Kohlendioxid ist neben Licht, Wasser und Nährstoffen der vierte Rohstoff der Photosynthese. In einer gut belüfteten Growbox liegt der CO2-Gehalt meist nahe an dem der Außenluft. Wer aber mit geringer Abluft arbeitet oder CO2 gezielt anreichert, braucht ein zuverlässiges Messgerät. Ohne Messung lässt sich weder beurteilen, ob die Anreicherung wirkt, noch ob die Konzentration im Raum sicher bleibt.

Wann brauchst du ein CO2-Messgerät? #

  • Bei CO2-Anreicherung: Pflicht. Ohne Messung weißt du nicht, welche Konzentration erreicht wird, und riskierst Verschwendung oder gefährlich hohe Werte.
  • Bei geschlossenen oder stark gedrosselten Boxen: Etwa im Winter, wenn die Abluft kaum läuft. Dann kann der CO2-Gehalt in der Lichtphase unter den Außenwert fallen.
  • Zur Klimaoptimierung: Wer Temperatur, Luftfeuchte und VPD genau steuert, bekommt mit dem CO2-Wert ein vollständigeres Bild.
  • Nicht zwingend: In einer normal belüfteten Box ohne Anreicherung ist ein CO2-Messgerät ein nützliches Extra, aber kein Muss.

Ob sich die CO2-Anreicherung für dich überhaupt lohnt, beantwortet CO2 im Grow: Wann lohnt sich die Investition?.

CO2-Werte im Überblick #

CO2 wird in ppm (parts per million) angegeben.

SituationTypischer Wert (Richtwert)
Außenluftetwa 420 ppm
Wohnraum, gut gelüftet500–800 ppm
Wohnraum, schlecht gelüftet1000–2000 ppm
Growbox mit normaler Abluftetwa Außenluft- bis Raumniveau
Growbox mit CO2-Anreicherung (Blüte)800–1200 ppm, teils bis 1500 ppm
Arbeitsplatzgrenzwert Deutschland5000 ppm (über 8 Stunden)

Eine Anreicherung ist nur sinnvoll, wenn Licht und Temperatur mitziehen. Bei hoher Lichtintensität ab etwa 800 µmol/m²/s und Temperaturen um 26 bis 30 °C kann die Pflanze mehr CO2 verwerten. Bei schwachem Licht bringt zusätzliches CO2 kaum etwas.

Sensortechnik: NDIR oder eCO2 #

Das ist die wichtigste Frage beim Messgerät, denn es gibt zwei grundverschiedene Sensorarten.

NDIR-Sensoren #

NDIR steht für nicht-dispersive Infrarotmessung. Der Sensor schickt Infrarotlicht durch eine Messkammer. CO2 absorbiert eine bestimmte Wellenlänge, aus der Abschwächung wird die Konzentration berechnet. NDIR-Sensoren messen CO2 direkt und gelten als Standard für verlässliche Messungen.

  • Typische Genauigkeit: etwa ±50 ppm plus einige Prozent des Messwerts
  • Messbereich meist bis 2000, 5000 oder 10.000 ppm
  • Langzeitstabil, benötigen gelegentliche Kalibrierung

eCO2- oder VOC-Sensoren #

Viele günstige Luftqualitätsmonitore arbeiten mit Metalloxid-Sensoren. Sie messen flüchtige organische Verbindungen (VOC) und schätzen daraus einen CO2-Äquivalentwert, oft als „eCO2“ oder „CO2eq“ bezeichnet.

In der Growbox ist das problematisch: Pflanzen geben viele Terpene und andere VOC ab. Der eCO2-Wert steigt dann, obwohl sich der tatsächliche CO2-Gehalt nicht ändert. Für den Grow sind diese Sensoren ungeeignet.

