Wer eine Growbox für die Wachstumsphase und eine zweite für die Blüte betreibt, kann Pflanzen versetzt heranziehen und so häufiger ernten. Dieses Prinzip heißt Perpetual Grow und ist im Lexikon unter Was ist ein Perpetual Grow? erklärt. Mit zwei Kammern verdoppelt sich aber auch die Steuerungsarbeit: zwei Lichtzyklen, zwei Klimazonen, zwei Bewässerungsrhythmen. Automatisierung sorgt dafür, dass beide Bereiche zuverlässig laufen, ohne dass du täglich an Zeitschaltuhren drehst.
Auch in einem Mehrkammer-Setup gilt die Obergrenze von drei Pflanzen je erwachsener Person, gezählt über alle Kammern zusammen. Zwei Kammern bedeuten also nicht mehr Pflanzen, sondern eine andere zeitliche Verteilung. Informiere dich über die aktuell geltenden Regeln.
Das Grundprinzip: zwei unabhängige Klimazonen #
Wachstumsphase und Blüte stellen unterschiedliche Ansprüche. Die folgende Tabelle zeigt typische Richtwerte:
| Parameter | Vegetationskammer | Blütekammer |
|---|---|---|
| Lichtzyklus | 18/6 | 12/12 |
| Temperatur Licht an | 24 bis 28 °C | 22 bis 26 °C |
| Temperatur Licht aus | 20 bis 24 °C | 18 bis 22 °C |
| Luftfeuchte | 55 bis 70 % rF | 40 bis 55 % rF, gegen Ende niedriger |
| VPD | ca. 0,8 bis 1,1 kPa | ca. 1,0 bis 1,5 kPa |
Weil die Werte so unterschiedlich sind, braucht jede Kammer eigene Sensoren und eigene Stellglieder. Eine gemeinsame Regelung auf Mittelwerte führt zu Kompromissen, die keiner Phase gerecht werden. Wie du die Zielwerte je Phase ableitest, erklärt die VPD-Tabelle für die Growbox.
Lichtzyklen koordinieren #
Die Vegetationskammer läuft 18 Stunden, die Blütekammer 12. Durch geschickte Zeitplanung lassen sich Stromspitzen, Wärmelast und Geräusch verteilen:
- Lichtphasen versetzen: Lege die Dunkelphase der Blütekammer so, dass sie in die wärmste Tageszeit fällt. Im Sommer ist das oft der Nachmittag.
- Überlappung begrenzen: Laufen beide Lampen gleichzeitig, addiert sich die Wärme im Raum. Wenn die Lichtphasen nur teilweise überlappen, bleibt die Raumtemperatur stabiler.
- Sanfte Übergänge: Dimmer mit Sonnenauf- und -untergang reduzieren Temperatursprünge beim Einschalten und entlasten die Klimaregelung in den ersten Minuten der Lichtphase.
Steht die Vegetationskammer direkt neben der Blütekammer, kann Licht durch Reißverschlüsse, Lüftungsöffnungen oder gemeinsame Schlauchdurchführungen in die Blüte fallen. Prüfe das in der Dunkelphase der Blütekammer bei eingeschalteter Veg-Lampe.
Controller für mehrere Zonen #
Für die Steuerung gibt es drei gängige Wege:
| Ansatz | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|
| Zwei getrennte Klimacontroller | einfach, ausfallsicher, jede Kammer autark | keine gemeinsame Übersicht, doppelte Einrichtung |
| Ein Mehrzonen-Controller | zentrale Oberfläche, abgestimmte Logik | Ausfall betrifft beide Kammern |
| Smart-Home-Plattform mit Sensoren und Schaltsteckdosen | flexibel, erweiterbar, Daten und Alarme zentral | Einrichtungsaufwand, abhängig von Netzwerk und Software |
Viele Grower kombinieren die Ansätze: Grundfunktionen wie Licht und Abluft laufen über robuste, lokale Controller oder Zeitschaltuhren, während eine Smart-Home-Plattform Daten sammelt und Alarme verschickt. So läuft die Box auch weiter, wenn WLAN oder Server ausfallen. Eine Einführung in diesen Weg bietet der Beitrag Home Assistant für den Grow einrichten.
Wichtig bei jeder Lösung:
- Eigene Sensoren je Kammer: Temperatur und Luftfeuchte auf Pflanzenhöhe, nicht an der Zeltwand.
- Fail-safe-Verhalten: Bei Sensorausfall soll die Abluft weiterlaufen und die Lampe im Zweifel abschalten, nicht umgekehrt.
