Bei Autoflowers entscheidet nicht der Lichtzyklus über den Blühbeginn, sondern das Alter der Pflanze. Das macht sie einfach, verzeiht aber wenig: Jeder Tag mit zu wenig oder zu viel Licht fehlt am Ende, denn eine Autoflower hat keine verlängerbare Wachstumsphase. Deshalb lohnt sich ein durchdachter Lichtplan. Die Grundlagen zu Timing und Lichtzyklus erklärt der Ratgeber Autoflower indoor: Timing, Lichtzyklus und LED-Abstand. Hier geht es um die konkrete Umsetzung Woche für Woche.

Warum Autoflowers einen eigenen Lichtplan brauchen #

Photoperiodische Pflanzen kannst du in der Wachstumsphase so lange halten, bis sie groß genug sind. Autoflowers dagegen durchlaufen ihr Programm in etwa 9 bis 12 Wochen, je nach Sorte. Ein Stressereignis in Woche 2, etwa durch Lichtbrand oder zu wenig Licht, verkürzt direkt die Zeit, in der die Pflanze Masse aufbauen kann.

Zwei Grundsätze ergeben sich daraus:

  • Gleichmäßiges Steigern statt Sprünge: Die Lichtintensität wird Woche für Woche angehoben, nie abrupt.
  • Gleicher Lichtzyklus von Anfang bis Ende: Ein Wechsel ist nicht nötig und bringt keine Vorteile.

Welcher Lichtzyklus für Autoflowers? #

Autoflowers vertragen lange Lichtphasen. In der Praxis haben sich drei Varianten durchgesetzt:

LichtzyklusVorteilNachteil
18/6bewährter Kompromiss, Pflanze hat eine Ruhephaseetwas weniger Lichtmenge pro Tag
20/4höhere Tageslichtmenge bei moderater Intensitäthöherer Stromverbrauch
24/0maximale Lichtmengeumstritten, keine Dunkelphase, höchster Verbrauch

Die meisten Grower nutzen 18/6 oder 20/4. Ob eine Dauerbeleuchtung mit 24/0 der Pflanze schadet, ist umstritten. Es gibt Hinweise, dass Pflanzen von einer Dunkelphase profitieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt bei 18/6 oder 20/4.

Lichtmenge verstehen: PPFD und DLI #

Die entscheidende Größe ist nicht die Wattzahl der Lampe, sondern die Lichtmenge, die auf den Pflanzen ankommt. Sie wird als PPFD in µmol/m²/s gemessen. Multipliziert man die PPFD mit der Beleuchtungsdauer, erhält man die Tageslichtmenge, den DLI in mol/m²/Tag.

Das ist bei Autoflowers besonders wichtig: Bei 20 statt 18 Stunden Licht kannst du die Intensität etwas niedriger ansetzen und kommst trotzdem auf dieselbe Tageslichtmenge. Das senkt das Risiko von Lichtstress.

Faustformel: DLI = PPFD × Lichtstunden × 0,0036

Der Wochenplan #

Die folgenden Werte sind Richtwerte für einen Autoflower-Grow mit etwa 10 Wochen Laufzeit bei 18/6 oder 20/4. Schnellere Sorten durchlaufen die Phasen entsprechend früher.

WochePhasePPFD (Richtwert)DLI bei 18 h
1Keimling150 bis 250 µmol/m²/setwa 10 bis 16
2Sämling250 bis 350 µmol/m²/setwa 16 bis 23
3 bis 4Wachstum, erste Vorblüte350 bis 550 µmol/m²/setwa 23 bis 36
5 bis 6Übergang und Stretch550 bis 750 µmol/m²/setwa 36 bis 49
7 bis 9Hauptblüte700 bis 900 µmol/m²/setwa 45 bis 58
10 und danachReife600 bis 800 µmol/m²/setwa 39 bis 52

Werte über etwa 900 µmol/m²/s bringen ohne zusätzliches CO₂ in der Regel keinen weiteren Nutzen und erhöhen das Risiko für ausgebleichte Spitzen. In einer normalen Wohnraumumgebung ist das die sinnvolle Obergrenze.

