Stecklinge schneiden geht schnell, aber nur, wenn alles bereitsteht. Jede Minute, in der ein frisch geschnittener Trieb ohne Wasser herumliegt, senkt die Chance auf Wurzeln. Diese Checkliste ist so aufgebaut, dass du sie am Vortag und direkt am Arbeitsplatz Punkt für Punkt abarbeiten kannst. Warum die einzelnen Schritte wichtig sind, erklärt der Guide Cannabis-Stecklinge schneiden: Anleitung für Klone.

Mutterpflanze auswählen und vorbereiten #

  • Pflanze ist weiblich, gesund und frei von Schädlingen, Blattunterseiten mit der Lupe geprüft
  • Pflanze befindet sich in der Wachstumsphase unter 18/6, nicht in der Blüte
  • Pflanze ist photoperiodisch, keine Autoflower
  • Mindestens vier bis sechs Wochen alt, mit mehreren kräftigen Seitentrieben
  • Keine Mangelsymptome, keine gelben oder fleckigen Blätter
  • Stickstoffgabe einige Tage vorher leicht reduziert, als verbreitete Praxis
  • Am Vortag gegossen, damit die Triebe gut mit Wasser versorgt sind
  • Geeignete Triebe markiert: 10 bis 15 cm lang, mit zwei bis vier Nodien

Wie du eine Mutterpflanze dauerhaft in gutem Zustand hältst, zeigt die Checkliste: Mutterpflanze pflegen.

Werkzeug sterilisieren #

  • Frisches Skalpell oder neue Rasierklinge bereitgelegt, keine stumpfe Schere
  • Isopropylalkohol 70 % und saubere Tücher griffbereit
  • Klinge vor dem Start und zwischen verschiedenen Mutterpflanzen desinfiziert
  • Hände gewaschen oder Einweghandschuhe angezogen
  • Arbeitsfläche gereinigt und frei von Pflanzenresten
  • Schneidunterlage sauber, zum Beispiel ein abwischbares Brett

Medium vorbereiten #

  • Medium ausgewählt: Steinwolle, Anzuchterde, Kokos-Quelltabletten oder Schaumstoffwürfel
  • Steinwolle vorab eingeweicht und auf einen pH-Wert von etwa 5,5 bis 6,0 eingestellt
  • Anzuchterde leicht vorgedüngt oder ungedüngt, locker und gleichmäßig feucht, nicht nass
  • Quelltabletten vollständig aufgequollen und leicht ausgedrückt
  • Pflanzlöcher vorgebohrt, damit der Steckling beim Einsetzen nicht gequetscht wird
  • Medium auf Raumtemperatur, etwa 22 bis 24 °C

Die Arbeit mit Steinwolle beschreibt die Anleitung: Stecklinge in Steinwolle bewurzeln ausführlich.

Propagator bereitstellen #

  • Anzuchtbox mit transparenter Haube und verstellbaren Lüftungsschiebern gereinigt
  • Heizmatte mit Thermostat untergelegt, falls der Raum kühler als 20 °C ist
  • Thermo-Hygrometer im Propagator platziert
  • Luftfeuchte vorab auf 75 bis 90 % rF gebracht, zum Beispiel durch Wasser im Boden der Schale
  • Schwache Beleuchtung vorbereitet: Anzuchtlampe oder gedimmte LED mit etwa 100 bis 200 µmol/m²/s
  • Zeitschaltuhr auf 18/6 eingestellt
  • Sprühflasche mit sauberem, zimmerwarmem Wasser bereit

Am Arbeitsplatz #

  • Glas mit sauberem Wasser für frisch geschnittene Triebe bereit
  • Bewurzelungsgel oder -pulver geöffnet in einem kleinen Gefäß, nicht direkt aus der Packung
  • Etiketten und Stift zur Kennzeichnung nach Sorte und Datum
  • Schere zum Kürzen der Blätter
  • Gute Beleuchtung am Tisch, aber keine direkte Hitze

Beim Schneiden #

  • Schnitt schräg im Winkel von etwa 45 Grad, rund 1 cm unter einem Nodium
  • Trieb sofort ins Wasser stellen
  • Optional: unter Wasser ein zweites Mal nachschneiden
  • Blätter am unteren Nodium entfernen
  • Große Fächerblätter um ein Drittel bis zur Hälfte kürzen
  • Schnittende in Bewurzelungsmittel tauchen
  • Steckling in das vorbereitete Loch setzen, Medium leicht andrücken
  • Steckling beschriften und sofort in den Propagator stellen

Die ersten 14 Tage #

  • Tag 1 bis 3: Haube geschlossen lassen, einmal täglich kurz lüften, Blätter bei Bedarf besprühen
  • Tag 1 bis 3: Leicht hängende Blätter sind normal
  • Tag 4 bis 7: Lüftungsschieber schrittweise öffnen, Luftfeuchte langsam senken
  • Täglich auf Schimmel am Stängel und auf faulende Blätter prüfen, abgestorbene Blätter entfernen
  • Medium feucht, aber nie nass halten
  • Ab Tag 7: Unterseite von Steinwolle oder Quelltabletten auf Wurzelspitzen kontrollieren, ohne den Steckling herauszuziehen
  • Tag 7 bis 14: Erste Wurzeln sichtbar, Haube zunehmend offen lassen
  • Nach der Bewurzelung: Licht langsam steigern und schwach düngen
  • Umtopfen, sobald Wurzeln deutlich aus dem Medium wachsen

Typische Fehlerquellen im Überblick #

  • Zu warm: über 28 °C steigt das Fäulnisrisiko
  • Zu kalt: unter 20 °C verzögert sich die Bewurzelung deutlich
  • Zu nass: Stängel wird braun und weich
  • Zu trocken: Blätter vertrocknen, bevor Wurzeln entstehen
  • Zu viel Licht: Steckling verliert mehr Wasser, als er aufnehmen kann

Häufige Fragen #

Wie lange brauchen Stecklinge, bis sie Wurzeln bilden?

Als Richtwert 7 bis 14 Tage bei 22 bis 26 °C und hoher Luftfeuchte. Manche Sorten brauchen bis zu drei Wochen.

Welches Medium ist für Anfänger am einfachsten?

Steinwolle und Quelltabletten sind besonders einfach, weil sie gleichmäßig feucht bleiben und du die Wurzeln gut sehen kannst. Anzuchterde verzeiht ebenfalls viel, lässt aber keinen Blick auf die Wurzeln zu.

Kann ich Stecklinge ohne Propagator bewurzeln?

Ja, etwa mit einem umgedrehten, durchsichtigen Behälter oder einem Gefrierbeutel über dem Topf. Wichtig ist, dass die Luftfeuchte hoch bleibt und regelmäßig gelüftet wird.