Monster Cropping klingt nach einer brachialen Trainingsmethode, ist aber eine besondere Form der Stecklingsvermehrung: Du schneidest Triebe von einer Pflanze, die bereits blüht, bewurzelst sie und bringst sie unter langem Licht zurück ins Wachstum. Die Stecklinge reagieren darauf mit einem ungewöhnlich buschigen Wuchs und vielen Haupttrieben. Diese Anleitung zeigt, wie das funktioniert und worauf du beim Timing achten musst.
Was ist Monster Cropping? #
Beim Monster Cropping werden Stecklinge von einer photoperiodischen Pflanze genommen, die sich in der Blüte befindet, meist in den ersten zwei bis drei Blütewochen. Unter 18 oder mehr Stunden Licht wechseln die bewurzelten Triebe von der Blüte zurück in die vegetative Phase. Dieser Rückwechsel wird Revegging genannt.
Während der Umstellung bildet die Pflanze zunächst ungewöhnlich geformte Blätter mit einem oder wenigen Fingern und treibt dann aus vielen Knoten gleichzeitig neu aus. So entsteht eine Pflanze mit zahlreichen Spitzen, ganz ohne Topping.
Warum Monster Cropping? #
- Buschige Struktur: Viele gleichwertige Triebe füllen ein SCROG-Netz oder eine flache Kronenschicht gut aus.
- Genetik erhalten: Wurde vor der Blüte kein Steckling genommen, lässt sich eine gute Pflanze auf diesem Weg noch sichern.
- Pflanzen aus der Blüte retten: Auch nach einem Pheno-Hunt kannst du so die Favoritin nachträglich vermehren.
Die Nachteile solltest du kennen: Die Bewurzelung dauert länger als bei normalen Stecklingen, und die Reveg-Phase kostet mehrere Wochen, in denen die Pflanze kaum wächst. Autoflower eignen sich nicht, weil sie unabhängig von der Lichtdauer blühen und nicht zurück ins Wachstum wechseln.
Timing beachten #
| Zeitpunkt | Eignung |
|---|---|
| Blütewoche 1 bis 3 | gut geeignet, Triebe noch weich, Reveg geht relativ zügig |
| Blütewoche 4 bis 5 | möglich, Bewurzelung und Reveg dauern deutlich länger |
| ab Blütewoche 6 | wenig erfolgversprechend, geringe Bewurzelungsrate |
Je später du schneidest, desto mehr Energie steckt die Pflanze in Blüten statt in Wurzeln. Plane für den gesamten Prozess von Schnitt bis zum normalen Wachstum etwa vier bis acht Wochen ein (Richtwert, sortenabhängig).
Was du brauchst #
- Scharfe, desinfizierte Klinge oder Schere
- Glas mit Wasser für die frischen Schnitte
- Bewurzelungsgel oder -pulver
- Anzuchtwürfel aus Steinwolle, Torfquelltöpfe oder Anzuchterde
- Anzuchtschale mit Haube für hohe Luftfeuchte
- Schwache Beleuchtung mit 18 bis 24 Stunden Lichtdauer
- Sprühflasche mit abgestandenem Wasser
Schnitttechnik in der Blüte #
Triebe auswählen
Nimm kräftige, nicht zu dicke Seitentriebe aus dem unteren und mittleren Bereich. Sie tragen weniger Blütenansätze und bewurzeln besser.
Schneiden
Schneide 10 bis 15 cm lange Triebe schräg im 45-Grad-Winkel direkt unter einem Knoten ab und stelle sie sofort ins Wasser.
Vorbereiten
Entferne die unteren Blätter und schneide große Blätter auf etwa die Hälfte zurück. Lass einige kleine Blätter und die Blütenansätze stehen, denn aus diesen Stellen treibt die Pflanze später neu aus.
Bewurzelungsmittel auftragen
Tauche das untere Ende in das Gel oder Pulver.
Einsetzen
Stecke den Trieb in das vorgewässerte Medium, sodass mindestens ein Knoten im Substrat sitzt.
Abdecken
Stelle die Stecklinge unter die Haube und sprühe sie leicht ein.
Die Grundtechnik ist dieselbe wie bei normalen Stecklingen. Mehr Details zu Schnitt und Medium findest du in der Anleitung: Cannabis-Stecklinge schneiden.
