triebe auslichten

Wie Umluftventilatoren richtig platziert werden, erklärt der Lexikon-Eintrag Was bedeutet Umluft im Grow?. Weitere Maßnahmen zum Abhaken findest du in der Checkliste Schimmelprävention in der Blüte.

Zusätzlich hilft konsequente Hygiene: neue Pflanzen vor dem Einsetzen kontrollieren, Blattreste vom Boden entfernen, die Box zwischen den Durchgängen reinigen und nach dem Aufenthalt im Garten Kleidung wechseln.

Häufige Fragen #

Wie bekämpfe ich Mehltau bei Cannabis?

In der Wachstumsphase: befallene Blätter entfernen, Luftfeuchte senken, Umluft verbessern und die Pflanzen mit einer verdünnten Milch- oder Natronlösung behandeln. In der Blüte ohne Sprühmittel arbeiten und vor allem das Klima korrigieren.

Kann ich Blüten mit Mehltau noch verwenden?

Blüten mit sichtbarem Belag solltest du nicht verwenden. Der Pilz lässt sich nicht zuverlässig entfernen und beeinträchtigt die Qualität deutlich. Entsorge betroffene Blüten und prüfe die übrigen genau.

Warum kommt der Mehltau immer wieder?

Die Sporen sind meist noch im Raum oder auf der Pflanze vorhanden. Solange das Klima günstig ist, keimen sie erneut. Dauerhaft hilft nur, die Ursachen – hohe Luftfeuchte, stehende Luft und dichte Bestände – zu beseitigen.

Hilft Neemöl gegen Mehltau?

Neemöl wird manchmal auch gegen Mehltau eingesetzt, seine Hauptwirkung liegt aber bei Schädlingen. Gegen Mehltau sind Klimakorrektur, Milch- oder Kaliumhydrogencarbonat-Lösungen meist der direktere Weg.