Moderne LED-Growlampen liefern längst nicht mehr nur weißes Vollspektrum. Viele Modelle haben zusätzliche Dioden für ultraviolettes Licht (UV) und für den Bereich jenseits von Rot, der im Grow-Bereich meist als IR oder Far-Red bezeichnet wird. Die Versprechen reichen von mehr Harz bis zu schnellerer Blüte. Dieser Artikel ordnet ein, welche Wirkung gut belegt ist, welche umstritten und wie du die Zusatzspektren sinnvoll einsetzt.

Das Spektrum im Überblick #

Pflanzen nutzen für die Photosynthese vor allem Licht zwischen 400 und 700 nm, den sogenannten PAR-Bereich. UV und Far-Red liegen außerhalb dieses Bereichs, wirken aber über Photorezeptoren als Signale auf Wachstum und Stoffwechsel.

BereichWellenlängeWirkung auf die Pflanze
UV-B280 bis 315 nmStresssignal, kann Schutzstoffe anregen, in höheren Dosen schädlich
UV-A315 bis 400 nmmildes Signal, geringer Beitrag zur Photosynthese
PAR400 bis 700 nmHauptenergie für die Photosynthese
Far-Red700 bis 780 nmbeeinflusst Streckung, Blühsignale und Photosynthese-Effizienz
Infrarotüber 780 nmvor allem Wärme

Wichtig für den Vergleich: Werte wie PPFD beziehen sich in der Regel nur auf den PAR-Bereich. Wie diese Messgrößen zusammenhängen, erklären die Lexikon-Einträge zu PAR und PPFD.

UV-A und UV-B: die Unterschiede #

UV-A ist energieärmer und weniger riskant. Die meisten Growlampen mit UV-Dioden nutzen Wellenlängen um 385 bis 395 nm, also UV-A am Übergang zum sichtbaren Violett. Dieses Licht wird von der Pflanze teilweise noch für die Photosynthese genutzt und wirkt als leichtes Signal, etwa auf kompakteren Wuchs.

UV-B ist deutlich energiereicher. Pflanzen reagieren darauf mit Schutzmechanismen: Sie bilden unter anderem Pigmente und sekundäre Pflanzenstoffe, die das Gewebe vor Strahlung schützen. Zu viel UV-B schädigt jedoch Blätter, bremst das Wachstum und kann Blattflecken oder ausgeblichene Spitzen verursachen. Echte UV-B-Quellen sind in normalen LED-Panels selten, weil entsprechende Dioden teuer und weniger effizient sind. Häufig kommen dafür separate Zusatzleisten zum Einsatz.

Einfluss auf die Trichom-Produktion #

Die verbreitete Annahme lautet: UV-Strahlung ist Stress, Trichome schützen die Pflanze, also bildet sie unter UV mehr Harz und mehr Cannabinoide. Diese Idee ist plausibel und stützt sich auf ältere Untersuchungen. Neuere Versuche kommen aber zu uneinheitlichen Ergebnissen: Teilweise wurden kaum Unterschiede im Cannabinoidgehalt gefunden, teilweise leichte Veränderungen bei Terpenen oder anderen Inhaltsstoffen, teilweise auch Ertragseinbußen bei zu hoher Dosis.

Realistisch betrachtet gilt:

  • UV ist kein Ersatz für ein starkes Grundspektrum. Lichtmenge, Klima und Genetik haben einen weit größeren Einfluss.
  • Ein moderater UV-A-Anteil schadet in der Regel nicht und kann das Erscheinungsbild der Blüten beeinflussen.
  • Von UV-B-Zusätzen solltest du keine Wunder erwarten. Wer experimentiert, sollte vorsichtig dosieren und selbst vergleichen.

Far-Red und IR in der Blütephase #

Far-Red um 730 nm ist der Bereich, dessen Wirkung am besten verstanden ist. Pflanzen messen über den Photorezeptor Phytochrom das Verhältnis von Hellrot zu Far-Red.

  • Streckung: Ein hoher Far-Red-Anteil signalisiert Schatten. Die Pflanze reagiert mit Längenwachstum. In der Wachstumsphase führt zu viel Far-Red deshalb zu gestreckten Pflanzen.
  • Photosynthese: In Kombination mit rotem Licht kann Far-Red die Photosynthese-Effizienz leicht steigern. Dieser Zusammenhang ist als Emerson-Effekt bekannt.
  • Blühsignal: Eine kurze Far-Red-Gabe am Ende des Lichttags, oft 10 bis 15 Minuten nach dem Ausschalten des Hauptlichts, soll die Pflanze schneller in den Nachtmodus bringen. Manche Grower nutzen das, um die Blütephase leicht zu beschleunigen. Der Effekt wird diskutiert und ist in der Praxis meist klein.

