Pflanzen bauen aus Kohlendioxid, Wasser und Licht ihre Biomasse auf. Die Außenluft enthält heute etwa 420 ppm CO2. Wird die Konzentration im Growraum erhöht, können Pflanzen unter den richtigen Bedingungen deutlich mehr Photosynthese betreiben. Klingt nach einem einfachen Hebel für mehr Ertrag, ist es aber nicht immer. Hier erfährst du, wann sich CO2 wirklich lohnt, wann nicht und wie du die Entscheidung für deinen Grow triffst.
Wie wirkt zusätzliches CO2? #
Die Photosynthese hängt von mehreren Faktoren ab: Licht, CO2, Temperatur, Wasser und Nährstoffe. Der knappste Faktor bestimmt das Tempo. Bei normaler Luft und niedriger Lichtintensität ist meist das Licht der begrenzende Faktor. Mehr CO2 bringt dann kaum etwas.
Erst wenn die Pflanzen sehr viel Licht bekommen, wird CO2 zum Engpass. Dann kann eine Anreicherung auf etwa 800 bis 1200 ppm die Photosynthese spürbar steigern. Viele Erfahrungsberichte und gärtnerische Praxis aus dem Gewächshausbau sprechen von deutlichen Ertragszuwächsen, die aber stark von den übrigen Bedingungen abhängen. Pauschale Prozentangaben solltest du deshalb mit Vorsicht betrachten.
Voraussetzungen: Wann CO2 überhaupt Sinn ergibt #
CO2 lohnt sich nur, wenn alle anderen Faktoren bereits optimiert sind. Prüfe deinen Grow ehrlich anhand dieser Punkte:
| Voraussetzung | Richtwert |
|---|---|
| Lichtintensität in der Blüte | mindestens etwa 800 bis 1000 µmol/m²/s PPFD |
| Raum | weitgehend dicht, Abluft kann während der Dosierung pausieren oder stark reduziert werden |
| Klima | Temperatur und Luftfeuchte stabil kontrollierbar |
| Nährstoffe und Wasser | Versorgung sitzt, keine Mangelprobleme |
| Genetik und Training | gleichmäßiges Blätterdach, gesunde Pflanzen |
Liegt dein PPFD bei 500 µmol/m²/s, ist eine stärkere Lampe die bessere Investition. Was hinter PPFD steckt, erklärt der Lexikon-Eintrag Was bedeutet PPFD beim Indoor-Growing?.
Das Problem mit der Abluft #
In den meisten Growboxen läuft die Abluft dauerhaft, um Wärme und Feuchte abzuführen. Dabei wird die Luft in einer typischen Box mehrmals pro Minute ausgetauscht. Zugeführtes CO2 wird so sofort wieder abgesaugt. Damit die Anreicherung wirkt, muss der Raum während der Lichtphase weitgehend geschlossen betrieben werden.
Das wiederum bedeutet: Wärme und Feuchte müssen auf anderem Weg abgeführt werden, etwa mit einer Klimaanlage und einem Entfeuchter. Genau hier entstehen die größten Kosten und der größte Aufwand. Eine CO2-Anreicherung in einer normal belüfteten Growbox verpufft zum großen Teil.
Kosten und Nutzen abwägen #
Statt pauschaler Zahlen hilft eine strukturierte Abwägung. Diese Posten gehören in deine Rechnung:
Kostenseite
- CO2-Quelle und Verbrauchsmaterial (Flaschenfüllungen, Gas oder Nachfüllbeutel)
- Controller mit Sensor und Magnetventil
- ggf. Klimagerät und Entfeuchter für den geschlossenen Betrieb
- zusätzlicher Stromverbrauch für die Kühlung
- Zeit für Einrichtung und Kontrolle
Nutzenseite
- Mehrertrag pro Durchgang bei ohnehin hoher Lichtintensität
- etwas höhere Temperaturtoleranz der Pflanzen
- bei geschlossenem Raum weniger Geruchsaustritt
So gehst du konkret vor:
Ausgangslage messen
Wie hoch ist dein PPFD, wie stabil ist dein Klima?
Durchschnittsertrag ermitteln
Notiere Erträge der letzten Durchgänge.
