Im Gewächshaus kann der Wasserbedarf einer Pflanze innerhalb weniger Tage um ein Vielfaches schwanken. An einem sonnigen Sommertag verdunstet sie ein Mehrfaches dessen, was sie an einem bewölkten Frühlingstag braucht. Von Hand zu gießen bedeutet deshalb oft, zu viel oder zu wenig zu geben, und im Urlaub wird es kritisch. Eine automatische Bewässerung sorgt für gleichmäßige Versorgung und spart Zeit. Welche Lösung passt, hängt von Größe, Wasseranschluss und gewünschter Steuerung ab.
Warum Gewächshäuser besondere Anforderungen stellen #
Im Vergleich zur Indoor-Growbox kommen im Gewächshaus einige Faktoren hinzu:
- Wechselnde Einstrahlung: Sonne und Wolken verändern Temperatur und Verdunstung stündlich.
- Hohe Temperaturspitzen: An heißen Tagen können im Gewächshaus deutlich über 30 °C entstehen, der Wasserbedarf steigt entsprechend.
- Große Substratvolumen: Pflanzen in Beeten oder großen Töpfen puffern länger, trocknen aber auch ungleichmäßig aus.
- Wasserquelle: Nicht jedes Gewächshaus hat einen Wasseranschluss. Oft wird aus Regentonnen oder Tanks bewässert.
- Frost und Winterpause: Leitungen und Tanks müssen im Winter entleert oder geschützt werden.
Die gängigen Systeme im Vergleich #
| System | Prinzip | Stromquelle | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Tropfbewässerung mit Druckanschluss | Wasserleitung, Druckminderer, Tropfer, Magnetventil mit Timer | Batterie oder Netz für den Timer | Gewächshäuser mit Wasseranschluss |
| Tropfbewässerung mit Pumpe | Pumpe fördert aus Tank oder Regentonne, Tropfer verteilen | Netz oder Solar | Gewächshäuser ohne Anschluss |
| Tonkegel-System (z. B. Blumat) | Tonkegel misst die Bodenfeuchte und öffnet ein Ventil | keine | Töpfe und Beete, hoher Tank oder Druckminderer |
| Flutbewässerung (Ebbe und Flut) | Tische werden periodisch geflutet und entleert | Netz | Anzucht, viele gleich große Töpfe |
| Sprüh- oder Nebelsysteme | Düsen befeuchten Luft und Blätter | Netz | Anzucht und Kühlung, nicht für blühendes Cannabis |
Einen ausführlichen Vergleich der Systeme mit Aufbauvarianten liefert Gewächshaus-Bewässerungssysteme: Tropf bis Flut. Hier geht es um die Automatisierung, also um Steuerung und Betrieb.
Steuerung: Timer, Sensor oder Kombination #
Zeitsteuerung #
Der einfachste Weg: Ein Bewässerungscomputer öffnet zu festen Zeiten ein Magnetventil oder schaltet eine Pumpe.
- Vorteil: Günstig, einfach, zuverlässig.
- Nachteil: Reagiert nicht auf das Wetter. An kühlen Tagen wird zu viel, an heißen zu wenig gegossen.
- Praxistipp: Mehrere kurze Gießintervalle am Vormittag und frühen Nachmittag sind besser als eine große Wassergabe. Abends wenig oder gar nicht gießen, damit die Pflanzen trocken in die Nacht gehen.
Sensorsteuerung #
Bodenfeuchtesensoren messen den Wassergehalt im Substrat und lösen die Bewässerung erst aus, wenn ein Schwellenwert unterschritten wird.
- Vorteil: Bedarfsgerecht, passt sich dem Wetter automatisch an.
- Nachteil: Sensoren müssen richtig platziert und gelegentlich kontrolliert werden. Ein einzelner Sensor steht nur für einen Topf oder einen Bereich.
- Praxistipp: Den Sensor in eine repräsentative Pflanze mittlerer Größe setzen, in etwa zwei Dritteln der Wurzeltiefe. Wie du Bodenfeuchtemesser richtig liest, erklärt Bodenfeuchtemesser richtig nutzen.
