Steinwolle ist steril, speichert viel Wasser und bietet trotzdem ausreichend Luft für junge Wurzeln. Deshalb ist sie ein beliebtes Medium für Stecklinge, auch wenn die Pflanzen später in Erde oder Coco weiterwachsen. Der Knackpunkt ist die Vorbereitung: Unbehandelte Steinwolle hat einen zu hohen pH-Wert und ist schnell zu nass. Diese Anleitung zeigt dir den ganzen Ablauf vom Würfel bis zum bewurzelten Klon. Wie Steinwolle im Vergleich zu Wasser, Coco oder Erde abschneidet, erklärt der Ratgeber Stecklinge bewurzeln: Methoden im Vergleich.
Im legalen Eigenanbau gilt eine Obergrenze von drei Pflanzen je Erwachsenem. Plane die Zahl deiner Stecklinge so, dass du in diesem Rahmen bleibst, und schneide nur so viele, wie du tatsächlich weiterziehen willst.
Was du brauchst #
- Steinwollwürfel für Stecklinge, üblich sind etwa 2,5 × 2,5 cm bis 4 × 4 cm
- Propagator (Anzuchtgewächshaus) mit Deckel und verstellbaren Lüftungsschiebern
- Wasser, pH-Down und ein kalibriertes pH-Meter
- Scharfes, desinfiziertes Skalpell oder Rasierklinge
- Bewurzelungsgel oder -pulver
- Sprühflasche
- Schwache Lichtquelle, zum Beispiel eine Anzucht-LED
- Optional eine Heizmatte mit Thermostat
Schritt 1: Steinwolle vorbereiten #
Neue Steinwolle hat oft einen pH-Wert um 7 bis 8, für Stecklinge ist das zu hoch.
Einweichwasser ansetzen
Wasser auf etwa pH 5,5 einstellen. Ein sehr schwacher Anteil Dünger oder Bewurzelungszusatz ist möglich, aber kein Muss.
Würfel einweichen
Die Würfel für mindestens 1 bis 2 Stunden, besser über Nacht, vollständig untertauchen.
Überschüssiges Wasser abschütteln
Würfel herausnehmen und kräftig abschütteln oder leicht ausdrücken, ohne die Struktur zu zerstören. Sie sollen feucht, aber nicht triefend nass sein.
In den Propagator stellen
Würfel mit etwas Abstand in die Schale setzen, damit Luft zirkulieren kann.
Die häufigste Ursache für faulende Stecklinge in Steinwolle ist zu viel Wasser. Ein gut vorbereiteter Würfel fühlt sich an wie ein ausgewrungener Schwamm.
Schritt 2: Steckling schneiden #
Wähle eine gesunde Mutterpflanze in der Wachstumsphase. Ideal sind kräftige Seitentriebe aus dem unteren und mittleren Bereich mit zwei bis drei Blattknoten.
Mutterpflanze vorbereiten
Einige Tage vorher nur noch schwach düngen. Stecklinge mit sehr hohem Stickstoffgehalt bewurzeln oft langsamer.
Trieb auswählen
10 bis 15 cm lang, mit festem Stängel und mindestens zwei Knoten.
Schnitt setzen
Etwa 1 cm unterhalb eines Knotens schräg in einem Winkel von rund 45° schneiden. Das vergrößert die Fläche für neue Wurzeln.
Sofort in Wasser stellen
Den Steckling direkt nach dem Schnitt in ein Glas mit Wasser stellen, damit keine Luft in die Leitungsbahnen gelangt.
Blätter reduzieren
Untere Blätter entfernen und große Fächerblätter um etwa die Hälfte kürzen. So verdunstet der Steckling weniger Wasser.
Die Schnitt-Technik im Detail zeigt die Anleitung: Cannabis-Stecklinge schneiden.
Schritt 3: Bewurzelungshormon und Stecken #
Bewurzelungsmittel enthalten meist Pflanzenhormone aus der Gruppe der Auxine oder pflanzliche Extrakte. Sie sind kein Muss, beschleunigen die Bewurzelung aber bei vielen Sorten und erhöhen die Erfolgsquote.
Stängel frisch anschneiden
Unmittelbar vor dem Stecken den Stängel nochmals knapp anschneiden.
