Die ersten Wochen prägen die ganze Pflanze. Bekommen Sämlinge zu wenig Licht, strecken sie sich und kippen um. Bekommen sie zu viel, bleichen die Blätter aus und das Wachstum stockt. Stecklinge ohne Wurzeln sind noch empfindlicher. Eine passende Anzuchtlampe löst dieses Problem: Sie liefert sanftes, gleichmäßiges Licht und lässt sich nah an die Pflanzen bringen, ohne sie zu überfordern.

Wie viel Licht brauchen Jungpflanzen? #

Sämlinge und Stecklinge haben wenig Blattfläche und bei Stecklingen noch keine Wurzeln, die Wasser nachliefern könnten. Starkes Licht treibt die Verdunstung an und erzeugt Stress. Deshalb liegen die Richtwerte deutlich unter denen der Blüte.

PflanzenstadiumPPFD-RichtwertLichtdauer
Stecklinge ohne Wurzeln75–150 µmol/m²/s18 Stunden, teils bis 24 Stunden
Stecklinge mit ersten Wurzeln150–250 µmol/m²/s18 Stunden
Sämlinge in den ersten 7–10 Tagen100–250 µmol/m²/s18 Stunden
Jungpflanzen vor dem Umzug in die Box250–400 µmol/m²/s18 Stunden

Die Werte sind Richtwerte. Wichtiger als eine exakte Zahl ist, dass du die Pflanzen beobachtest und die Intensität anpasst. Grundlagen zur Messgröße findest du im Lexikon unter Was bedeutet PPFD?.

Welche Lampen eignen sich für die Anzucht? #

LED-Leisten und kleine LED-Panels #

Die heute gängigste Lösung. Flache LED-Leisten oder kleine Panels mit 20 bis 60 Watt liefern ein gleichmäßiges Licht über einen Propagator oder ein Regal. Sie werden kaum warm, verbrauchen wenig Strom und lassen sich nah an die Pflanzen hängen.

Achte auf ein Vollspektrum mit weißem Licht. Ein etwas höherer Blauanteil, oft als kaltweiß mit 5000 bis 6500 Kelvin angegeben, fördert kompakten Wuchs. Moderne Vollspektrum-LEDs mit neutralem Weiß funktionieren aber ebenso gut.

Leuchtstoffröhren (T5) #

Früher der Standard in der Anzucht. T5-Röhren geben ein weiches, gleichmäßiges Licht ab und erzeugen wenig Hitze. Sie verbrauchen aber mehr Strom als LEDs mit gleicher Lichtausbeute und müssen nach einiger Zeit getauscht werden, weil die Leistung nachlässt. Wer noch welche hat, kann sie weiter nutzen.

Energiesparlampen (CFL) #

Kompaktleuchtstofflampen sind eine Notlösung für einzelne Pflanzen. Sie liefern wenig Licht pro Watt und strahlen ungerichtet. Für eine kleine Anzucht funktionieren sie, eine LED-Leiste ist aber die bessere Wahl.

Die große Growlampe gedimmt #

Wer eine dimmbare LED für die Growbox hat, kann Sämlinge auch direkt darunter aufziehen. Stelle die Lampe auf 20 bis 40 % und hänge sie hoch. Für Stecklinge im Propagator ist eine separate kleine Lampe meist praktischer, besonders wenn in der Hauptbox gerade Pflanzen blühen.

LampentypStärkenSchwächenEignung
LED-Leiste oder kleines Paneleffizient, kühl, gleichmäßigmeist nicht dimmbarsehr gut
T5-Röhreweiches Licht, oft noch vorhandenmehr Stromverbrauch, Röhrentauschgut
Energiesparlampeeinfach verfügbarwenig Licht, ungerichtetnur Notlösung
Große LED gedimmtkein Zusatzgerät nötigbelegt die Hauptboxgut für Sämlinge

Der richtige Abstand #

Der Abstand hängt von der Leistung der Lampe ab. Als grober Anhaltspunkt:

  • LED-Leisten mit 20 bis 40 W: etwa 15 bis 30 cm über den Pflanzen
  • T5-Röhren: etwa 10 bis 20 cm
  • Große LED-Panels gedimmt auf 20 bis 40 %: etwa 50 bis 70 cm

Beobachte die Pflanzen in den ersten Tagen genau. Strecken sich Sämlinge mit langem, dünnem Stiel zur Lampe, ist das Licht zu schwach oder zu weit weg. Stehen die Blätter steil nach oben, hellen auf oder rollen sich ein, ist es zu stark.

Photoperiode in der Anzucht #

Sämlinge und Stecklinge wachsen vegetativ. Für photoperiodische Sorten sind 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit Standard. Viele Grower geben Stecklingen in den ersten Tagen 24 Stunden Licht, damit sie ohne Pause Energie für die Wurzelbildung produzieren. Ob das einen messbaren Vorteil bringt, ist umstritten; schädlich ist es bei geringer Intensität in der Regel nicht.

Autoflower-Sämlinge werden mit denselben 18 bis 20 Stunden betrieben, die sie später auch in der Box bekommen.

Brauchen Jungpflanzen UV-Licht? #

Nein. UV-Licht wird in der späten Blüte gelegentlich eingesetzt, weil es möglicherweise die Harzbildung beeinflusst. Die Datenlage dazu ist nicht eindeutig. Für Sämlinge und Stecklinge bringt UV keinen erkennbaren Vorteil und bedeutet zusätzlichen Stress für das junge Gewebe. Eine gute weiße Vollspektrum-LED ohne UV-Anteil reicht völlig aus.

Anzuchtlampe im Propagator nutzen #

Stecklinge wachsen meist in einem Propagator mit durchsichtigem Deckel. Dabei gilt:

  • Lampe über dem Deckel platzieren, nicht darin, damit sich keine Hitze staut.
  • Die Temperatur im Propagator regelmäßig prüfen, Richtwert etwa 22 bis 26 °C.
  • Kondenswasser am Deckel dämpft das Licht leicht; das ist normal.
  • Beim schrittweisen Öffnen der Lüftung die Lichtintensität etwas erhöhen.

Den kompletten Ablauf für Stecklinge in Steinwolle beschreibt die Anleitung: Stecklinge in Steinwolle bewurzeln. Wie du vom Samen zur Jungpflanze kommst, erklärt der Ratgeber Cannabis-Samen keimen lassen.

Häufige Fragen #

Reicht eine normale LED-Lampe aus dem Haushalt für die Anzucht?

Für wenige Tage als Notlösung ja, auf Dauer meist nicht. Haushaltslampen liefern zu wenig Licht auf der Fläche, und die Sämlinge strecken sich. Eine LED-Leiste für Pflanzen ist die bessere Wahl.

Warum strecken sich meine Sämlinge so stark?

Meist ist das Licht zu schwach oder zu weit entfernt. Auch hohe Temperaturen fördern die Streckung. Senke die Lampe schrittweise ab oder erhöhe die Leistung und stütze bereits gestreckte Sämlinge beim Umtopfen, indem du sie etwas tiefer setzt.

Wie lange bleiben Stecklinge unter der Anzuchtlampe?

Bis sie gut bewurzelt sind, meist zwei bis drei Wochen. Danach können sie umgetopft werden und in die Growbox unter die Hauptlampe umziehen.

Kann ich die Anzuchtlampe auch für eine Mutterpflanze nutzen?

Für eine kleine, kompakt gehaltene Mutterpflanze kann eine stärkere LED-Leiste ausreichen. Größere Mutterpflanzen brauchen mehr Licht, etwa 300 bis 500 µmol/m²/s.