Wer in Hydroponik, DWC oder Steinwollmatten growen will, startet am besten gleich in Steinwolle. Der Keimling wächst in einem sauberen, inerten Medium auf und wird später mitsamt Würfel umgesetzt, ohne dass die empfindlichen Wurzeln gestört werden. Damit das klappt, musst du zwei Eigenheiten der Steinwolle kennen: ihren hohen Ausgangs-pH und ihre Neigung, zu nass zu bleiben.

Warum Steinwolle für die Keimung? #

Steinwolle wird aus geschmolzenem Gestein zu feinen Fasern gesponnen. Das Material ist steril, speichert viel Wasser und hält trotzdem genug Luft für die Wurzeln. Es enthält keine Nährstoffe, sodass du die Versorgung vollständig selbst steuerst.

EigenschaftBedeutung für die Keimung
sterilkaum Keime oder Pilzsporen, geringes Risiko für Umfallkrankheit
hohe WasserspeicherungSamen bleibt gleichmäßig feucht
gute StrukturWurzeln wachsen direkt ins Medium und später in den Block
hoher Ausgangs-pHmuss vor dem Einsatz eingestellt werden
nährstofffreiab dem ersten echten Blattpaar ist eine schwache Nährlösung nötig

Für Erde- oder Kokos-Grows gibt es bessere Startmedien. Einen Vergleich aller Varianten findest du im Ratgeber Cannabis-Samen keimen lassen: Die besten Methoden.

Was du brauchst #

  • Steinwoll-Anzuchtwürfel, typischerweise 2,5 bis 4 cm Kantenlänge
  • Ein Gefäß zum Einweichen und Wasser mit bekanntem pH-Wert
  • pH-Meter und pH-Minus
  • Eine Anzuchtschale mit transparenter Haube
  • Handschuhe, denn die Fasern können die Haut reizen
  • Eine Wärmequelle oder einen Raum mit stabil 22 bis 26 °C
  • Optional: Wurzelstimulator in geringer Dosierung

Schritt für Schritt: Samen in Steinwolle keimen #

  1. Wasser vorbereiten

    Stelle Leitungs- oder Osmosewasser auf pH 5,5 ein. Der EC-Wert sollte niedrig sein, als Richtwert unter 0,4 mS/cm, denn Keimlinge brauchen noch keine Nährstoffe.

  2. Würfel einweichen

    Lege die Würfel für mehrere Stunden, am besten über Nacht, in das eingestellte Wasser. So sinkt ihr Ausgangs-pH, der ab Werk meist deutlich über 7 liegt.

  3. Überschüssiges Wasser abtropfen lassen

    Nimm die Würfel heraus und schüttle sie leicht aus. Nicht auswringen, sonst zerstörst du die Faserstruktur. Der Würfel soll durchfeuchtet, aber nicht tropfnass sein.

  4. Pflanzloch prüfen

    Die meisten Würfel haben ein vorgestanztes Loch. Ist es tiefer als 1 cm, drücke etwas Steinwolle vom Rand hinein, damit der Samen nicht zu tief liegt.

  5. Samen einsetzen

    Lege den Samen 0,5 bis 1 cm tief ins Loch. Hat er bereits eine Keimwurzel, zeigt die Wurzel nach unten. Schließe das Loch locker mit etwas Steinwolle, ohne zu pressen.

  6. Unter die Haube stellen

    Stelle die Würfel in die Anzuchtschale und setze die Haube auf. Ziel ist eine Luftfeuchte von etwa 70 bis 90 % bei 22 bis 26 °C.

  7. Keimling ans Licht bringen

    Sobald sich der Keimling zeigt, meist nach 2 bis 7 Tagen, braucht er sanftes Licht. Als Richtwert genügen 100 bis 250 µmol/m²/s bei 18 Stunden Licht pro Tag.

Feuchtigkeit richtig halten #

Der häufigste Fehler bei Steinwolle ist zu viel Wasser. Ein gesättigter Würfel enthält kaum noch Luft, und der Samen beginnt zu faulen, bevor er keimt.