Mittel auftragen
Die untersten 1 bis 2 cm in Gel oder Pulver tauchen. Nicht direkt in den Vorratsbehälter tauchen, sondern eine kleine Menge in einen Deckel geben.
In den Würfel stecken
Den Steckling 2 bis 3 cm tief in das vorgefertigte Loch des Würfels schieben. Ist das Loch zu weit, drücke die Steinwolle leicht an, damit der Stängel festen Kontakt hat.
Beschriften
Sorte und Datum notieren.
Schritt 4: Propagator einrichten #
Ohne Wurzeln kann der Steckling kaum Wasser aufnehmen. Hohe Luftfeuchte und sanftes Licht sind deshalb entscheidend.
| Parameter | Richtwert |
|---|---|
| Lufttemperatur | 22–26 °C |
| Temperatur im Würfel | 22–25 °C |
| Luftfeuchte im Propagator | 75–90 % rF in den ersten Tagen |
| Licht | etwa 100–200 µmol/m²/s |
| Lichtdauer | 18 Stunden, teils bis 24 Stunden |
| pH Gießwasser | etwa 5,5–6,0 |
- Deckel geschlossen halten in den ersten zwei bis drei Tagen, Lüftungsschieber fast zu.
- Einmal täglich lüften, damit frische Luft hineinkommt und sich kein Schimmel bildet.
- Blätter besprühen, wenn sie schlaff wirken, aber keine Staunässe im Würfel erzeugen.
- Schrittweise öffnen ab etwa Tag 5, damit sich die Stecklinge an niedrigere Luftfeuchte gewöhnen.
Welche Lampen sich für den Propagator eignen, erklärt der Beitrag Anzuchtlampen für Stecklinge und Sämlinge.
Gießen während der Bewurzelung #
Steinwolle hält lange feucht. Gieße erst nach, wenn der Würfel spürbar leichter geworden ist, in der Regel alle zwei bis vier Tage. Stelle den Würfel dazu kurz in eine flache Schale mit pH-korrigiertem Wasser oder gieße vorsichtig von oben. Überschüssiges Wasser in der Schale abgießen.
Wann sind die Stecklinge bewurzelt? #
Nach etwa 7 bis 14 Tagen erscheinen die ersten weißen Wurzelspitzen an der Unterseite oder an den Seiten des Würfels. Je nach Sorte und Bedingungen kann es auch drei Wochen dauern.
Umpflanzen kannst du, wenn mehrere kräftige Wurzeln aus dem Würfel wachsen. Setze den ganzen Würfel in das neue Substrat, ohne ihn zu zerteilen, und bedecke ihn leicht, damit er nicht austrocknet.
Typische Fehler #
- Würfel nicht pH-korrigiert: führt zu langsamem oder ausbleibendem Wurzelwachstum.
- Zu nass: Stängel wird braun und weich, der Steckling fault.
- Zu viel Licht: Blätter vergilben, der Steckling verbraucht Energie, statt Wurzeln zu bilden.
- Zu kalt im Wurzelbereich: Bewurzelung dauert deutlich länger.
- Deckel nie gelüftet: Schimmel und Fäulnis breiten sich aus.
Häufige Fragen #
Muss ich Steinwolle wirklich vorher einweichen?
Ja. Das Einweichen senkt den pH-Wert und sorgt für eine gleichmäßige Feuchtigkeit im ganzen Würfel. Trockene Stellen im Würfel nehmen später nur schwer Wasser auf.
Kann ich Stecklinge ohne Bewurzelungshormon ziehen?
Ja, besonders bei leicht bewurzelnden Sorten. Die Erfolgsquote ist ohne Mittel oft etwas niedriger, und die Bewurzelung dauert länger.
Warum werden meine Stecklinge gelb?
Leichtes Vergilben der unteren Blätter ist normal, weil der Steckling Nährstoffe aus den Blättern für die Wurzelbildung nutzt. Werden viele Blätter schnell gelb, sind Licht, Nässe oder Temperatur zu prüfen.
Kann ich Steinwolle-Stecklinge in Erde umpflanzen?
Ja. Setze den Würfel vollständig in die Erde und halte ihn in den ersten Tagen gleichmäßig feucht, weil Steinwolle und Erde unterschiedlich schnell abtrocknen.