Bewurzelung: Klima und Licht #
| Parameter | Richtwert |
|---|---|
| Temperatur | 22 bis 26 °C |
| Luftfeuchte unter der Haube | 70 bis 85 % rF |
| Lichtdauer | 18 bis 24 Stunden |
| Lichtintensität | etwa 100 bis 200 µmol/m²/s |
| Substrattemperatur | etwa 22 bis 24 °C, gegebenenfalls Heizmatte mit Thermostat |
Lüfte die Haube einmal täglich kurz, um Schimmel vorzubeugen. Blüten-Stecklinge brauchen oft zwei bis vier Wochen bis zu den ersten Wurzeln, also deutlich länger als Stecklinge aus der Wachstumsphase. Einige werden unterwegs ausfallen. Schneide deshalb mehr Triebe, als du am Ende brauchst.
Viele Grower bewurzeln Monster-Cropping-Stecklinge unter 24 Stunden Licht, weil ein möglichst deutliches Signal zur Rückkehr ins Wachstum den Reveg-Prozess beschleunigt.
Der Reveg-Prozess #
Nach der Bewurzelung beginnt die Umstellung zurück ins Wachstum:
Verpflanzen
Setze die bewurzelten Stecklinge in kleine Töpfe mit leichter Erde oder Kokos.
Licht
Behalte 18 bis 24 Stunden Licht bei und steigere die Intensität langsam auf Werte für die Wachstumsphase.
Düngen
Dünge zurückhaltend mit stickstoffbetontem Wachstumsdünger, erst wenn die Wurzeln das Substrat erschlossen haben.
Geduld
Die ersten neuen Blätter erscheinen oft einfingrig oder gekräuselt. Das ist normal und zeigt, dass der Reveg läuft.
Normales Wachstum abwarten
Sobald wieder normal gefingerte Blätter erscheinen, ist die Pflanze in der Wachstumsphase angekommen.
Buschige Struktur nutzen #
Die zahlreichen neuen Triebe sind die eigentliche Stärke des Monster Croppings. Damit sie gleichmäßig Licht bekommen, kombinierst du die Methode mit Low Stress Training oder einem SCROG-Netz. Einen Vergleich der Trainingsmethoden bietet der Beitrag Trainingstechniken im Vergleich.
Entferne schwache Triebe im Inneren der Pflanze, bevor du auf Blüte umstellst. So fließt die Energie in die kräftigen Spitzen.
Typische Fehler #
- Zu spät geschnitten: Ab der fünften Blütewoche sinkt die Erfolgsquote deutlich.
- Alle Blütenansätze entfernt: Die Pflanze braucht Knoten, aus denen sie neu austreiben kann.
- Zu wenig Licht: Unter zu kurzer Lichtdauer bleiben die Stecklinge in der Blüte hängen.
- Zu früh gedüngt: Ohne Wurzeln kann die Pflanze keine Nährstoffe aufnehmen, Salze schaden dann eher.
- Zu wenig Stecklinge: Blüten-Stecklinge fallen häufiger aus, plane Reserven ein.
Häufige Fragen #
Kann man Stecklinge von blühenden Pflanzen nehmen?
Ja, genau das ist Monster Cropping. Die Bewurzelung dauert länger als bei vegetativen Stecklingen und nicht jeder Trieb wurzelt an, mit dem richtigen Timing in den ersten Blütewochen gelingt es aber zuverlässig.
Wie lange dauert Monster Cropping insgesamt?
Vom Schnitt bis zum normalen Wachstum vergehen je nach Sorte und Zeitpunkt etwa vier bis acht Wochen. Danach folgt die reguläre Wachstums- und Blütephase.
Funktioniert Monster Cropping mit Autoflowern?
Nein. Autoflower blühen unabhängig von der Lichtdauer und lassen sich nicht zurück in die vegetative Phase bringen.
Sind Monster-Cropping-Pflanzen genetisch identisch mit der Mutter?
Ja. Es handelt sich um Stecklinge, also genetische Kopien der Ausgangspflanze. Nur die Wuchsform unterscheidet sich durch den Reveg-Prozess.
Fazit #
Monster Cropping verbindet Stecklingsvermehrung mit einer besonders buschigen Wuchsform. Mit Stecklingen aus den ersten Blütewochen, hoher Luftfeuchte, langem Licht und etwas Geduld beim Reveg entstehen kräftige Pflanzen mit vielen Spitzen, die sich gut für flache Kronenschichten eignen.