- Getrennte Stromkreise prüfen: Zwei Lampen, zwei Lüfter und Zusatzgeräte summieren sich. Achte auf die Belastbarkeit von Steckdosenleisten.
Gemeinsame Abluft oder getrennte Systeme? #
Die Abluft ist der Punkt, an dem Mehrkammer-Setups am häufigsten scheitern.
Getrennte Systeme mit je einem Lüfter und Aktivkohlefilter pro Kammer sind der Standard. Jede Kammer lässt sich unabhängig regeln, und Gerüche der Blüte gelangen nicht in die Vegetationskammer.
Eine gemeinsame Abluft über einen Y-Verteiler ist möglich, hat aber Tücken: Der Luftstrom teilt sich nach Widerstand auf, nicht nach Bedarf. Die Kammer mit dem kürzeren Schlauch bekommt mehr Durchsatz. Außerdem lässt sich nur noch eine gemeinsame Drehzahl einstellen. Wenn du diesen Weg gehst, helfen Drosselklappen in jedem Strang. Wie ein Verteiler richtig eingebunden wird, erklärt der Beitrag Y-Verteiler im Grow.
Eine Zwischenlösung: getrennte Lüfter pro Kammer, aber ein gemeinsamer Abluftweg nach draußen hinter den Filtern.
Bewässerung automatisieren #
Pflanzen in der Blüte trinken mehr als Jungpflanzen, und die Nährlösungen unterscheiden sich in EC und Zusammensetzung. Deshalb braucht jede Kammer ein eigenes Reservoir oder zumindest getrennte Pumpenkreise. Bodenfeuchtesensoren je Kammer helfen, Gießintervalle an den tatsächlichen Verbrauch anzupassen.
Workflow: Pflanzen zwischen den Kammern bewegen #
Der Umzug von der Veg- in die Blütekammer ist ein wiederkehrender Arbeitsschritt. Eine feste Routine verhindert Fehler:
Timing planen
Setze die Pflanzen am Beginn der Lichtphase der Blütekammer um, damit der erste Tag nicht mit einer verkürzten oder verlängerten Nacht beginnt.
Pflanzen prüfen
Vor dem Umzug auf Schädlinge und Krankheiten kontrollieren. Ein Befall wandert sonst in die Blüte.
Klima angleichen
Senke die Luftfeuchte in der Vegetationskammer ein paar Tage vorher leicht ab, damit der Wechsel nicht zu abrupt ist.
Umsetzen und nachjustieren
Pflanzen umsetzen, Lampenhöhe anpassen und im Controller den neuen Pflanzenbestand bei Gießmengen berücksichtigen.
Dokumentieren
Umstelldatum notieren, damit du die Ernte planen kannst.
Überwachung und Alarme #
Mit zwei Kammern steigt die Zahl möglicher Fehlerquellen. Sinnvolle Alarme sind:
- Temperatur über oder unter einem Grenzwert, etwa über 30 °C,
- Luftfeuchte über 65 % rF in der Blütekammer,
- Licht an während der Dunkelphase der Blütekammer, erkennbar über einen Lichtsensor,
- Ausfall eines Sensors oder fehlende Messwerte.
Häufige Fragen #
Wie steuere ich zwei Growboxen gleichzeitig?
Am zuverlässigsten mit getrennten Sensoren, getrennter Abluft und je einem eigenen Zeitplan für das Licht. Ob du dafür zwei einzelne Controller oder eine zentrale Plattform nutzt, ist eine Frage von Komfort und Ausfallsicherheit.
Was ist ein Perpetual Grow?
Ein Anbau mit versetzten Durchgängen, bei dem Pflanzen in einer Kammer wachsen, während in der anderen geblüht wird. So entstehen regelmäßige statt einmalige Ernten. Im Eigenanbau begrenzt die Pflanzenobergrenze, wie viele Pflanzen gleichzeitig im Umlauf sind.
Kann ich zwei Kammern mit einem Lüfter entlüften?
Ja, über einen Y-Verteiler mit Drosselklappen. Die Regelung wird dann aber ungenauer, und Gerüche können sich vermischen. Getrennte Lüfter sind die robustere Lösung.
Fazit #
Ein Mehrkammer-Setup funktioniert dann gut, wenn jede Kammer als eigenes System gedacht wird: eigene Sensoren, eigene Abluft, eigener Lichtplan. Automatisierung verbindet beide Bereiche über gemeinsame Übersicht und Alarme, ohne sie voneinander abhängig zu machen.