Gerätetypen im Vergleich #

TypEignungMerkmale
Handmessgerät mit NDIRStichproben, Kontrollemobil, schnelle Messung an verschiedenen Stellen
Tischgerät/Datenlogger mit NDIRdauerhafte ÜberwachungVerlauf, Min/Max-Werte, oft mit Temperatur und Luftfeuchte
CO2-Controller mit SensorAnreicherung steuernschaltet Magnetventil oder Generator, Relaisausgang
Smart-Sensor (WLAN, Zigbee)Automatisierung, FernüberwachungAnbindung an Home Assistant oder Apps
eCO2-Luftqualitätsmonitornicht geeignetschätzt CO2 aus VOC, im Grow unzuverlässig

Wenn du die Anreicherung automatisieren willst, führt kein Weg an einem Controller mit NDIR-Sensor vorbei. Die Grundlagen dazu erklärt CO2-Steuerung automatisieren.

Worauf du beim Kauf achten solltest #

  • NDIR-Sensor, klar im Datenblatt angegeben
  • Messbereich mindestens bis 5000 ppm, besser 10.000 ppm bei Anreicherung
  • Kalibrierfunktion, manuell an Frischluft oder mit Referenzgas
  • Datenlogging oder App, um Tagesverläufe zu sehen
  • Alarmfunktion bei Grenzwertüberschreitung
  • Kombisensor für Temperatur und Luftfeuchte spart ein weiteres Gerät
  • Schnittstelle (Relais, WLAN, Zigbee), wenn du automatisieren willst

Richtig platzieren #

  1. Auf Höhe des Blätterdachs

    Dort findet die Photosynthese statt. Mit wachsender Pflanze mitführen.

  2. Nicht direkt an der CO2-Quelle

    Abstand zum Auslass von Flasche oder Generator, sonst misst du nur die Spitze.

  3. Nicht im direkten Luftstrom

    Weder direkt vor dem Clip-Ventilator noch am Einlass des Aktivkohlefilters.

  4. Vor Wasser schützen

    Keine Sprühnebel und kein Gießwasser auf dem Sensor.

  5. Nicht anhauchen

    Ausgeatmete Luft enthält sehr viel CO2 und verfälscht die Messung für einige Minuten.

Kalibrierung #

Viele NDIR-Sensoren besitzen eine automatische Basislinienkalibrierung. Sie geht davon aus, dass das Gerät regelmäßig Frischluft mit etwa 420 ppm misst, und setzt den niedrigsten Wert der letzten Tage als Referenz. In einer dauerhaft angereicherten Growbox führt das zu falschen Werten.

  • Automatische Kalibrierung bei Anreicherung deaktivieren, sofern möglich.
  • Stattdessen alle paar Wochen manuell kalibrieren: Gerät 15 bis 30 Minuten an der Außenluft oder bei weit geöffnetem Fenster stabilisieren lassen und die Kalibrierung auf den Frischluftwert auslösen.
  • Nach Transport oder starken Temperaturwechseln das Gerät erst akklimatisieren lassen.

Häufige Fragen #

Wie viel CO2 sollte in der Growbox sein?

Ohne Anreicherung etwa auf Außenluftniveau um 420 ppm. Mit Anreicherung und starkem Licht werden in der Blüte meist 800 bis 1200 ppm als Richtwert angestrebt.

Kann ich ein normales Raumluft-Messgerät verwenden?

Wenn es einen NDIR-Sensor hat, ja. Geräte, die CO2 aus VOC-Werten schätzen, sind in der Growbox wegen der Pflanzenausdünstungen unzuverlässig.

Warum sinkt der CO2-Wert während der Lichtphase?

Die Pflanzen verbrauchen CO2 für die Photosynthese. In schwach belüfteten Boxen kann der Wert dann unter das Außenniveau fallen, was das Wachstum bremst.

Brauche ich ein CO2-Messgerät, wenn ich nicht anreichere?

Nicht zwingend. Es hilft aber zu erkennen, ob die Abluft ausreicht, besonders in kleinen, dichten Boxen und im Winter bei gedrosselter Abluft.