Wer eine LED-Growlampe sucht, liest auf fast jeder Verpackung „Vollspektrum“ oder „Full Spectrum“. Daneben gibt es Lampen mit „Dual-Spektrum“ oder zwei getrennt schaltbaren Kanälen für Wachstum und Blüte. Die Begriffe sind nicht genormt und werden unterschiedlich verwendet. Hier erfährst du, was technisch dahintersteckt, und nach welchen Kriterien du entscheidest.

Was bedeutet Vollspektrum bei LED-Growlampen? #

Mit Vollspektrum ist gemeint, dass die Lampe Licht über den gesamten für Pflanzen wichtigen Bereich von etwa 400 bis 700 Nanometern abgibt, also Blau, Grün, Gelb, Orange und Rot, ähnlich wie Sonnenlicht, wenn auch mit anderer Gewichtung.

Technisch erreichen moderne Vollspektrum-LEDs das meist so:

  • Weiße LEDs als Basis. Sie bestehen aus einem blauen Chip mit Leuchtstoffbeschichtung, die einen Teil des Lichts in Grün, Gelb und Rot umwandelt.
  • Zusätzliche rote Dioden mit etwa 660 nm, weil Rot die Photosynthese besonders effizient antreibt und die Blüte unterstützt.
  • Optional Far-Red (um 730 nm) und UV-A, die das Spektrum über den klassischen PAR-Bereich hinaus ergänzen.

Das Licht wirkt für das Auge weiß bis leicht rosa-warm. Du kannst die Pflanzen darunter gut beurteilen, weil Blattfarben und Schädlinge natürlich erscheinen.

Was bedeutet Dual-Spektrum? #

„Dual-Spektrum“ wird im Handel für zwei verschiedene Dinge verwendet:

  1. Zwei getrennt steuerbare Kanäle

    Die Lampe hat einen Kanal für Wachstum, meist mit mehr Blauanteil, und einen für Blüte, meist mit mehr Rot. Du schaltest oder dimmst sie je nach Phase. Oft heißt das auch „Veg/Bloom-Schalter“.

  2. Ältere Blau-Rot-LEDs

    Lampen, die fast nur aus blauen und roten Dioden bestehen. Sie leuchten violett-pink und decken nur zwei schmale Bereiche ab.

Die zweite Variante gilt heute als veraltet. Sie ist weniger effizient als moderne weiße LEDs mit Rot-Ergänzung, erschwert die Beurteilung der Pflanzen, und ihr fehlt der Grünanteil, der tiefer ins Blätterdach dringt.

Die erste Variante ist dagegen eine sinnvolle Funktion, wenn sie auf einem Vollspektrum-Grundlicht aufbaut.

Vergleich auf einen Blick #

KriteriumVollspektrum (weiß + Rot)Dual-Spektrum mit KanälenKlassisch Blau-Rot
Lichtfarbeweiß, leicht warmweiß, je nach Kanal kühler oder wärmerviolett-pink
Eignung Wachstum und Blütebeide Phasenbeide Phasen, gezielt anpassbareingeschränkt
Effizienzhoch bei aktuellen Diodenhoch, wenn Vollspektrum-Basismeist niedriger
Pflanzenbeurteilungsehr gutsehr gutschwierig
Bedienungeinfachetwas mehr Einstellungeneinfach
EmpfehlungStandard für Einsteigerfür Grower, die experimentieren wollennicht mehr empfehlenswert

Wie wirkt das Spektrum auf die Pflanze? #

Die Unterschiede zwischen guten Spektren sind kleiner, als Werbung vermuten lässt. Entscheidend ist vor allem, wie viel Licht ankommt. Trotzdem hat die Zusammensetzung Einfluss:

  • Blau (400–500 nm) fördert kompakten Wuchs, kurze Internodien und kräftige Blätter.
  • Grün (500–600 nm) dringt tiefer ins Blätterdach und erreicht untere Blätter.
  • Rot (600–700 nm) treibt die Photosynthese effizient an und unterstützt Streckung und Blüte.
  • Far-Red (700–750 nm) beeinflusst Streckung und Blühverhalten. Ob gezielte Far-Red-Gaben im Heimgrow einen spürbaren Vorteil bringen, ist unter Growern umstritten.
  • UV-A wird mit Stressreaktionen und möglicherweise höherer Harzbildung in Verbindung gebracht. Die Datenlage dazu ist nicht eindeutig.

Wer tiefer einsteigen will, findet mehr im Ratgeber LED-Spektrum im Detail und im Beitrag LED-Growlampen mit UV und IR.

Welche LED passt zu deinem Grow? #

Für die meisten Grower: Eine Vollspektrum-LED mit weißen Dioden und zusätzlichem Rot um 660 nm. Sie funktioniert von der Anzucht bis zur Ernte, ist einfach zu bedienen und effizient. Die Intensität passt du über den Dimmer an die Phase an.

Für Tüftler: Eine Lampe mit getrennt dimmbaren Kanälen, etwa Vollspektrum plus zuschaltbares Rot oder Far-Red. So kannst du in der Wachstumsphase kompakter wachsen lassen und in der Blüte mehr Rot geben. Der Mehrwert gegenüber einer guten Vollspektrum-Lampe ist im Eigenanbau überschaubar.

Nicht empfehlenswert: Reine Blau-Rot-Lampen ohne weißen Grundanteil und Lampen ohne Angaben zu PPF und Effizienz.

Wie viel Leistung brauchst du? #

Wichtiger als das Spektrum ist, dass die Lampe genug Licht für deine Fläche liefert. Als grober Richtwert für moderne, effiziente LEDs in der Blüte gelten etwa 250 bis 400 Watt tatsächliche Leistungsaufnahme pro Quadratmeter.

GrowboxRichtwert tatsächliche Leistung (Blüte)
60 × 60 cmetwa 90–150 W
80 × 80 cmetwa 160–250 W
100 × 100 cmetwa 250–400 W
120 × 120 cmetwa 360–580 W

Eine Vollspektrum-LED mit rund 400 Watt echter Leistung passt demnach gut zu 100 × 100 bis 120 × 120 cm. Achte darauf, ob die Wattangabe die tatsächliche Aufnahme ist oder ein „Äquivalent“ zu älteren Lampen. Die genaue Berechnung erklärt der Ratgeber LED-Watt für deine Growbox.

Häufige Fragen #

Ist Vollspektrum dasselbe wie Sonnenlicht?

Nein. Vollspektrum-LEDs decken den gleichen Wellenlängenbereich ab, gewichten ihn aber anders und enthalten meist deutlich weniger UV und Infrarot als die Sonne.

Brauche ich für die Blüte eine andere Lampe als für das Wachstum?

Nein. Eine gute Vollspektrum-LED reicht für beide Phasen. Die Anpassung erfolgt über Intensität und Lichtdauer, nicht über einen Lampenwechsel.

Ist ein Veg/Bloom-Schalter sinnvoll?

Er kann helfen, die Leistung und das Spektrum an die Phase anzupassen. Wenn die Lampe dimmbar ist und ein ausgewogenes Vollspektrum hat, ist ein zusätzlicher Schalter aber kein Muss.

Warum leuchten manche Grow-LEDs lila?

Das sind Lampen mit überwiegend blauen und roten Dioden. Diese Bauweise war früher verbreitet, gilt heute aber als weniger effizient und erschwert die Kontrolle der Pflanzen.