Regelmäßiges Gießen kostet Zeit und wird im Urlaub zum Problem. Eine automatische Bewässerung übernimmt diese Aufgabe: Eine Pumpe fördert Wasser oder Nährlösung aus einem Tank über Schläuche und Tropfer zu den Pflanzen, eine Zeitschaltuhr bestimmt, wann und wie lange. Diese Anleitung zeigt den Aufbau eines solchen Tropfsystems für die Growbox – das Prinzip funktioniert im Gewächshaus genauso.
Welches System passt? #
Es gibt drei gängige Ansätze für den Home-Grow:
| System | Prinzip | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Pumpe mit Zeitschaltuhr und Tropfern | Pumpe gießt zu festen Zeiten | flexibel, auch mit Nährlösung, gut skalierbar | Menge muss manuell angepasst werden |
| Tonkegel-System (z. B. Blumat) | Tonkegel geben Wasser nach Bodenfeuchte ab | bedarfsgerecht, oft ohne Strom | vor allem für Erde, Einstellung braucht Geduld |
| Pumpe mit Feuchtesensor | Sensor startet die Pumpe | reagiert auf den tatsächlichen Bedarf | Sensoren müssen kalibriert werden, mehr Technik |
Einen ausführlichen Vergleich der Systeme bietet der Beitrag Automatische Bewässerung: Tropfer vs. Blumat vs. Pumpe. Wer sich für Tonkegel entscheidet, findet den Aufbau in der Anleitung: Blumat-System einrichten. Im Folgenden geht es um das Pumpensystem mit Zeitschaltuhr, das sich für Erde und Kokos gleichermaßen eignet.
Was du brauchst #
- Lichtdichter Tank mit Deckel, groß genug für mehrere Tage
- Tauchpumpe mit passender Förderhöhe (die Höhe vom Tank bis zu den Tropfern plus Reserve)
- Zeitschaltuhr, möglichst digital mit Minuten-Einstellungen
- Hauptschlauch (meist 13 oder 16 mm) und Verteilerschlauch (4 oder 6 mm)
- T-Stücke, Endkappen, Lochzange
- Tropfer oder Tropfringe, zwei bis vier pro Topf
- Untersetzer mit ausreichender Tiefe oder eine Wanne mit Ablauf
- Optional: Rückschlagventil, Filter vor der Pumpe, Wasserstandsanzeige
Tankgröße planen #
Die Tankgröße richtet sich nach dem Wasserverbrauch deiner Pflanzen und danach, wie lange das System selbstständig laufen soll.
| Pflanzengröße | Verbrauch pro Pflanze und Tag (Richtwert) |
|---|---|
| Jungpflanze | 0,2–0,5 l |
| Wachstumsphase | 0,5–1,5 l |
| Blüte, große Pflanze | 1–3 l |
Beispiel: Zwei Pflanzen in der Blüte mit je 2 l pro Tag verbrauchen in einer Woche rund 28 l. Mit Reserve und Drain ist ein 40- bis 60-Liter-Tank sinnvoll. Worauf es bei Tanks ankommt, erklärt der Beitrag Wassertanks und Reservoirs im Grow.
Schritt für Schritt: System aufbauen #
Tank platzieren
Den Tank außerhalb oder in einer Ecke der Box aufstellen, möglichst niedriger als die Töpfe. Steht der Tank höher, kann Wasser auch bei ausgeschalteter Pumpe nachlaufen (Heberwirkung).
Pumpe einsetzen
Die Tauchpumpe auf den Tankboden stellen, idealerweise leicht erhöht, damit sie keinen Bodensatz ansaugt. Ein Vorfilter schützt die Tropfer vor Verstopfung.
Hauptleitung verlegen
Den dickeren Schlauch von der Pumpe entlang der Töpfe führen und am Ende mit einer Endkappe verschließen.
Verteiler setzen
Für jeden Topf mit der Lochzange Löcher in die Hauptleitung stanzen und die dünnen Verteilerschläuche anschließen. Alle Verteilerschläuche sollten gleich lang sein, damit jeder Topf dieselbe Menge bekommt.
Tropfer anbringen
Zwei bis vier Tropfer oder einen Tropfring pro Topf gleichmäßig verteilen, damit das Substrat rundum befeuchtet wird und nicht nur an einer Stelle.
