Fast jeder Düngerhersteller liefert ein Düngeschema mit: eine Tabelle mit Wochen, Produkten und Milliliter-Angaben pro Liter Wasser. Wer es nur abliest, düngt oft zu viel oder am eigenen Wasser vorbei. Wer dagegen versteht, welche Rolle die einzelnen Bausteine spielen – NPK-Grunddünger, CalMag und Mikronährstoffe –, kann das Schema gezielt anpassen.
Wie ein Düngeschema aufgebaut ist #
Die meisten Schemata folgen demselben Muster:
- Zeilen: Wochen oder Phasen, von der Bewurzelung über die Wachstumsphase bis zur Spätblüte.
- Spalten: einzelne Produkte, typischerweise Wachstumsdünger, Blütedünger, Zusätze und Booster.
- Werte: Dosierung in ml pro Liter, oft ergänzt um einen Ziel-EC-Wert und den pH-Bereich.
Ein vereinfachtes, herstellerunabhängiges Schema für Erde könnte so aussehen:
| Phase | Grunddünger | Zusätze | EC der Lösung (Richtwert) |
|---|---|---|---|
| Keimling / Steckling | kein oder sehr wenig Dünger | – | 0,4–0,8 mS/cm |
| Wachstum | stickstoffbetonter Dünger | bei Bedarf CalMag | 0,8–1,4 mS/cm |
| Übergang, Stretch | Mischung aus Wachstums- und Blütedünger | bei Bedarf CalMag | 1,2–1,6 mS/cm |
| Hauptblüte | kalium- und phosphorbetonter Dünger | optional Booster | 1,4–2,0 mS/cm |
| Letzte 1–2 Wochen | reduziert oder nur Wasser | – | niedrig |
Die EC-Werte beziehen sich auf die gesamte Nährlösung einschließlich des Leitwerts deines Ausgangswassers.
Baustein 1: NPK – das Grundgerüst #
Die Grunddünger liefern die Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium. Das Verhältnis ändert sich im Verlauf des Schemas:
- In der Wachstumsphase dominiert Stickstoff, weil die Pflanze Blätter und Triebe aufbaut. Ein typisches Verhältnis ist etwa 3:1:2.
- In der Blütephase sinkt der Stickstoffanteil, Kalium und Phosphor steigen.
- Im Übergang kombinieren viele Schemata beide Dünger, weil die Pflanze während des Stretchs noch stark wächst.
Was die Zahlen auf dem Etikett genau bedeuten, erklärt der Lexikoneintrag Was ist NPK beim Düngen?. Warum ein sehr phosphorlastiger Blütedünger nicht automatisch mehr Ertrag bringt, beschreibt der Ratgeber zum NPK-Verhältnis.
Baustein 2: CalMag – was ist das und wann brauchst du es? #
CalMag ist ein Zusatzdünger, der vor allem Calcium und Magnesium enthält, häufig ergänzt um etwas Stickstoff und Eisen. Beide Nährstoffe sind für Cannabis wichtig: Calcium stabilisiert Zellwände und neues Gewebe, Magnesium ist das zentrale Atom im Chlorophyll.
In vielen Düngeschemata steht CalMag als optionale Spalte. Ob du es brauchst, hängt vor allem vom Wasser und vom Substrat ab:
| Situation | CalMag nötig? |
|---|---|
| Osmosewasser oder sehr weiches Wasser | meist ja, als Grundlage vor dem Dünger |
| Kokossubstrat | häufig ja, weil Kokos Calcium und Magnesium bindet |
| Hartes Leitungswasser (hoher Kalkgehalt) | meist nein, das Wasser liefert bereits Calcium und Magnesium |
| Gut vorgedüngte Erde mit normalem Leitungswasser | selten |
| Sichtbarer Calcium- oder Magnesiummangel | gezielt und vorübergehend |
Wichtig ist die Reihenfolge beim Anmischen: CalMag kommt als Erstes ins Wasser, danach die Grunddünger und Zusätze, zuletzt wird der pH-Wert eingestellt. Bei Osmosewasser bringen viele Grower den Leitwert mit CalMag auf etwa 0,3–0,4 mS/cm, bevor sie düngen. Symptome, Dosierung und Alternativen wie Bittersalz beschreibt der Ratgeber CalMag im Indoor-Grow.