LED-Abstand für Autoflowers #

Der richtige Abstand hängt von der Lampe ab. Der Hersteller gibt ihn oft für verschiedene Phasen an. Die folgenden Werte sind grobe Richtwerte für moderne Vollspektrum-LEDs mittlerer Leistung:

PhaseAbstand zur PflanzenspitzeDimmung
Keimling50 bis 70 cm25 bis 40 %
Wachstum40 bis 60 cm50 bis 75 %
Blüte30 bis 45 cm75 bis 100 %

Da Autoflowers in der Blüte noch strecken, prüfst du den Abstand in den Wochen 4 bis 6 alle zwei bis drei Tage. Eine dimmbare Lampe ist dabei ein großer Vorteil: Du kannst die Lampe höher hängen und die Intensität über den Dimmer steuern, statt ständig die Aufhängung zu verändern.

Licht in der Blüte: Mehr ist nicht immer besser #

Mit Einsetzen der Blüte steigt der Lichtbedarf deutlich. Viele Anfänger reduzieren das Licht aus Sorge vor Stress – das kostet Ertrag. Umgekehrt führt ein zu schneller Sprung auf volle Leistung zu Lichtstress. Steigere die Intensität deshalb über eine bis zwei Wochen.

In den letzten ein bis zwei Wochen vor der Ernte kann eine leichte Reduktion der Intensität sinnvoll sein, weil die Pflanze langsamer arbeitet. Ob das Qualität oder Ertrag messbar verändert, ist nicht eindeutig belegt.

UV-Licht bei Autoflowers #

UV-Licht, meist UV-A und in Spezialleuchten auch UV-B, wird häufig mit höherer Harzproduktion in Verbindung gebracht. Die Studienlage dazu ist uneinheitlich: Einige Untersuchungen zeigen Effekte auf Inhaltsstoffe, andere nicht. Klar ist dagegen, dass UV-B die Pflanze stresst und in zu hoher Dosis schadet.

Wenn du UV einsetzt, dann nur in der Blüte, für wenige Stunden in der Mitte der Lichtphase und mit ausreichendem Abstand. Mehr zu UV und Infrarot erklärt der Ratgeber LED-Growlampen mit UV und IR.

Häufige Fragen #

Wie viele Stunden Licht brauchen Autoflowers?

Als Richtwert 18 bis 20 Stunden pro Tag, von der Keimung bis zur Ernte. Weniger als 16 Stunden verringert die Tageslichtmenge unnötig.

Muss ich bei Autoflowers auf 12/12 umstellen?

Nein. Autoflowers blühen altersabhängig. Eine Umstellung auf 12/12 reduziert nur die Lichtmenge und damit den Ertrag.

Welcher LED-Abstand ist für Autoflowers in der Blüte richtig?

Das hängt von der Lampe ab. Als grobe Orientierung gelten bei modernen LEDs mittlerer Leistung 30 bis 45 Zentimeter bei voller Leistung. Entscheidend ist, dass die PPFD an den Spitzen etwa 700 bis 900 µmol/m²/s nicht übersteigt.

Können Autoflowers zu viel Licht bekommen?

Ja. Zu hohe Intensität zeigt sich durch ausgebleichte, gelbliche Spitzen und nach oben gewölbte Blattränder. Hänge die Lampe dann höher oder dimme sie.

Fazit #

Ein guter Autoflower-Lichtplan hält den Zyklus konstant bei 18/6 oder 20/4 und steigert die Intensität von rund 200 µmol/m²/s bei Keimlingen bis auf 700 bis 900 µmol/m²/s in der Hauptblüte. Wer den Abstand während des Stretchs regelmäßig prüft und auf abrupte Sprünge verzichtet, nutzt die kurze Lebenszeit der Pflanze optimal.