Die Abluft ist das Rückgrat jeder Growbox: Sie führt Wärme, Feuchtigkeit und Geruch ab und hält die Box unter Unterdruck. In einfachen Setups reicht ein gerader Strang aus Filter, Lüfter und Schlauch. Sobald aber zwei Boxen versorgt werden sollen oder mehrere Filter an einem Lüfter hängen, kommt ein Y-Verteiler ins Spiel. Dieser Beitrag erklärt, wann er sinnvoll ist, wie du ihn richtig einbaust und worauf es bei der Schlauchführung insgesamt ankommt. Die Grundlagen zu Abluft, Zuluft und Umluft findest du im Beitrag Growbox-Belüftung einrichten.

Was ist ein Y-Verteiler? #

Ein Y-Verteiler, auch Y-Stück oder Hosenrohr genannt, ist ein Formteil für Lüftungsrohre mit einem Eingang und zwei Ausgängen, die in einem spitzen Winkel abzweigen. Er besteht meist aus verzinktem Stahl oder Kunststoff und wird mit Schellen oder Aluklebeband an Flexschläuche angeschlossen. Erhältlich sind Varianten mit drei gleichen Durchmessern und reduzierende Varianten, etwa 150 mm auf zweimal 125 mm.

Im Unterschied zum T-Stück, bei dem die Abzweigung im rechten Winkel erfolgt, lenkt das Y-Stück die Luft sanfter um. Das verringert den Luftwiderstand und die Strömungsgeräusche.

Typische Einsatzzwecke #

  • Ein Lüfter für zwei Boxen: Etwa eine kleine Box für Mutterpflanzen und Stecklinge neben der Blütebox. Beide Boxen hängen über je einen Filter an einem gemeinsamen, stärkeren Lüfter.
  • Zwei Filter an einem Lüfter: In großen Boxen oder Growrooms, wenn ein einzelner Filter zu groß oder zu schwer wäre.
  • Abluft aufteilen: Zum Beispiel ein Teil der Abluft direkt aus dem Bereich über der Lampe, ein Teil aus dem unteren Bereich.
  • Zwei Ausblasöffnungen: Seltener, etwa wenn ein Fensteranschluss nicht die gesamte Luftmenge aufnehmen kann.

Das Grundproblem: Luft nimmt den leichtesten Weg #

Luft strömt immer dorthin, wo der geringste Widerstand herrscht. Sind die beiden Stränge hinter dem Y-Verteiler unterschiedlich lang, haben verschiedene Durchmesser oder hängt an einem Strang ein größerer Filter, bekommt dieser Strang deutlich mehr Luft. Die andere Box erhält zu wenig Abluft, wird zu warm und verliert ihren Unterdruck.

So hältst du beide Stränge im Gleichgewicht:

  1. Symmetrisch planen

    Beide Abzweige möglichst gleich lang und mit gleich vielen Bögen ausführen.

  2. Gleiche Filter verwenden

    Filter mit ähnlicher Leistung und gleichem Anschluss erzeugen einen ähnlichen Widerstand.

  3. Drosselklappen einsetzen

    Eine verstellbare Klappe im stärkeren Strang bremst diesen gezielt ab, bis beide Boxen gleichmäßig eingezogen sind.

  4. Prüfen

    Beide Boxen sollten sich bei laufendem Lüfter sichtbar leicht nach innen wölben. Wie du den Unterdruck beurteilst, zeigt die Anleitung zum Growbox-Unterdruck.

Durchmesser richtig wählen #

Die Querschnittsfläche entscheidet, wie viel Luft ohne großen Widerstand durch ein Rohr passt. Die Fläche wächst mit dem Quadrat des Durchmessers. Zwei 100-mm-Rohre haben zusammen etwa die Fläche eines 140-mm-Rohres, zwei 125-mm-Rohre etwa die eines 180-mm-Rohres.

