Eine Mutterpflanze bleibt dauerhaft in der Wachstumsphase und dient als Quelle für Stecklinge. Jeder Steckling ist ein genetisch identischer Klon der Mutter und wächst mit denselben Eigenschaften heran: gleicher Wuchs, gleiches Aroma, gleiche Blütezeit. Damit die Mutter über lange Zeit kräftige, gut bewurzelnde Triebe liefert, braucht sie eine andere Pflege als eine Pflanze, die auf Ertrag hingetrimmt wird. Die grundsätzliche Pflege fasst die Checkliste Mutterpflanze pflegen zusammen. Hier geht es darum, die Mutter gezielt für die Stecklingsgewinnung zu führen.
Beim privaten Eigenanbau sind höchstens drei Pflanzen je Erwachsenem erlaubt. Eine Mutterpflanze zählt dabei als Pflanze. Ob und ab wann bewurzelte Stecklinge mitzählen, ist nicht abschließend geklärt. Wer auf Nummer sicher gehen will, plant so, dass die Gesamtzahl der Pflanzen einschließlich bewurzelter Stecklinge die Grenze nicht überschreitet. Das ist keine Rechtsberatung.
Lohnt sich eine Mutterpflanze bei drei Pflanzen? #
Die Mutter belegt einen der drei Plätze. Das bedeutet in der Praxis:
- Vorteil: Du konservierst eine Genetik, die dir besonders gefällt, und kannst sie beliebig oft neu starten, ohne neue Samen zu keimen.
- Nachteil: Für die Blüte bleiben nur noch zwei Plätze. Außerdem brauchst du einen separaten Bereich mit Wachstumslicht.
Eine Alternative ist, keine dauerhafte Mutter zu halten, sondern kurz vor der Blüteumstellung Stecklinge von einer Pflanze zu nehmen und aus einem davon die nächste Generation zu ziehen. Diese Kette spart den dauerhaften Platz, ist aber weniger flexibel.
Der richtige Standort #
Die Mutter braucht einen eigenen Bereich mit langer Belichtung, weil sie niemals in die Blüte gehen soll. Das kann eine kleine separate Box oder ein abgetrennter Bereich sein.
| Faktor | Richtwert |
|---|---|
| Lichtzyklus | 18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit |
| PPFD | 300 bis 500 µmol/m²/s |
| Temperatur | 22 bis 26 °C tagsüber |
| Luftfeuchte | 50 bis 65 % rF |
| Topfgröße | 10 bis 25 Liter, je nach gewünschter Pflanzengröße |
Eine sehr hohe Lichtintensität ist nicht nötig. Die Mutter soll gesund und kompakt wachsen, nicht maximal Masse bilden. Wie Stecklinge anschließend unter schwachem Licht bewurzeln, zeigt der Ratgeber zu Anzuchtlampen für Stecklinge und Sämlinge.
Düngung für gute Stecklinge #
Stecklinge bewurzeln am besten, wenn sie gut, aber nicht übermäßig mit Stickstoff versorgt sind. Zu viel Stickstoff im Gewebe verzögert die Wurzelbildung.
- Wachstumsdünger mit moderater Dosierung: EC als Richtwert 1,0 bis 1,6 mS/cm, abhängig vom Substrat.
- Ausreichend Kalzium und Magnesium: Stabile Zellwände machen Stecklinge widerstandsfähiger.
- Stickstoff vor dem Schnitt reduzieren: Viele Grower senken die Stickstoffdüngung einige Tage vor dem Schneiden etwas ab oder gießen nur mit Wasser. Die Wirkung ist erfahrungsbasiert und nicht streng belegt, schadet bei gesunden Müttern aber nicht.
- pH im passenden Bereich halten: Erde 6,0 bis 7,0, Kokos 5,5 bis 6,5.
Rückschnitt und Formgebung #
Eine gut geführte Mutter ist breit und buschig mit vielen gleichmäßigen Trieben. Das erreichst du durch regelmäßiges Formen:
Früh toppen
Die junge Mutter wird ein- oder mehrmals getoppt, damit sich viele Haupttriebe bilden.
Mit LST öffnen
Die Triebe werden nach außen gebogen, damit alle ausreichend Licht bekommen.
Innenraum lichten
Schwache, innenliegende Triebe und alte, verschattete Blätter regelmäßig entfernen. Das fördert Luftzirkulation und beugt Schädlingen vor.