Echtes Infrarot oberhalb von 780 nm liefert dagegen vor allem Wärme. In einer Growbox mit LED ist das selten erwünscht, im Winter kann die Blattoberfläche davon profitieren. Wer es ausprobieren möchte, sollte die Blatttemperatur im Blick behalten.

Welche LEDs haben UV und IR? #

Grob lassen sich drei Varianten unterscheiden:

  • Vollspektrum-Panels mit integrierten Zusatzdioden: Viele weiße LED-Boards enthalten einige Dioden mit 660 nm (Rot) und 730 nm (Far-Red), seltener auch UV-A um 395 nm. Diese laufen oft fest mit und lassen sich nicht separat steuern.
  • Panels mit getrennten Kanälen: Hier lassen sich UV und Far-Red unabhängig vom Hauptlicht schalten oder dimmen. Das ist die flexibelste Lösung.
  • Separate Zusatzleisten: UV- oder Far-Red-Bars werden neben die Hauptlampe gehängt und über eine eigene Zeitschaltuhr gesteuert.

Beim Vergleich lohnt ein Blick in das Spektraldiagramm. Wie sich Vollspektrum-Lampen von Modellen mit getrennten Kanälen unterscheiden, erklärt der Artikel Full Spectrum vs. Dual Spectrum LED.

Anwendungstipps: Wann und wie lange? #

ZusatzspektrumPhaseDauer pro Tag (Richtwert)
UV-Amittlere bis späte Blüte, optional ab Wachstumsphasezusammen mit dem Hauptlicht oder einige Stunden in der Tagesmitte
UV-Bletzte 2 bis 4 Blütewochenmit 1 bis 2 Stunden beginnen, langsam steigern, maximal wenige Stunden
Far-Red während des TagesBlütephasemit dem Hauptlicht
Far-Red am TagesendeBlütephase10 bis 15 Minuten nach dem Ausschalten

Dazu einige Grundregeln:

  • Langsam einsteigen: Neue Zusatzspektren schrittweise erhöhen und die Pflanze beobachten. Ausgeblichene oder bräunliche Spitzen weisen auf zu viel UV hin.
  • Nicht in der frühen Wachstumsphase: Sämlinge und frische Stecklinge brauchen kein UV-B. Far-Red kann dort unerwünschte Streckung verursachen.
  • Abstand beachten: UV-Leisten mit Herstellerabstand montieren, meist näher wirkt nicht besser, sondern schädlicher.
  • Separat steuern: Eine eigene Zeitschaltuhr für UV oder Far-Red gibt dir die Kontrolle über Timing und Dauer.

Lohnt sich UV und IR? #

Für Einsteiger ist ein gutes weißes Vollspektrum mit ausreichender Lichtmenge wichtiger als jedes Zusatzspektrum. Far-Red-Dioden sind in vielen Lampen ohnehin enthalten und sinnvoll. UV ist eine Option für Fortgeschrittene, die gezielt experimentieren wollen. Wer das Maximum aus der vorhandenen Lampe holen will, sollte zuerst Abstand, Lichtintensität und Klima optimieren, siehe LED-Spektrum im Detail.

Häufige Fragen #

Welches LED-Licht brauchen Cannabispflanzen?

Die Grundlage ist ein weißes Vollspektrum im PAR-Bereich mit einem ausreichenden Rotanteil für die Blüte. UV und Far-Red sind Ergänzungen, keine Voraussetzung für eine gute Ernte.

Macht UV-Licht Cannabis stärker?

Das wird oft behauptet, ist aber nicht eindeutig belegt. Studien zeigen uneinheitliche Ergebnisse. Einen großen Unterschied im Wirkstoffgehalt solltest du von UV allein nicht erwarten.

Kann UV-Licht den Pflanzen schaden?

Ja, vor allem UV-B in zu hoher Dosis. Mögliche Folgen sind ausgeblichene Blätter, Blattflecken und ein gebremstes Wachstum. Deshalb gilt: kurz beginnen, langsam steigern, Pflanzen beobachten.

Brauche ich Infrarot in der Growbox?

Echtes Infrarot liefert vor allem Wärme und ist in den meisten Growboxen nicht nötig. Far-Red um 730 nm ist dagegen sinnvoll und in vielen Vollspektrum-Lampen bereits enthalten.

Fazit #

Far-Red ist ein gut verstandenes, nützliches Zusatzspektrum für die Blüte. UV-A ist unkritisch, UV-B wirkt als Stresssignal mit unsicherem Nutzen und echtem Schadenspotenzial. Wer mit UV experimentiert, sollte klein anfangen, separat steuern und immer an den Augenschutz denken.