HauptrohrAbzweigeEinschätzung
150 mm2 × 125 mmgut geeignet, genug Querschnitt in den Abzweigen
125 mm2 × 100 mmgut geeignet für zwei kleine Boxen
150 mm2 × 100 mmAbzweige werden zum Engpass, eher vermeiden
125 mm2 × 125 mmfunktioniert, Hauptstrang begrenzt die Gesamtmenge

Der Lüfter muss in jedem Fall stark genug für den Luftbedarf beider Boxen zusammen sein, plus Reserve für den zusätzlichen Widerstand durch Verteiler, Filter und Schläuche.

Y-Verteiler oder zwei Lüfter? #

Ein gemeinsamer Lüfter spart Platz und eine Steckdose. Zwei getrennte Lüfter haben dagegen klare Vorteile: Jede Box lässt sich unabhängig regeln, zum Beispiel wenn die Blütebox mehr Abluft braucht als die Anzuchtbox, und fällt ein Lüfter aus, bleibt die andere Box versorgt. Für Boxen mit sehr unterschiedlichem Klimabedarf sind zwei drehzahlgeregelte Lüfter meist die bessere Wahl. Welche Lüfterbauformen sich eignen, erklärt das Lexikon unter Was ist ein Inline-Lüfter?.

Schlauchführung: kurz, gerade, dicht #

Unabhängig davon, ob ein Y-Verteiler im Spiel ist: Die Schlauchführung beeinflusst Luftmenge, Lautstärke und Stromverbrauch erheblich.

  • Kurz halten: Jeder Meter Schlauch erhöht den Widerstand. Positioniere die Box möglichst nah an der Ausblasöffnung.
  • Wenige Bögen: Jeder Knick kostet Leistung. Weite Bögen mit großem Radius sind besser als scharfe 90-Grad-Knicke.
  • Schlauch straff ziehen: Durchhängende, gestauchte Flexschläuche haben durch die Rillen einen deutlich höheren Widerstand.
  • Dicht verbinden: Alle Übergänge mit Schellen sichern und mit Aluklebeband abdichten, besonders auf der Druckseite hinter dem Lüfter.
  • Schall dämpfen: Ein Schalldämpfer oder ein isolierter Schlauch hinter dem Lüfter reduziert das Rauschen deutlich.
  • Lüfter entkoppeln: Den Lüfter an Gurten oder Seilen aufhängen statt fest zu verschrauben, damit keine Vibrationen übertragen werden.

Abluft nach draußen führen #

Die Abluft sollte möglichst nicht in denselben Raum geblasen werden, aus dem die Box ihre Zuluft zieht. Sonst heizt sich der Raum auf, und die Luftfeuchte steigt. Übliche Lösungen sind ein Fensteranschluss mit Adapterplatte, ein vorhandener Lüftungsschacht oder ein Mauerdurchbruch mit Rückstauklappe. Die Rückstauklappe verhindert, dass bei ausgeschaltetem Lüfter kalte Außenluft oder Wind zurückdrückt.

Häufige Fragen #

Kann ich mit einem Lüfter zwei Growboxen belüften?

Ja, mit einem Y-Verteiler und einem ausreichend starken Lüfter. Beide Stränge sollten symmetrisch aufgebaut sein, und eine Drosselklappe hilft, die Luftmenge auszugleichen. Unabhängig regeln lassen sich die Boxen so allerdings nicht.

Ist ein Y-Stück besser als ein T-Stück?

In der Regel ja. Durch den flacheren Abzweigwinkel strömt die Luft gleichmäßiger, der Widerstand ist geringer, und es entstehen weniger Strömungsgeräusche.

Wie lang darf der Abluftschlauch sein?

So kurz wie möglich. Einige Meter sind mit einem ausreichend dimensionierten Lüfter kein Problem, aber jeder zusätzliche Meter und jeder Bogen verringert die tatsächliche Luftmenge.

Muss die Abluft auch nachts laufen?

Ja. Nachts steigt die Luftfeuchte, und ohne Abluft geht der Unterdruck verloren. Die Drehzahl kann in der Dunkelphase aber reduziert werden.