Ein Klimacontroller, oft auch Grow-Controller genannt, schaltet Abluft, Umluft, Befeuchter, Entfeuchter oder Heizung abhängig von Messwerten. Die Hardware ist schnell angeschlossen. Schwieriger ist die Frage, welche Regeln du ihm gibst. Schlecht gewählte Schwellen lassen Lüfter ständig an- und ausgehen, Befeuchter und Abluft arbeiten gegeneinander, und nachts kühlt die Box zu stark aus. Dieser Leitfaden erklärt die Regellogik, mit der du jeden Controller sinnvoll programmierst. Die konkrete Bedienung am Gerät Schritt für Schritt zeigt die Anleitung zum Klimacontroller-Programmieren.

Welche Arten von Grow-Controllern gibt es? #

TypArbeitsweiseGeeignet für
Thermostat oder Hygrostatschaltet ein Gerät bei einem Grenzwert ein oder auseinfache Setups mit einem Problemwert
Lüfter-Drehzahlregler mit Sensorregelt die Abluft stufenlos nach Temperatur und oft auch Feuchtedie meisten Growboxen
All-in-one-Grow-Controllermehrere Ausgänge, Tag-Nacht-Profile, teils VPD-RegelungSetups mit Befeuchter, Heizung und Licht
Smart Home oder Eigenbaufrei programmierbare Regeln, zum Beispiel mit Home Assistant oder ESP32Bastler, mehrere Boxen, eigene Logik

Das Prinzip ist bei allen gleich: Ein Sensor misst, der Controller vergleicht mit einem Sollwert und schaltet einen Ausgang. Der Unterschied liegt darin, wie fein und wie flexibel das geschieht.

Grundbegriff 1: Sollwert und Hysterese #

Der Sollwert ist der Wert, den du erreichen willst, etwa 26 °C. Würde der Controller exakt bei 26,0 °C schalten, liefe der Lüfter im Sekundentakt an und aus. Deshalb gibt es die Hysterese: einen Abstand zwischen Ein- und Ausschaltpunkt.

Beispiel: Sollwert 26 °C, Hysterese 1 °C. Der Lüfter schaltet bei 26 °C auf volle Leistung und erst bei 25 °C wieder zurück. Als Richtwert für die Growbox bewähren sich:

  • Temperatur: 1 bis 2 °C Hysterese
  • Relative Luftfeuchte: 3 bis 5 % Hysterese
  • Minimale Laufzeit: 1 bis 3 Minuten für Befeuchter und Heizungen, damit sie nicht takten

Zu kleine Hysteresen verschleißen Relais und Geräte, zu große lassen das Klima stark schwanken.

Grundbegriff 2: Stufenlose Regelung statt An/Aus #

Bei der Abluft ist ein reines An/Aus-Schalten ungünstig. Besser ist eine proportionale Regelung: Der Lüfter läuft auf einer Grunddrehzahl und wird schneller, je weiter die Temperatur über dem Sollwert liegt. So bleibt der Unterdruck in der Box erhalten, und der Geruchsfilter arbeitet ständig.

Wichtige Einstellungen dafür:

  • Minimale Drehzahl: Sie muss hoch genug sein, damit die Box immer leicht eingezogen bleibt. Häufig liegt sie zwischen 30 und 50 % der Maximalleistung.
  • Maximale Drehzahl: Begrenzt Lautstärke und verhindert, dass bei kalter Außenluft zu stark abgekühlt wird.
  • Regelbereich: Die Spanne, über die der Lüfter von minimal auf maximal hochfährt, etwa 2 bis 3 °C über dem Sollwert.

Controller mit PID-Regelung gehen noch einen Schritt weiter und berücksichtigen, wie schnell sich ein Wert ändert. Das Prinzip erklärt der Beitrag zum PID-Controller.

Grundbegriff 3: Prioritäten festlegen #

Temperatur und Luftfeuchte hängen zusammen. Mehr Abluft senkt die Temperatur, meist aber auch die Luftfeuchte. Ein Befeuchter hebt die Feuchte, während die Abluft sie gleich wieder hinausbefördert. Ohne klare Prioritäten arbeiten die Geräte gegeneinander.

Eine bewährte Reihenfolge:

  1. Sicherheit zuerst

    Übertemperatur (etwa über 32 °C) hat immer Vorrang. Dann läuft die Abluft voll, egal was die Feuchte sagt.

  2. Temperatur vor Feuchte

    Innerhalb des Normalbereichs regelt die Abluft primär nach Temperatur.

  3. Feuchte mit eigenen Geräten korrigieren

    Befeuchter oder Entfeuchter gleichen die Luftfeuchte aus, statt dass die Abluft dafür missbraucht wird.

