Im Datenblatt einer Grow-LED stehen oft Angaben wie „3000 K + 5000 K + 660 nm“ oder „Vollspektrum 3500 K“. Wer eine Lampe für den Indoor-Grow vergleicht, muss diese Zahlen einordnen können: Welche Aussage steckt in der Kelvin-Angabe, welche Informationen fehlen, und was ist wichtiger? Hier geht es um das praktische Lesen und Bewerten solcher Angaben. Welche Farbtemperatur sich grundsätzlich für Wachstum und Blüte bewährt hat, erklärt der Ratgeber Kelvin bei LED-Growlampen.

Was Kelvin bei LEDs beschreibt #

Die Farbtemperatur in Kelvin (K) beschreibt, wie warm oder kühl weißes Licht für das menschliche Auge wirkt. Niedrige Werte um 2700–3000 K wirken gelblich-warm, 4000 K neutral und 5000–6500 K bläulich-kühl. Technisch ist das ein Vergleich mit einem glühenden Körper: Je heißer er ist, desto bläulicher leuchtet er.

Für Pflanzen bedeutet das grob:

FarbtemperaturWirkung auf das AugeSpektraler Schwerpunkt
2700–3000 Kwarmweißmehr Rot, weniger Blau
3500–4000 Kneutralweißausgewogen
5000–6500 Kkaltweißmehr Blau, weniger Rot

Weiße LEDs bestehen fast immer aus einer blauen Diode, deren Licht durch eine Leuchtstoffschicht (Phosphor) teilweise in grünes, gelbes und rotes Licht umgewandelt wird. Je niedriger die Kelvin-Zahl, desto mehr wird umgewandelt. Dabei geht etwas Energie verloren, weshalb warmweiße Dioden bei gleicher Bauart oft etwas weniger effizient sind als kaltweiße.

Den Diodenmix im Datenblatt lesen #

Moderne Grow-LEDs kombinieren meist mehrere Diodentypen. Typische Angaben und ihre Bedeutung:

  • „3000 K + 5000 K“: Mischung aus warm- und kaltweißen Dioden. Der rote Anteil der 3000-K-Dioden unterstützt die Blüte, der blaue Anteil der 5000-K-Dioden sorgt für kompakten Wuchs.
  • „+ 660 nm“: Zusätzliche tiefrote Dioden. Sie erhöhen den Rotanteil gezielt in dem Bereich, den Chlorophyll besonders gut aufnimmt, und verbessern oft die Effizienz der Lampe.
  • „+ 730 nm“ oder „Far-Red“: Dunkelrote Dioden am Rand des sichtbaren Spektrums. Ihr Nutzen für Blütenbildung und Streckung wird diskutiert; sie sind kein Muss.
  • „UV“ oder „IR“: Zusatzkanäle mit geringem Anteil. Ihre Wirkung ist deutlich weniger gesichert als oft beworben.

Wichtig: Sobald Tiefrot dazukommt, ist die Kelvin-Angabe der Lampe als Ganzes kaum noch aussagekräftig. Sie bezieht sich dann nur auf die weißen Dioden. Eine Lampe mit „3500 K + 660 nm“ hat deutlich mehr Rot, als die 3500 K vermuten lassen. Den Unterschied zwischen solchen Bauformen erklärt der Vergleich Full Spectrum vs. Dual Spectrum.

Das Spektraldiagramm: aussagekräftiger als Kelvin #

Seriöse Hersteller liefern ein Spektraldiagramm, das die relative Lichtmenge über die Wellenlängen von etwa 380 bis 780 nm zeigt. Daran erkennst du:

  • Blauer Peak um 440–450 nm: stammt von den blauen Grunddioden der weißen LEDs.
  • Breite Kuppe im Grün-Gelb-Bereich: der umgewandelte Phosphor-Anteil. Grün wird von Pflanzen durchaus genutzt, vor allem in tieferen Blattschichten.
  • Roter Bereich um 600–680 nm: je höher und breiter, desto stärker die Unterstützung der Blüte. Ein schmaler, hoher Peak bei 660 nm zeigt zusätzliche Tiefrot-Dioden.
  • Anteil über 700 nm: Far-Red, meist gering.