Höhe begrenzen
Triebe, die zu hoch werden, zurückschneiden. Die Schnittstelle bildet neue Seitentriebe.
Schnittrhythmus planen #
Die Stecklinge sollten zu dem Zeitpunkt bewurzelt und kräftig sein, an dem ein Platz im Blütebereich frei wird. Plane rückwärts vom Erntetermin:
Erntetermin bestimmen
Wann wird die laufende Blüte voraussichtlich geerntet?
Bewurzelungszeit abziehen
Stecklinge brauchen je nach Methode ein bis drei Wochen, bis sie ausreichend Wurzeln gebildet haben.
Wachstumsphase einrechnen
Soll der Steckling vor der Blüte noch ein bis vier Wochen wachsen, entsprechend früher schneiden.
Nur so viele Stecklinge schneiden wie nötig
Einen oder zwei Reservestecklinge einzuplanen ist sinnvoll, weil nicht jeder Steckling anwächst. Überzählige Stecklinge sollten vor der Bewurzelung entsorgt werden.
Mutter nach dem Schnitt erholen lassen
Nach einer größeren Stecklingsernte braucht die Mutter meist zwei bis drei Wochen, bis neue Triebe schnittreif sind.
Wie du die Stecklinge selbst schneidest, beschreibt Cannabis-Stecklinge schneiden.
Welche Triebe eignen sich? #
- 10 bis 15 cm lange, kräftige Triebe mit zwei bis vier Nodien
- Triebe aus den mittleren und oberen Bereichen, die gut im Licht stehen
- Weich bis leicht verholzt, nicht hart und alt
- Frei von Schädlingen und Verfärbungen
Verjüngung und Lebensdauer #
Mutterpflanzen können viele Monate bis mehrere Jahre in der Wachstumsphase bleiben. Mit der Zeit verholzen sie jedoch, der Wurzelballen füllt den Topf, und die Stecklinge bewurzeln schlechter. Anzeichen für nachlassende Vitalität sind langsames Wachstum, hellere Blätter trotz Düngung und eine sinkende Bewurzelungsrate.
Es gibt zwei Wege, dem zu begegnen:
- Umtopfen mit Wurzelschnitt: Den Wurzelballen außen um einige Zentimeter kürzen und mit frischem Substrat in denselben oder einen etwas größeren Topf setzen. Oberirdisch entsprechend zurückschneiden.
- Neue Mutter aus Steckling ziehen: Einen kräftigen Steckling der alten Mutter bewurzeln und als neue Mutter aufbauen. Die alte Mutter wird danach entsorgt. So bleibt die Genetik erhalten, und die Pflanzenzahl steigt nicht dauerhaft.
Hygiene ist Pflicht #
Eine Mutter lebt lange und gibt ihre Probleme an jeden Steckling weiter. Schädlinge, Mehltau oder Viruserkrankungen verbreiten sich über die Klone. Kontrolliere die Mutter deshalb wöchentlich unter den Blättern, arbeite mit desinfizierten Klingen und bringe keine unbekannten Pflanzen ohne Quarantäne in denselben Bereich.
Häufige Fragen #
Wie viele Stecklinge kann ich von einer Mutter nehmen?
Das hängt von Größe und Form der Mutter ab. Eine gut getoppte, buschige Mutter liefert problemlos mehr Triebe, als im Eigenanbau gebraucht werden. Entscheidend ist, nur so viele Stecklinge zu bewurzeln, wie du tatsächlich einsetzen darfst und willst.
Kann eine Mutter versehentlich blühen?
Ja, wenn die Dunkelphase zu lang wird oder Licht ausfällt. Bei 18 Stunden Licht bleibt die Pflanze zuverlässig in der Wachstumsphase. Achte darauf, dass die Zeitschaltuhr zuverlässig arbeitet.
Werden Stecklinge von alten Müttern schwächer?
Grundsätzlich bleibt die Genetik beim Klonen erhalten. Ob es über viele Generationen zu einer schleichenden Verschlechterung kommt, ist umstritten; häufig stecken hinter nachlassender Vitalität eher Krankheitserreger wie Viroide. Stecklinge von sehr alten, verholzten oder schlecht versorgten Müttern bewurzeln aber oft langsamer. Eine regelmäßige Verjüngung hält die Qualität hoch.



