In einer einzelnen Growbox reicht ein Blick am Morgen. In Anlagen mit mehreren Räumen, vielen Pflanzen und verteilter Technik übersieht man ohne feste Routine schnell etwas: einen verstopften Tropfer, einen Entfeuchter mit vollem Kondensatbehälter oder die ersten Spinnmilben an einer Randpflanze. Eine tägliche Inspektion mit fester Reihenfolge macht Probleme früh sichtbar und schafft eine lückenlose Dokumentation.
Anlagen dieser Größe betreffen behördlich geregelte Strukturen wie Anbauvereinigungen, nicht den privaten Eigenanbau mit bis zu drei Pflanzen je erwachsener Person. Die Liste ist ein technischer Leitfaden und keine Rechtsberatung. Für den Heim-Grow gibt es die Checkliste: Tägliche Grow-Routine.
Grundregeln für den Rundgang #
- Immer dieselbe Reihenfolge: von sauberen zu potenziell belasteten Bereichen, also zuerst Stecklinge und Mutterpflanzen, dann Wachstum, Blüte, zuletzt Trocknung und Abfall.
- Fester Zeitpunkt, möglichst kurz nach Beginn der Lichtphase, wenn Abweichungen der Nacht noch sichtbar sind.
- Ein Formular oder eine digitale Checkliste pro Raum, mit Datum, Uhrzeit und Kürzel.
- Abweichungen sofort melden und mit Maßnahme dokumentieren.
- Abläufe als SOP festhalten, damit jede Person gleich prüft.
Zugang und Sicherheit #
- Zugangskontrolle funktioniert, Türen verschlossen, keine unbefugten Personen im Bereich.
- Besucherliste oder Zugangsprotokoll geprüft.
- Kameras und Alarmanlage aktiv, keine Störungsmeldungen.
- Fluchtwege frei, Feuerlöscher an ihrem Platz, Rauchmelder ohne Fehlermeldung.
- CO₂-Warngeräte aktiv, sofern CO₂ angereichert wird.
Hygiene und Schleuse #
- Schleuse sauber, Schuhwechsel oder Überschuhe bereit.
- Kittel, Handschuhe und Haarnetze in ausreichender Menge vorhanden.
- Desinfektionsmittel für Hände und Werkzeug aufgefüllt.
- Fußmatten oder Desinfektionswannen gewechselt nach Plan.
- Keine Pflanzenreste, verschüttete Nährlösung oder stehendes Wasser auf dem Boden.
- Abfälle aus Pflanzenmaterial ordnungsgemäß gesammelt und gesichert.
Klima in jedem Raum #
- Aktuelle Werte für Temperatur, Luftfeuchte und CO₂ abgelesen und mit den Sollwerten verglichen.
- Verlauf der letzten 24 Stunden geprüft, besonders Übergänge zwischen Licht- und Dunkelphase.
- VPD im Zielbereich der jeweiligen Phase.
- Alarmhistorie der Nacht durchgesehen.
- Sensoren auf Pflanzenhöhe plausibel, bei Abweichungen mit Handmessgerät gegengeprüft.
Technik #
- Alle Leuchten in Betrieb, keine ausgefallenen Module oder flackernden Treiber.
- Lichtzeiten entsprechen dem Plan, Dunkelräume ohne Lichteinfall.
- Klimageräte und Entfeuchter laufen, keine Fehlermeldungen, Kondensatabläufe frei.
- Umluftventilatoren drehen, keine ungewöhnlichen Geräusche.
- Abluft und Aktivkohlefilter arbeiten, kein Geruch außerhalb der Anlage.
- Schaltschränke ohne Warnlampen, keine warmen oder verfärbten Stecker und Kabel.
Bewässerung und Nährlösung #
- Tankstände von Wasser und Stammlösungen geprüft.
- EC und pH der ausgebrachten Lösung gemessen und dokumentiert.
- Stichproben aus dem Drain: Menge, EC und pH je Raum.
- Tropfer an Referenzpflanzen kontrolliert, keine Verstopfungen oder Lecks.
- Druck und Durchfluss je Zone im Normalbereich.
- Filter und Leitungen ohne sichtbare Ablagerungen oder Algen.
Wie eine Fertigationsanlage aufgebaut ist und worauf es beim Monitoring ankommt, beschreibt der Leitfaden Industrielle Bewässerung.
Pflanzengesundheit #
- Stichprobenartige Sichtkontrolle in jedem Raum, inklusive Randbereiche und Ecken.
- Blattunterseiten auf Spinnmilben, Thripse und Weiße Fliegen geprüft.
- Gelbtafeln kontrolliert und Fangzahlen notiert.
- Blüten in der späten Blüte auf Grauschimmel geprüft, besonders dichte Spitzen.
- Auffällige Pflanzen markiert, fotografiert und gemeldet.
- Mangel- oder Überschusssymptome notiert und mit den Düngewerten abgeglichen.
Wie ein systematisches Schädlingsmanagement aufgebaut ist, zeigt der Beitrag IPM für Großbetriebe.
Trocknung und Lager #
- Klima im Trocknungsraum im Zielbereich, etwa 18 bis 21 °C und 55 bis 62 % Luftfeuchte.
- Keine Anzeichen von Schimmel an hängenden Chargen.
- Lagerbehälter verschlossen, beschriftet und im vorgesehenen Bereich.
- Bestände mit der Dokumentation abgeglichen.
Dokumentation und Übergabe #
- Alle Messwerte und Beobachtungen erfasst.
- Abweichungen mit Ursache, Maßnahme und verantwortlicher Person notiert.
- Offene Punkte aus dem Vortag nachverfolgt.
- Übergabe an die nächste Schicht oder die verantwortliche Person erfolgt.
- Chargenkennungen bei allen Arbeitsschritten korrekt vermerkt.
Häufige Fragen #
Wie lange sollte eine tägliche Inspektion dauern?
Das hängt von der Größe ab. Wichtiger als die Dauer ist, dass alle Punkte vollständig und in gleicher Reihenfolge geprüft werden. Automatische Sensoren und Alarme verkürzen den Rundgang, ersetzen aber nicht den Blick auf die Pflanzen.
Warum von sauberen zu belasteten Bereichen gehen?
So werden Schädlinge, Sporen und Keime nicht von Blüte- oder Trocknungsräumen in die empfindlichen Bereiche mit Stecklingen und Mutterpflanzen getragen.
Reicht eine digitale Überwachung nicht aus?
Nein. Sensoren erkennen Klima- und Technikprobleme, aber keine Schädlinge, keinen beginnenden Schimmel und keine verstopften Einzeltropfer. Die Sichtkontrolle bleibt unverzichtbar.