CalMag „zur Sicherheit“ bei hartem Wasser erhöht den EC unnötig und kann andere Nährstoffe verdrängen. Kalium, Calcium und Magnesium konkurrieren bei der Aufnahme – ein Überschuss des einen kann einen Mangel des anderen auslösen.
Baustein 3: Mikronährstoffe #
Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor und Molybdän braucht die Pflanze nur in sehr kleinen Mengen. In den meisten Komplettdüngern sind sie bereits enthalten, deshalb tauchen sie im Schema oft gar nicht als eigene Spalte auf. Ein separater Mikronährstoffzusatz ist nur sinnvoll, wenn du mit reinen Basisdüngern arbeitest oder ein konkreter Mangel festgestellt wurde.
Häufiger als ein echter Mangel ist eine Blockade: Liegt der pH-Wert außerhalb des passenden Bereichs, kann die Pflanze Eisen oder Mangan nicht aufnehmen, obwohl genug davon im Substrat ist. Als Richtwerte gelten pH 6,0–7,0 in Erde und 5,5–6,5 in Kokos und Hydro.
Zusätze und Booster richtig einordnen #
Neben den drei Bausteinen enthalten viele Schemata weitere Produkte: Wurzelstimulatoren, Enzyme, Kohlenhydrate oder Blütebooster. Sie sind in der Regel optional. Ein gut abgestimmter Grunddünger versorgt die Pflanze vollständig; zusätzliche Produkte erhöhen vor allem den EC und die Komplexität. Einsteiger fahren meist gut damit, zunächst nur mit Grunddünger und bei Bedarf CalMag zu arbeiten.
Das Schema an deine Bedingungen anpassen #
Herstellerschemata sind auf kräftig wachsende Pflanzen unter guten Bedingungen ausgelegt. So passt du sie an:
Mit 50–75 % der Dosis starten
Besonders in der ersten Hälfte des Grows reicht das oft aus. Steigern kannst du jederzeit, Überdüngung rückgängig zu machen dauert länger.
Nach Entwicklung statt Kalender gehen
Wenn deine Pflanze langsamer wächst, verschiebst du das Schema einfach um eine oder zwei Wochen.
Ausgangswasser messen
Leitwert und Härte deines Leitungswassers bestimmen, ob du CalMag brauchst und wie viel Spielraum beim EC bleibt.
EC statt ml als Ziel
Miss die fertige Lösung und orientiere dich am Zielwert, nicht nur an der Milliliter-Angabe.
Pflanzen beobachten
Dunkelgrüne, krallenartig nach unten gebogene Blätter deuten auf zu viel Stickstoff, braune Blattspitzen auf eine zu hohe Konzentration. Hellgrüne untere Blätter zeigen eher einen Mangel an.
Wie du daraus ein eigenes, dauerhaft nutzbares Schema für deinen Grow machst, beschreibt die Anleitung zum Düngeschema erstellen.
Häufige Fragen #
Was ist CalMag genau?
CalMag ist ein flüssiger oder pulverförmiger Zusatzdünger mit Calcium und Magnesium, oft ergänzt um Stickstoff und Eisen. Er gleicht fehlende Mineralien im Wasser aus, etwa bei Osmose- oder Regenwasser, und wird häufig beim Anbau in Kokos eingesetzt.
Brauche ich CalMag bei Cannabis immer?
Nein. Bei mittelhartem bis hartem Leitungswasser und Anbau in Erde ist CalMag meist überflüssig. Sinnvoll ist es vor allem bei weichem Wasser, Osmosewasser, Kokossubstrat oder einem nachgewiesenen Mangel.
Was bedeutet NPK 3:1:2 im Düngeschema?
Das Verhältnis beschreibt einen Dünger mit dreimal so viel Stickstoff wie Phosphat und etwas weniger Kalium als Stickstoff. Solche Verhältnisse sind typisch für die Wachstumsphase.
Muss ich mich exakt an das Herstellerschema halten?
Nein. Das Schema ist ein Ausgangspunkt. Viele Grower dosieren niedriger und passen die Menge an, sobald die Pflanze Anzeichen von Mangel oder Überschuss zeigt.