  4. Befeuchter nicht gegen Maximalabluft laufen lassen

    Viele Controller erlauben eine Sperre, damit der Befeuchter bei voller Abluft pausiert.

Tag-Nacht-Profile #

Nachts produziert die Lampe keine Wärme mehr, die Temperatur fällt, und die relative Luftfeuchte steigt. Ein gutes Profil trägt dem Rechnung:

PhaseTemperatur tagsTemperatur nachtsLuftfeuchte tags
Sämlinge und Stecklinge22–26 °C20–22 °C65–75 %
Vegetative Phase22–28 °C18–22 °C55–70 %
Blüte, Woche 1–520–26 °C18–22 °C45–55 %
Späte Blüte20–24 °C16–20 °C40–50 %

Die Werte sind Richtwerte; Sorte, Lampe und Raumklima verschieben sie etwas. Achte vor allem darauf, dass die Nacht nicht mehr als etwa 5 bis 8 °C kühler ist als der Tag, sonst steigt das Risiko für Kondenswasser und Schimmel.

Die Umschaltung zwischen Tag- und Nachtprofil erfolgt entweder über eine Uhrzeit oder über einen Lichtsensor. Der Lichtsensor ist robuster, weil er auch dann richtig schaltet, wenn du die Zeitschaltuhr änderst.

Nach VPD statt nach Luftfeuchte regeln #

Einige Controller regeln nicht mehr nach relativer Luftfeuchte, sondern nach Dampfdruckdefizit. Das VPD verbindet Temperatur und Feuchte zu einem Wert, der beschreibt, wie stark die Pflanze transpiriert. Der Vorteil: Der Controller passt die Feuchte automatisch an die Temperatur an. Zielbereiche liegen grob bei 0,8 bis 1,2 kPa in der Wachstumsphase und 1,0 bis 1,5 kPa in der Blüte. Was dabei zu beachten ist, zeigt der Beitrag zur VPD-gesteuerten Klimaautomatik; den Begriff selbst erklärt der Lexikoneintrag VPD.

Sensorplatzierung entscheidet über die Regelung #

Ein Controller regelt immer nur den Wert, den sein Sensor misst. Liegt der Sensor direkt unter der Lampe, misst er zu hohe Temperaturen; hängt er in der Abluftöffnung, misst er die Abluft statt des Pflanzenklimas.

  • Platziere den Sensor auf Höhe der Pflanzenspitzen, aber außerhalb des direkten Lichts.
  • Führe ihn mit dem Wachstum der Pflanzen nach oben mit.
  • Halte Abstand zu Befeuchter und Heizung, damit er nicht nur deren Nahfeld misst.
  • Prüfe den Sensor gelegentlich mit einem zweiten Hygrometer.

Programmierung testen #

Ein neues Regelwerk solltest du nicht ungeprüft in die Blüte übernehmen. Beobachte zwei bis drei Tage lang die Kurven, sofern dein Controller Daten aufzeichnet:

  • Taktet ein Gerät häufiger als alle paar Minuten, vergrößere die Hysterese.
  • Pendelt die Temperatur stark, verkleinere den Regelbereich oder erhöhe die Minimaldrehzahl.
  • Steigt die Feuchte nach dem Lichtausschalten sprunghaft an, braucht die Nacht mehr Abluft oder einen Entfeuchter.

Häufige Fragen #

Was ist der Unterschied zwischen Klimacontroller und Grow-Controller?

Meist nichts. Beide Begriffe beschreiben Geräte, die Klimatechnik nach Messwerten steuern. Manche Grow-Controller übernehmen zusätzlich Licht, Bewässerung oder CO2.

Brauche ich einen Klimacontroller in einer kleinen Growbox?

Nicht zwingend. In kleinen Boxen reicht oft ein temperaturgesteuerter Lüfterregler. Sobald du einen Befeuchter oder eine Heizung betreibst, lohnt sich ein Controller, der die Geräte aufeinander abstimmt.

Welche Hysterese ist für die Luftfeuchte sinnvoll?

Als Richtwert 3 bis 5 % relative Luftfeuchte. Befeuchter und Entfeuchter sollten zusätzlich eine Mindestlaufzeit haben, damit sie nicht im Minutentakt schalten.

Warum läuft mein Befeuchter ständig, obwohl die Luftfeuchte nicht steigt?

Meist saugt die Abluft die feuchte Luft direkt wieder ab. Senke die Abluftdrehzahl innerhalb des sicheren Temperaturbereichs, stelle den Befeuchter weiter weg von der Abluftöffnung auf oder richte eine Sperre ein, die den Befeuchter bei hoher Lüfterleistung pausiert.