Im Gewächshaus trocknen Töpfe und Beete an sonnigen Tagen deutlich schneller aus als im Freiland oder in der Growbox. Gleichzeitig bist du selten den ganzen Tag vor Ort. Eine passende Bewässerung sorgt dafür, dass die Pflanzen gleichmäßig versorgt werden, ohne dass Staunässe oder feuchte Blätter Schimmel begünstigen.

Im legalen Eigenanbau sind höchstens drei Pflanzen je erwachsener Person am Wohnsitz erlaubt. Für Cannabis im Gewächshaus reichen daher fast immer kleine Systeme – großtechnische Lösungen mit Mischstationen sind überdimensioniert.

Die Systeme im Überblick #

SystemPrinzipAutomatisierbarEignung für Cannabis
Gießkanne und Schlauchmanuellneingut, aber zeitaufwendig
TropfbewässerungWasser tropft direkt ins Substratja, mit Timer oder Sensorsehr gut
Tonkegel-SystemeSubstrat saugt Wasser nach Bedarfselbstregulierendgut, besonders für Töpfe
Ebbe-FlutTisch wird geflutet, Wasser läuft zurückja, mit Pumpe und Timergut, eher für viele Töpfe
KapillarmattenTöpfe stehen auf feuchter Matteselbstregulierendeher für Anzucht
Sprinkler und SprühnebelWasser von obenjafür Cannabis ungünstig

Tropfsysteme #

Tropfbewässerung ist im Gewächshaus die flexibelste Lösung. Eine Hauptleitung versorgt über dünne Verteilerschläuche einzelne Tropfer, die direkt am Topf oder an der Pflanze sitzen. Das Wasser kommt dort an, wo es gebraucht wird, und die Blätter bleiben trocken.

Worauf es ankommt:

  • Druckkompensierte Tropfer geben auch am Ende einer langen Leitung dieselbe Menge ab. Ohne Druckausgleich bekommen die hinteren Töpfe weniger Wasser.
  • Durchflussmenge: Gängige Tropfer liefern etwa 2 bis 4 l/h. Für einen großen Topf setzt du zwei bis vier Tropfer ringförmig ein, damit der gesamte Wurzelballen feucht wird.
  • Filter: Ein Filter hinter dem Wasseranschluss oder der Pumpe schützt die feinen Öffnungen vor Verstopfungen.
  • Leitungen: Schwarze, lichtundurchlässige Schläuche verhindern Algen in der Leitung.

Wie du ein Tropfsystem Schritt für Schritt aufbaust, erklärt der Ratgeber Tropfbewässerung im Grow einrichten.

Tonkegel-Systeme #

Tonkegel wie das bekannte Blumat-Prinzip arbeiten ohne Strom. Ein poröser Kegel steckt im Substrat. Wird die Erde trockener, entsteht Unterdruck, und ein Ventil lässt Wasser aus einem Vorratsbehälter nachlaufen. Das System gießt also nach dem tatsächlichen Bedarf.

  • Vorteile: kein Strom, keine Elektronik, sehr gleichmäßige Feuchte
  • Nachteile: Einstellung braucht einige Tage Feingefühl; mineralische Düngerlösung kann die Kegel verstopfen; für Flutbewässerung zu langsam

Die Einrichtung im Detail zeigt die Anleitung zum Blumat-System.

Ebbe-Flut #

Beim Ebbe-Flut-System stehen die Töpfe auf einem Tisch mit Rand. Eine Pumpe flutet den Tisch einige Zentimeter hoch, das Substrat saugt sich von unten voll, danach läuft das Wasser in den Tank zurück. Das spart Wasser und versorgt alle Töpfe gleichmäßig.

Für wenige Pflanzen ist der Aufwand hoch: Du brauchst einen Tisch, einen Tank, eine Pumpe und einen Timer. Weil die Nährlösung zurückläuft, verbreiten sich Wurzelkrankheiten leichter über das ganze System. Ebbe-Flut lohnt sich eher, wenn du viele Anzuchttöpfe oder andere Kulturen mitversorgst.