  • Gewicht prüfen: Heb die Würfel an. Fühlen sie sich deutlich leichter an als direkt nach dem Einweichen, gieße von unten etwas Wasser mit pH 5,5 nach.
  • Von unten wässern: Gib ein wenig Wasser in die Schale, lass es einige Minuten aufsaugen und kippe den Rest ab. So bleibt die Oberfläche luftig.
  • Nicht in Wasser stehen lassen: Stehendes Wasser in der Schale verstopft die Poren und fördert Algen und Pilze.
  • Haube schrittweise öffnen: Ab dem ersten Blattpaar öffnest du die Lüftungsschlitze, damit die Keimlinge sich an die normale Raumluft gewöhnen.
  • Oberfläche abdecken: Eine Abdeckung aus Folie oder Deckeln um den Stamm verhindert Algenbildung auf der hellen Würfeloberfläche.

Ab wann düngen? #

Die Keimblätter versorgen den Keimling in den ersten Tagen. Sobald das erste echte Blattpaar voll ausgebildet ist, kannst du mit einer schwachen Nährlösung beginnen. Als Richtwert gelten 0,4 bis 0,8 mS/cm bei pH 5,5 bis 6,0. Steigere langsam, je nach Wachstum und Farbe der Blätter. Die Grundlagen zum Leitwert erklärt unser Lexikonbeitrag Was bedeutet EC beim Grow?.

Umsetzen in Block oder System #

Umsetzen ist fällig, wenn die ersten weißen Wurzeln an der Unter- oder Seitenseite des Würfels austreten. Je nach Temperatur ist das etwa 7 bis 14 Tage nach der Keimung der Fall.

  1. Zielmedium vorbereiten

    Einen größeren Steinwollblock oder den Netztopf mit Blähton genauso auf pH 5,5 einstellen wie die Würfel.

  2. Würfel einsetzen

    Den ganzen Würfel in die passende Aussparung setzen. Nicht an den Wurzeln ziehen.

  3. Anbinden an das System

    Im DWC sollte der Wasserspiegel anfangs knapp unter dem Netztopf stehen, damit die Wurzeln das Wasser erreichen, ohne dass der Würfel dauerhaft darin steht.

Dieselben Grundregeln gelten übrigens auch für Klone. Wie du Stecklinge in Steinwolle bewurzelst, liest du in unserer eigenen Anleitung.

Typische Fehler #

  • Würfel nicht eingeweicht: Der hohe Ausgangs-pH hemmt die ersten Wurzeln.
  • Samen zu tief gesetzt: Mehr als 1 bis 1,5 cm kostet den Keimling unnötig Kraft.
  • Dauerhaft nass: Führt zu Fäulnis und Umfallkrankheit.
  • Zu kalt: Unter 20 °C keimen viele Samen deutlich langsamer oder gar nicht.
  • Zu starkes Licht: Keimlinge unter voller Lampenleistung vergilben oder verbrennen.

Häufige Fragen #

Muss ich Steinwolle vor der Keimung wirklich einweichen?

Ja. Neue Steinwolle hat meist einen pH-Wert über 7. Durch das Einweichen in Wasser mit pH 5,5 sinkt er in einen Bereich, in dem Wurzeln gut wachsen.

Wie lange dauert die Keimung in Steinwolle?

Meist 2 bis 7 Tage bis zum Durchbruch an die Oberfläche. Ältere Samen oder niedrige Temperaturen können die Keimung verzögern.

Kann ich Samen direkt in Steinwolle legen oder erst in Wasser?

Beides funktioniert. Direkt eingesetzte Samen werden nicht bewegt, vorgequollene Samen keimen oft etwas schneller. Wichtig ist, gekeimte Samen vorsichtig und mit der Wurzel nach unten einzusetzen.

Eignet sich Steinwolle auch für den Start in Erde?

Möglich, aber nicht ideal. Steinwolle und Erde halten Wasser unterschiedlich, der Würfel bleibt im Topf oft zu nass. Für Erde-Grows sind Anzuchterde oder Quelltöpfe die bessere Wahl.