Achte darauf, ob das Diagramm die Photonenmenge oder die Energie darstellt, und ob es relativ (auf 100 % normiert) oder absolut ist. Ein relatives Diagramm zeigt nur die Verteilung, nicht die Stärke der Lampe.

Was Kelvin nicht verrät #

Die Farbtemperatur sagt nichts darüber aus, wie viel nutzbares Licht bei der Pflanze ankommt. Dafür brauchst du andere Kennzahlen:

KennzahlAussageRelevanz für den Grow
Kelvin (K)Lichtfarbe für das Augegrobe Orientierung zum Spektrum
PPF (µmol/s)gesamte Photonenmenge der LampeGesamtleistung
PPFD (µmol/m²/s)Photonen pro Fläche und Sekundeentscheidend für Wachstum
Effizienz (µmol/J)Photonen pro eingesetzter EnergieStromverbrauch und Wärme
Lux / LumenHelligkeit für das menschliche Augefür Pflanzen wenig aussagekräftig

Zwei Lampen mit identischer Kelvin-Angabe können sich in der PPFD um ein Vielfaches unterscheiden. Warum die PPFD die zentrale Größe ist, erklärt der Lexikoneintrag Was bedeutet PPFD?.

CRI: Farbwiedergabe für dich, nicht für die Pflanze #

Manche Datenblätter nennen einen CRI- oder Ra-Wert, etwa „CRI 80“ oder „CRI 90“. Er beschreibt, wie natürlich Farben unter dem Licht erscheinen. Für das Pflanzenwachstum ist er zweitrangig, für dich aber praktisch: Unter einer Lampe mit guter Farbwiedergabe erkennst du Verfärbungen, Mangelsymptome und Schädlinge leichter als unter violettem Licht.

Haushalts-LEDs mit hoher Kelvin-Zahl: eine Alternative? #

Die Frage taucht häufig auf: Eine normale LED-Lampe mit 6500 K sieht hell aus – warum nicht die nehmen? Haushaltslampen sind auf Helligkeit für das Auge optimiert und strahlen in alle Richtungen ab. Ihre Photonenmenge reicht für Keimlinge, Stecklinge oder Kräuter auf der Fensterbank, aber nicht für eine blühende Cannabis-Pflanze, die Hunderte µmol/m²/s braucht. Die Kelvin-Zahl ist dabei nicht das Problem, sondern die fehlende Intensität.

Typische Fehlinterpretationen #

  • „Mehr Kelvin ist heller“: Falsch. Kelvin beschreibt die Farbe, nicht die Helligkeit.
  • „Die Lux-App zeigt genug Licht“: Lux-Messungen gewichten Grün stark und unterschätzen Rot. Umrechnungen in PPFD per App sind nur grobe Schätzungen. Mehr dazu im Eintrag Was bedeutet Lux beim Indoor Growing?.
  • „Für die Blüte brauche ich eine andere Kelvin-Lampe“: Bei modernen Vollspektrum-LEDs nicht nötig. Entscheidend ist die Intensität.
  • „Rosa Licht ist effizienter“: Reine Rot-Blau-Lampen können effizient sein, erschweren aber die Beurteilung der Pflanzen und haben sich im Hobby-Grow weitgehend zugunsten weißer Vollspektrum-LEDs erledigt.

Häufige Fragen #

Welche Kelvin-Zahl sollte im Datenblatt einer Grow-LED stehen?

Bewährt haben sich Lampen mit weißen Dioden zwischen 3000 und 4000 K, oft kombiniert mit 5000 K und zusätzlichem Tiefrot bei 660 nm. Eine Kombination deckt Wachstum und Blüte ab.

Warum geben manche Hersteller keine Kelvin-Zahl an?

Bei Lampen mit vielen farbigen Dioden oder hohem Tiefrot-Anteil ist eine einzelne Farbtemperatur wenig sinnvoll. Ein Spektraldiagramm ist dann die bessere Angabe.

Kann ich die Farbtemperatur meiner Lampe selbst messen?

Mit Farbmessgeräten oder einigen Smartphone-Apps lässt sich die Farbtemperatur grob bestimmen. Für die Pflanze wichtiger ist aber eine PPFD-Messung mit einem Quantensensor.