Gießen gehört zu den zeitaufwendigsten Aufgaben im Grow und ist gleichzeitig eine der häufigsten Fehlerquellen. Eine automatische Bewässerung nimmt dir die tägliche Routine ab und sorgt für gleichmäßigere Feuchtigkeit im Wurzelraum. Drei Systeme sind besonders verbreitet: einfache Tropfsysteme mit Schwerkraft, das Blumat-System mit Tonkegeln und Pumpensysteme mit Zeitsteuerung. Sie unterscheiden sich grundlegend darin, wann und wie viel Wasser die Pflanze bekommt.

Die drei Systeme im Überblick #

Schwerkraft-Tropfer: Ein erhöht stehender Wassertank speist über Schläuche einzelne Tropfer an den Töpfen. Die Durchflussmenge wird über Regulierventile oder Tropferwahl eingestellt. Wasser fließt kontinuierlich oder wird über ein Ventil mit Timer freigegeben.

Blumat: Ein Tonkegel steckt im Substrat und misst über seine poröse Wand die Bodenfeuchte. Wird das Substrat trockener, zieht es Wasser aus dem Kegel, ein Unterdruck entsteht und öffnet ein kleines Ventil. Wasser fließt drucklos aus einem Tank nach, bis die Feuchte wieder erreicht ist. Das System arbeitet ohne Strom und rein nach Bedarf.

Pumpe mit Timer: Eine Tauch- oder Druckpumpe fördert Nährlösung aus einem Tank über Tropfer, Tropfspieße oder Ringe zu den Pflanzen. Eine Zeitschaltuhr oder ein Controller bestimmt, wann und wie lange gegossen wird. Überschüssiges Wasser läuft als Drain ab.

Vergleichstabelle #

KriteriumSchwerkraft-TropferBlumatPumpe mit Timer
SteuerungDurchfluss, optional ZeitFeuchte im SubstratZeit
Strom nötignein, außer bei Ventil-Timerneinja
Drain/Runoffkaum steuerbarkein Runoffgezielt einstellbar
Geeignete SubstrateErdeErde, ErdmischungenKokos, Erde, Steinwolle
Düngen über das Systemeingeschränktnur mild, mineralischja, volle Fertigation
Einrichtungsaufwandgeringmittel, Einstellung braucht Geduldmittel bis hoch
Größtes Risikoungleichmäßiger Durchfluss, VerstopfungLuft im System, falsch eingestellte KegelÜberschwemmung bei Defekt oder Fehlprogrammierung
Stärkeeinfach, günstig im Betriebwässert nach Bedarfpräzise, skalierbar

Schwerkraft-Tropfer: einfach, aber ungenau #

Tropfsysteme mit Schwerkraft sind der einfachste Einstieg. Ein Tank über Topfhöhe, Schläuche und Tropfer reichen.

Vorteile:

  • Kein Strom, kaum Technik, wenig Ausfallrisiko.
  • Schnell aufgebaut und leicht zu erweitern.

Nachteile:

  • Der Durchfluss hängt vom Füllstand ab. Ist der Tank voll, tropft es schneller als bei fast leerem Tank.
  • Die Pflanze bekommt Wasser nach festem Durchfluss, nicht nach Bedarf. An heißen Tagen reicht es womöglich nicht, an kühlen ist es zu viel.
  • Feine Tropfer verstopfen durch Dünger und Algen.

Schwerkraft-Tropfer eignen sich gut für kürzere Abwesenheiten und für Grower, die nur die tägliche Grundversorgung sichern wollen.

Blumat: gießen nach Bedarf #

Das Blumat-System ist unter Growern beliebt, weil es als einziges der drei Systeme tatsächlich auf die Feuchte im Substrat reagiert. Trinkt die Pflanze viel, fließt viel Wasser nach. Wächst sie langsam, bleibt der Topf trotzdem nicht dauerhaft nass.

Erfahrungen aus der Praxis:

  • In Erde und erdähnlichen Mischungen funktioniert Blumat meist sehr zuverlässig.
  • Die Einstellung der Kegel braucht ein bis zwei Wochen Beobachtung. Jeder Topf kann einen etwas anderen Wert benötigen.
  • Luft in den Leitungen ist die häufigste Ursache für Aussetzer. Das System muss sauber entlüftet werden.
  • Das Substrat bleibt gleichmäßig feucht. Wer seine Pflanzen gern zwischen den Gießgängen abtrocknen lässt, muss umdenken.
  • Da es keinen Runoff gibt, reichern sich bei mineralischer Düngung Salze im Topf an. Viele Blumat-Nutzer setzen deshalb auf gut vorgedüngte oder lebende Erde und gießen nur klares Wasser oder sehr milde Lösungen.