Heberwirkung verhindern
Ein kleines Loch in der Leitung knapp über dem Tank oder ein Rückschlagventil verhindert, dass der Tank nach dem Abschalten leerläuft.
Zeitschaltuhr anschließen
Die Pumpe an die Zeitschaltuhr hängen. Die Steckdose liegt außerhalb der Box und höher als der Tank.
Testlauf ohne Pflanzen
Die Pumpe eine Minute laufen lassen und die Wassermenge an jedem Tropfer mit einem Messbecher auffangen. Unterschiede von mehr als etwa 10 bis 20 % ausgleichen, zum Beispiel über verstellbare Tropfer.
Gießmenge und Intervall einstellen #
Aus dem Testlauf weißt du, wie viel Wasser pro Minute an jedem Topf ankommt. Daraus berechnest du die Laufzeit.
Laufzeit (Minuten) = gewünschte Menge pro Topf ÷ Menge pro Minute am Topf
Wie oft gegossen wird, hängt vom Substrat ab:
- Erde: Ein- bis zweimal täglich oder seltener mit größeren Mengen. Die Erde sollte zwischen den Gaben leicht abtrocknen.
- Kokos: Häufiger in kleineren Portionen, in der Blüte oft zwei- bis viermal täglich. Kokos sollte nie austrocknen.
Plane bei jedem Gießvorgang etwa 10 bis 20 % Drain ein, damit sich keine Salze im Substrat anreichern. Beobachte die ersten Tage genau: Steht Wasser im Untersetzer, ist die Menge zu hoch; sind die Töpfe leicht und trocken, zu niedrig.
Pumpe, Zeitschaltuhr und Steckdosen müssen vor Spritzwasser geschützt sein. Nutze eine Steckdose mit Fehlerstromschutzschalter und führe Kabel mit einer Tropfschlaufe, damit Wasser nicht am Kabel entlang zur Steckdose läuft.
Nährlösung im System #
Mit einem Pumpensystem kannst du direkt mit Dünger bewässern. Beachte dabei:
- Organische Dünger verstopfen Tropfer leicht und kippen im Tank. Besser geeignet sind mineralische Flüssigdünger.
- Den pH-Wert und EC-Wert im Tank täglich kontrollieren.
- Die Lösung alle 7 bis 10 Tage erneuern und den Tank reinigen.
- Tank und Schläuche lichtdicht halten, um Algen zu verhindern.
Wartung #
- Wöchentlich: Tropfer auf Verstopfung prüfen, Tankinhalt kontrollieren
- Zwischen den Durchgängen: Schläuche und Tropfer mit klarem Wasser und einem geeigneten Reinigungsmittel durchspülen
- Vor dem Urlaub: Das System mindestens eine Woche vorher im Normalbetrieb testen
Weitere Tipps, wie du deine Pflanzen während einer Abwesenheit versorgst, gibt der Ratgeber Bewässerung im Urlaub sicherstellen.
Häufige Fragen #
Wie lange kann eine automatische Bewässerung ohne Kontrolle laufen?
Mit ausreichend großem Tank und einem gut eingestellten System sind eine bis zwei Wochen möglich. Voraussetzung ist ein vorheriger Testlauf und eine Lösung, die im Tank stabil bleibt.
Funktioniert eine automatische Bewässerung auch im Gewächshaus?
Ja, das Prinzip ist dasselbe. Im Gewächshaus schwankt der Wasserbedarf durch Sonne und Temperatur allerdings stärker. Dort lohnt sich eine Steuerung über Bodenfeuchtesensoren oder Tonkegel.
Welche Pumpe brauche ich?
Eine Tauchpumpe, deren Förderhöhe mindestens den Höhenunterschied zwischen Tank und Tropfern plus etwas Reserve abdeckt. Die Fördermenge sollte so gewählt sein, dass alle Tropfer gleichmäßig versorgt werden.
Was passiert bei einem Stromausfall?
Die Pumpe gießt nicht, die Pflanzen bleiben aber einige Zeit versorgt, solange das Substrat feucht ist. Digitale Zeitschaltuhren mit Gangreserve behalten ihre Programmierung.

