Im Gewächshaus hast du es mit zwei gegensätzlichen Problemen zu tun: Im Hochsommer staut sich die Hitze, im Frühjahr und Herbst ist das Licht knapp. Schattiernetze und Reflektoren sind die einfachsten Werkzeuge, um beides zu steuern. Richtig eingesetzt, senken sie die Temperatur und verteilen Licht besser, falsch eingesetzt, kosten sie Ertrag.

Wozu Schattierung bei Cannabis? #

Cannabis ist eine lichthungrige Pflanze und verträgt direkte Sonne in Mitteleuropa grundsätzlich gut. An klaren Sommertagen erreicht die Sonne um die Mittagszeit etwa 1500 bis 2000 µmol/m²/s, das ist mehr, als die Pflanze ohne zusätzliches CO2 vollständig nutzen kann. Das eigentliche Problem ist aber meist nicht das Licht, sondern die Wärme: Unter Glas oder Folie steigen die Temperaturen schnell über 35 °C, wenn die Lüftung nicht nachkommt.

Schattierung ist also vor allem ein Klimawerkzeug. Sinnvoll ist sie, wenn:

  • die Temperatur im Gewächshaus trotz voller Lüftung regelmäßig über etwa 30 bis 32 °C steigt,
  • Blätter sich zur Mittagszeit nach oben einrollen oder an der Spitze ausbleichen,
  • junge Pflanzen oder frisch umgesetzte Stecklinge an die volle Sonne gewöhnt werden müssen.

Die Grundlagen der Lüftung, die immer vor der Schattierung kommt, beschreibt der Ratgeber Gewächshaus Klimakontrolle.

Schattiergrad: Wie viel ist genug? #

Schattiernetze werden nach dem Anteil des Lichts eingeteilt, den sie zurückhalten. Für Cannabis gilt: lieber zu wenig als zu viel.

SchattiergradEinsatz (Richtwert)
20 bis 30 %Hitzespitzen im Hochsommer abmildern, Standardwahl für Cannabis
30 bis 50 %sehr heiße Lagen, Gewächshäuser mit schwacher Lüftung, Abhärten junger Pflanzen
über 50 %für Cannabis in der Regel zu viel, nur kurzfristig
100 % (Verdunkelung)kein Schattieren, sondern Light Deprivation zur Blütesteuerung

Jeder Prozentpunkt weniger Licht bedeutet in der Blüte potenziell weniger Ertrag. Deshalb lohnt es sich, Netze nur in den heißen Wochen zu nutzen oder beweglich zu montieren, sodass sie bei bewölktem Himmel geöffnet werden können.

Netzfarben und Materialien #

  • Weiß oder hellgrau: Streut das Licht, statt es nur abzuhalten. Die Pflanzen werden gleichmäßiger ausgeleuchtet, und die Hitze sinkt spürbar. Für Cannabis meist die beste Wahl.
  • Aluminisiert (reflektierend): Reflektiert einen Teil der Sonnenstrahlung nach außen und hält dadurch besonders viel Wärme fern. Diese Netze dienen oft auch als Energieschirm in kalten Nächten.
  • Schwarz: Robust und haltbar, nimmt aber selbst Wärme auf. Innen montiert heizt es das Gewächshaus zusätzlich auf.
  • Grün: Vor allem optische Wahl, schattiert ähnlich wie Schwarz.

Eine Alternative zu Netzen ist Schattierfarbe, meist auf Kreidebasis, die außen auf das Glas aufgetragen wird. Sie ist einfach aufzutragen, hält den Sommer über und wird im Herbst abgewaschen, lässt sich aber nicht wetterabhängig anpassen.

Innen oder außen montieren? #

Außen montierte Netze halten die Strahlung ab, bevor sie das Gewächshaus erreicht. Das ist deutlich wirksamer gegen Hitze. Nachteil: Wind, Regen und Schnee belasten Netz und Befestigung.

Innen montierte Netze sind leichter zu handhaben und lassen sich einfacher auf- und zuziehen. Die Wärme ist dann aber schon im Gewächshaus. Sie eignen sich besser als Lichtstreuung, als Energieschirm für die Nacht oder in Kombination mit einer starken Firstlüftung.