Einen ausführlichen Praxisbericht liefert der Beitrag Blumat-System für Cannabis im Test, die Einrichtung Schritt für Schritt beschreibt die Anleitung: Blumat-System einrichten.

Pumpe mit Timer: präzise Fertigation #

Pumpensysteme sind die Wahl, wenn regelmäßig Nährlösung mit definierter Menge verabreicht werden soll. Besonders in Kokos, wo mehrmals täglich kleine Mengen gegossen werden, spielen sie ihre Stärken aus.

Vorteile:

  • Gießmenge und Zeitpunkte lassen sich genau festlegen, etwa drei kurze Gaben am Tag.
  • Volle Düngung über das System möglich, auch mit gezieltem Drain.
  • Leicht auf viele Pflanzen erweiterbar.

Nachteile:

  • Abhängig von Strom und korrekter Programmierung.
  • Ein hängendes Relais oder ein abgerutschter Schlauch kann den Tank in kurzer Zeit in die Box pumpen.
  • Die Gießmenge richtet sich nach der Uhr, nicht nach dem tatsächlichen Verbrauch der Pflanze. Sie muss im Verlauf des Grows angepasst werden.

Wie du ein Tropfsystem mit Pumpe planst und aufbaust, zeigt der Ratgeber Tropfbewässerung im Grow einrichten.

Welches System passt zu dir? #

SituationEmpfehlung
Erde, wenige Pflanzen, wenig Technik gewünschtBlumat
Kurzer Urlaub, einfache GrundversorgungSchwerkraft-Tropfer
Kokos oder SteinwollePumpe mit Timer
Organische Düngung mit FlüssigdüngerBlumat mit vorgedüngter Erde oder Handdüngung zwischendurch
Viele Pflanzen, genaue NährstoffsteuerungPumpe mit Timer oder Controller
Gewächshaus ohne StromanschlussBlumat oder Schwerkraft-Tropfer

Automatische Bewässerung im Gewächshaus #

Im Gewächshaus schwankt der Wasserbedarf stark mit dem Wetter. An sonnigen Sommertagen verbrauchen Pflanzen ein Vielfaches dessen, was sie an kühlen, bewölkten Tagen brauchen. Zeitgesteuerte Systeme liegen dann oft daneben, wenn sie nicht häufig nachjustiert werden. Das Blumat-System ist hier im Vorteil, weil es von sich aus mehr nachliefert, wenn das Substrat schneller austrocknet. Bei großen Flächen mit vielen Pflanzen sind Pumpensysteme mit Feuchtesensoren oder wetterabhängiger Steuerung eine Alternative.

Achte im Gewächshaus darauf, dass Tank und Leitungen vor Sonne geschützt sind. Warmes Wasser in durchsichtigen Schläuchen fördert Algen und verstopft Tropfer.

Kombinationen sind möglich #

Die Systeme schließen sich nicht aus. Eine bewährte Kombination: Pumpe und Timer füllen einen erhöhten Vorratstank, aus dem ein Blumat-System drucklos versorgt wird. So entfällt das manuelle Nachfüllen, und die Pflanzen bekommen trotzdem Wasser nach Bedarf. Wichtig ist dabei ein Überlauf oder Schwimmerschalter am Vorratstank.

Häufige Fragen #

Welche automatische Bewässerung ist für Anfänger am besten?

Für Erde ist das Blumat-System meist die unkomplizierteste Lösung, weil es ohne Strom und nach Bedarf arbeitet. Wer in Kokos growt, kommt an einer Pumpe mit Timer kaum vorbei.

Kann ich mit Blumat auch düngen?

Mit milder mineralischer Lösung ja, allerdings reichern sich ohne Runoff Salze an. Organische Flüssigdünger können die Tonkegel und Ventile verstopfen. Viele Grower kombinieren Blumat daher mit vorgedüngter Erde.

Wie lange kann ein Grow mit automatischer Bewässerung allein laufen?

Das hängt vor allem von der Tankgröße und dem Verbrauch der Pflanzen ab. Große Pflanzen in der Blüte verbrauchen mehrere Liter pro Tag. Teste das System vorher mindestens eine Woche unter Aufsicht, bevor du dich darauf verlässt.

Brauche ich bei automatischer Bewässerung noch einen Drain?

Bei Pumpensystemen in Kokos oder Steinwolle ja, etwa 10 bis 20 % der Gießmenge als Richtwert, damit sich keine Salze anreichern. Bei Blumat in Erde gibt es systembedingt keinen Drain.