Sprinkler und Sprühnebel #

Sprinkler und Nebeldüsen benetzen die Pflanzen von oben. Für Gemüse und Anzucht kann das sinnvoll sein, für Cannabis ist es ungünstig: Nasse Blätter und vor allem nasse Blüten sind ein Einfallstor für Grauschimmel und Mehltau. Nebeldüsen werden im Sommer manchmal zur Kühlung eingesetzt – dann nur bei sehr guter Lüftung und nicht während der Blüte.

Automatisierung #

Ein automatisches System besteht aus drei Bausteinen: Wasserquelle, Steuerung und Verteilung.

  1. Wasserquelle wählen

    Wasserhahn mit Druckminderer, Regentonne mit Tauchpumpe oder ein Vorratstank. Bei Pumpen auf Trockenlaufschutz achten.

  2. Steuerung festlegen

    Ein einfacher Bewässerungscomputer am Hahn oder eine Zeitschaltuhr an der Pumpe reicht für die meisten Fälle. Bodenfeuchtesensoren machen die Steuerung bedarfsgerecht.

  3. Verteilung installieren

    Tropfleitungen verlegen, Tropfer setzen, Endkappen montieren.

  4. Testlauf durchführen

    Menge pro Topf mit einem Messbecher prüfen und den Zyklus so einstellen, dass etwa 10 bis 20 % als Ablaufwasser unten herauskommen.

  5. Nachjustieren

    In heißen Wochen mehr, bei trübem Wetter weniger Wasser. Ein fester Plan ohne Anpassung führt schnell zu Staunässe.

Für einen Tank mit Nährlösung ist das Prinzip der Fertigation interessant: Dünger und Wasser werden gemeinsam ausgebracht, die Nährstoffmenge lässt sich exakt steuern.

Wasserqualität #

Die beste Technik nützt wenig, wenn das Wasser nicht passt.

  • Regenwasser: weich, meist mit niedrigem EC und gut geeignet. Tonne abdecken, damit sich keine Algen und Mückenlarven bilden.
  • Leitungswasser: je nach Region hart und kalkreich. Kalk setzt sich in Tropfern ab und hebt den pH-Wert.
  • Brunnenwasser: vor der Nutzung auf Eisen, Härte und Nitrat prüfen lassen.
  • pH-Richtwert: Für Erde etwa 6,0 bis 7,0, für Kokos 5,8 bis 6,2.
  • Temperatur: Sehr kaltes Wasser direkt aus der Leitung schockt die Wurzeln. Ein Vorratstank im Gewächshaus bringt das Wasser auf Umgebungstemperatur.

Welches System passt zu dir? #

  • Ein bis drei Pflanzen in großen Töpfen: Tonkegel oder ein kleines Tropfsystem mit Timer.
  • Pflanzen im Beet: Tropfschlauch mit Bewässerungscomputer.
  • Viele Anzuchttöpfe und Mischkultur: Ebbe-Flut oder Kapillarmatten.
  • Oft verreist: Tropfsystem mit großem Tank oder Wasseranschluss plus Tonkegel als zweite Sicherheit.

Wie du Lüftung und Heizung im Gewächshaus darauf abstimmst, erklärt der Ratgeber Gewächshaus Klimakontrolle: Lüftung und Heizung.

Häufige Fragen #

Wie oft muss ich im Gewächshaus gießen?

Das hängt von Topfgröße, Substrat und Wetter ab. An heißen Sommertagen können große Töpfe täglich Wasser brauchen, bei kühlem Wetter reicht oft jeder zweite oder dritte Tag. Prüfe die Feuchte mit dem Finger oder einem Feuchtemesser, bevor du den Zeitplan festlegst.

Kann ich eine automatische Bewässerung ohne Stromanschluss betreiben?

Ja. Tonkegel-Systeme arbeiten mit Schwerkraft aus einem erhöht stehenden Behälter. Alternativ gibt es Bewässerungscomputer mit Batterie für den Wasserhahn. Pumpen aus einer Regentonne brauchen dagegen Strom, etwa über ein kleines Solarmodul.

Ist Tropfbewässerung für Cannabis im Gewächshaus sinnvoll?

Ja, sie gilt als eine der besten Lösungen: Das Wasser kommt direkt an die Wurzeln, Blätter und Blüten bleiben trocken, und die Menge lässt sich genau steuern. Wichtig sind ein Filter und druckkompensierte Tropfer.