Mehrertrag vorsichtig schätzen
Rechne eher konservativ.
Laufende Kosten pro Durchgang ermitteln
Gas, Strom, Verschleiß.
Einmalkosten auf mehrere Durchgänge verteilen.
Vergleichen
Übersteigt der erwartete Mehrertrag die Kosten deutlich, lohnt sich ein Test.
Für kleine Boxen mit ein bis zwei Pflanzen fällt die Rechnung meist negativ aus. Bei größeren, dichten Growräumen mit starker Beleuchtung sieht es anders aus.
CO2-Systeme im Vergleich #
| System | Funktionsweise | Geeignet für | Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Druckgasflasche mit Regler und Magnetventil | reines CO2 wird über ein Ventil nach Bedarf dosiert | dichte Growräume | präzise, sauber, Standard |
| CO2-Generator (Gasbrenner) | verbrennt Erdgas oder Propan | große Räume | erzeugt Wärme und Feuchte, nicht für Growboxen |
| Fermentations- oder Pilzbeutel | geben kontinuierlich kleine Mengen ab | kleine Boxen | ungeregelt, meist nur geringe Wirkung |
| Trockeneis, Hefe-Zucker-Gärung | Bastellösungen | Experimente | kaum steuerbar |
Für den Heim-Grow ist die Druckgasflasche mit Controller die einzige Variante, die sich sauber regeln lässt. Wie du sie einrichtest, beschreibt die Anleitung zur CO2-Supplementierung.
Optimale Werte #
| Situation | CO2-Richtwert |
|---|---|
| Außenluft | etwa 420 ppm |
| Growbox mit starker Abluft | 400 bis 500 ppm |
| Anreicherung, moderate Lichtintensität | 800 bis 1000 ppm |
| Anreicherung, sehr hohe Lichtintensität | 1000 bis 1200 ppm, teils bis 1500 ppm |
| Dunkelphase | keine Anreicherung, Pflanzen nutzen nachts kein CO2 |
Bei erhöhtem CO2 vertragen Pflanzen etwas höhere Temperaturen. Viele Grower fahren dann mit 26 bis 30 °C in der Lichtphase. In den letzten ein bis zwei Wochen vor der Ernte wird die Anreicherung häufig beendet.
Sicherheit #
CO2 ist farb- und geruchlos und schwerer als Luft. In hohen Konzentrationen verursacht es Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme, in sehr hohen Konzentrationen besteht Erstickungsgefahr. Der Arbeitsplatzgrenzwert liegt in Deutschland bei 5000 ppm.
- CO2 nur mit Controller und Sensor dosieren, nie „nach Gefühl“.
- Einen separaten CO2-Warnmelder im Raum installieren, idealerweise in Bodennähe.
- Flaschen stehend sichern und vor Wärme schützen.
- Räume vor dem Betreten lüften, wenn die Konzentration hoch ist.
Welche Messgeräte sich eignen, zeigt der Beitrag CO2-Messgeräte für die Growbox.
Häufige Fragen #
Lohnt sich CO2 in einer kleinen Growbox?
Meist nicht. Kleine Boxen laufen mit starker Abluft, das zugeführte CO2 wird sofort wieder abgesaugt. Eine stärkere Lampe oder ein besseres Klima bringt in diesem Fall mehr.
Ab welcher Lichtstärke lohnt sich CO2?
Als Richtwert ab etwa 800 bis 1000 µmol/m²/s PPFD in der Blüte. Darunter ist meist das Licht der begrenzende Faktor, nicht das CO2.
Bringen CO2-Beutel etwas?
Sie geben nur geringe, ungeregelte Mengen ab. In einer Box mit laufender Abluft ist die Wirkung kaum messbar. Für einen echten Effekt brauchst du eine regelbare Quelle und einen dichten Raum.
Ist CO2 im Grow gefährlich?
In den üblichen Anreicherungswerten bis etwa 1500 ppm nicht akut. Gefährlich wird es bei Defekten oder Fehlbedienung, wenn große Mengen austreten. Controller, Warnmelder und gut gesicherte Flaschen sind deshalb Pflicht.