Wichtig in beiden Fällen: Das Netz darf die Lüftungsöffnungen nicht blockieren, und zwischen Netz und Pflanzenspitzen sollte ausreichend Abstand bleiben, damit sich darunter keine Wärmeglocke bildet.

Reflektoren: mehr Licht aus derselben Sonne #

Reflektoren arbeiten in die entgegengesetzte Richtung. Sie werfen Licht, das sonst verloren ginge, zurück auf die Pflanzen. Besonders profitieren die unteren und inneren Pflanzenteile, die bei dichten Beständen im Schatten liegen.

Typische Einsatzorte:

  • Bodenfolie: Eine weiße oder silberne Folie auf dem Boden reflektiert Licht von unten in das Blätterdach. Sie hält außerdem das Unkraut klein und erleichtert die Kontrolle auf Schädlinge.
  • Nordwand: Eine weiße Fläche oder reflektierende Folie an der sonnenabgewandten Seite lenkt Licht zurück auf die Pflanzen.
  • Zusatzbeleuchtung: Reflektierende Seitenflächen erhöhen die Ausbeute von Zusatzlampen im Frühjahr und Herbst.

Matt-weiße Flächen streuen das Licht gleichmäßig und erzeugen keine Brennpunkte. Stark spiegelnde Folien reflektieren etwas mehr, können aber bei ungünstigem Winkel gebündeltes Licht und damit heiße Stellen erzeugen. Knitterfreie, matte Materialien sind im Gewächshaus meist die sicherere Wahl.

Saisonale Strategie #

JahreszeitSchattierungReflektoren
Frühjahrkeine, jedes Licht zähltBodenfolie und helle Nordwand
Hochsommer20 bis 30 %, bei Bedarf beweglichBodenfolie, auf Hitze an Reflexflächen achten
Spätsommer, Blütenur an HitzetagenBodenfolie für untere Blüten
Herbstabbauen oder abwaschenReflexion maximieren, nachts Energieschirm

Wie viel Licht über den Tag insgesamt ankommt, beschreibt der DLI. Im Frühjahr und Herbst liegt er im Gewächshaus oft unter dem Bedarf blühender Pflanzen; jede zusätzliche Reflexion hilft dann.

Typische Fehler #

  • Zu dunkel schattiert: Netze mit 50 % und mehr in der Blüte kosten deutlich Ertrag und machen Blüten lockerer.
  • Netz bleibt zu lange: Ab Ende August nimmt die Sonnenenergie ab, fest montierte Netze bremsen die Pflanzen dann unnötig.
  • Lüftung vergessen: Schattierung ersetzt keine Lüftung. Ohne Luftaustausch bleibt es auch im Schatten heiß und feucht.
  • Spiegelnde Folie mit Falten: Kann Licht bündeln und Blätter punktuell verbrennen.
  • Verdunkelung mit Schattierung verwechselt: Für Light Deprivation brauchst du vollständig lichtdichtes Material; siehe Lichtdeprivation im Gewächshaus.

Häufige Fragen #

Welches Schattiernetz eignet sich für Cannabis?

Ein weißes oder aluminisiertes Netz mit etwa 20 bis 30 % Schattiergrad ist für die meisten Gewächshäuser ein guter Kompromiss. Es senkt Hitzespitzen, ohne zu viel Licht wegzunehmen.

Brauche ich im Gewächshaus überhaupt ein Schattiernetz?

Nicht zwingend. Wenn deine Lüftung die Temperatur auch an heißen Tagen unter etwa 30 °C hält, kommen die Pflanzen ohne Netz aus. In kleinen Gewächshäusern mit wenig Lüftungsfläche ist es im Hochsommer aber oft nötig.

Lohnt sich eine reflektierende Bodenfolie?

In dichten Beständen und im Frühjahr und Herbst ja. Die unteren Blüten bekommen mehr Licht, und der Boden bleibt sauber. Im Hochsommer auf mögliche Wärmeentwicklung achten.

Wirkt das Gewächshausmaterial selbst schon schattierend?

Ja. Doppelstegplatten und ältere Folien lassen weniger Licht durch als klares Glas und streuen es. Welche Materialien sich unterscheiden, zeigt der Vergleich Gewächshaus-Typen: Glas, Folie oder Polycarbonat.