Kombinierte und smarte Steuerung #
Die komfortabelste Lösung verknüpft Zeitfenster mit Sensorwerten: Gegossen wird nur innerhalb bestimmter Tageszeiten und nur, wenn der Boden trocken genug ist. Zusätzlich kann die Steuerung Temperatur oder Einstrahlung einbeziehen. Solche Systeme lassen sich mit Bewässerungscomputern, Smart-Home-Zentralen oder Mikrocontrollern umsetzen. Wie ein ganzes Gewächshaus vernetzt wird, zeigt Gewächshaus-Automatisierung: Smart Greenhouse.
Planung Schritt für Schritt #
Wasserquelle klären
Wasseranschluss, Regentonne oder Tank? Das bestimmt, ob du Druck von der Leitung hast oder eine Pumpe brauchst.
Wasserbedarf abschätzen
Große Cannabispflanzen im Gewächshaus können an heißen Sommertagen mehrere Liter pro Tag verbrauchen. Plane Tankgrößen mit Reserve für mehrere Tage.
Tropfer wählen
Druckkompensierende Tropfer liefern auch bei langen Leitungen und Höhenunterschieden gleichmäßige Mengen. Je nach Topfgröße ein bis vier Tropfer pro Pflanze.
Filter einplanen
Ein Feinfilter nach Pumpe oder Wasserhahn verhindert verstopfte Tropfer, besonders bei Regenwasser.
Druck regulieren
Tropfsysteme arbeiten meist mit niedrigem Druck. Ein Druckminderer schützt Schläuche und Tropfer bei Leitungsanschluss.
Steuerung wählen
Timer für einfache Anlagen, Sensor oder Kombination für bedarfsgerechte Bewässerung.
Testlauf
Ohne Pflanzen oder mit Messbechern prüfen, ob alle Tropfer gleichmäßig liefern.
Die technischen Details zum Aufbau eines Tropfsystems beschreibt Tropfbewässerung im Grow einrichten.
Eine automatische Anlage kann bei defektem Ventil oder hängender Steuerung große Wassermengen abgeben. Plane eine Absicherung ein: begrenzte Tankgröße statt direkter Leitung, einen Wasserstopp am Hahn oder eine maximale Laufzeit in der Steuerung.
Düngen mit der automatischen Bewässerung #
Viele Anlagen lassen sich zur Fertigation nutzen, also zum Düngen über das Bewässerungswasser.
- Bei Tanksystemen wird die Nährlösung direkt im Tank angesetzt und pH sowie EC kontrolliert.
- Bei Leitungsanschluss sind Dosiergeräte nötig, die den Dünger proportional beimischen.
- Organische Flüssigdünger können Tropfer und Filter verstopfen. Mineralische, vollständig lösliche Dünger sind für Tropfsysteme besser geeignet.
- Leitungen nach Düngegaben regelmäßig mit klarem Wasser spülen.
Wartung im Betrieb #
- Wöchentlich: Tropfer auf gleichmäßige Abgabe prüfen, verstopfte Tropfer reinigen.
- Alle zwei Wochen: Filter reinigen, Tank auf Algen kontrollieren.
- Monatlich: Sensoren und Batterien prüfen, Steuerung auf korrekte Uhrzeit kontrollieren.
- Saisonende: Anlage vollständig entleeren, Tropfer und Schläuche reinigen, Pumpe und Steuerung frostfrei lagern.
Häufige Fragen #
Welche automatische Bewässerung ist für ein kleines Gewächshaus am besten?
Für kleine Gewächshäuser ohne Strom ist ein Tonkegel-System an einem erhöht stehenden Tank eine einfache Lösung. Mit Stromanschluss ist ein Tropfsystem mit Pumpe und Zeit- oder Sensorsteuerung flexibler.
Kann ich aus einer Regentonne automatisch bewässern?
Ja, mit einer Tauchpumpe und einem Filter. Achte darauf, dass die Pumpe trockenlaufgeschützt ist und die Tonne nicht leerläuft, ohne dass du es bemerkst.
Wann sollte die automatische Bewässerung gießen?
Am besten morgens und vormittags, damit die Pflanzen für den heißen Teil des Tages versorgt sind. Abendliches Gießen erhöht die Luftfeuchte in der Nacht und damit das Risiko für Pilzkrankheiten.
Lohnt sich eine Sensorsteuerung gegenüber einem Timer?
Im Gewächshaus meist ja, weil der Bedarf mit dem Wetter stark schwankt. Ein Timer mit Anpassung an die Jahreszeit ist aber ein guter, günstiger Einstieg.



