Im Freien blüht Cannabis, wenn im Spätsommer die Tage kürzer werden. In der Growbox übernimmst du diese Aufgabe mit der Zeitschaltuhr. Die Umstellung des Lichtzyklus ist der wichtigste Schritt im ganzen Grow: Ab jetzt bildet die Pflanze Blüten. Hier erfährst du, wie du die Blütephase sauber einleitest.

Warum der Lichtzyklus die Blüte steuert #

Photoperiodische Cannabissorten messen die Länge der ununterbrochenen Dunkelheit. Solange die Nächte kurz sind, bleibt die Pflanze in der Wachstumsphase und bildet Blätter und Triebe. Werden die Nächte länger als etwa 11 bis 12 Stunden, schaltet sie auf Blüte um. Verantwortlich dafür ist der Photorezeptor Phytochrom, der zwischen einer aktiven und einer inaktiven Form wechselt. Die Grundlagen erklärt der Lexikon-Eintrag Photoperiodismus.

Entscheidend ist also nicht die Lichtmenge, sondern die Länge der Dunkelphase.

Wie viele Stunden Licht in der Blütephase? #

Der Standard lautet 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit, kurz 12/12. Dieser Rhythmus funktioniert für nahezu alle photoperiodischen Sorten zuverlässig.

PhaseLichtzyklus (Richtwert)Wirkung
Wachstumsphase18/6 oder 20/4vegetatives Wachstum
Einleitung der Blüte12/12Blütenbildung beginnt
Blüte, Sonderfall11/13kann bei sehr spät blühenden Sorten helfen

Manche Grower arbeiten mit 11 oder 11,5 Stunden Licht, um Sorten mit langer Blütezeit etwas zu beschleunigen. Das kostet aber Lichtmenge und damit potenziell Ertrag. Für die meisten Grows ist 12/12 die richtige Wahl. Mehr als 12 Stunden Licht in der Blüte können dagegen dazu führen, dass die Pflanze nicht zuverlässig blüht.

Wann ist der richtige Zeitpunkt? #

Wann du umstellst, hängt vor allem von der Höhe deiner Box und der Größe der Pflanzen ab. Wichtig: In den ersten zwei bis drei Wochen der Blüte streckt sich die Pflanze stark, oft auf das 1,5- bis 2-Fache. Stelle also um, wenn die Pflanzen etwa die Hälfte der verfügbaren Höhe erreicht haben. Die Kriterien im Detail erklärt der Artikel Wann ist Cannabis bereit für die Blüte?.

Schritt für Schritt umstellen #

  1. Vorbereitung abschließen

    Umtopfen, Training und größere Schnitte sollten einige Tage vor der Umstellung erledigt sein. Eine Übersicht bietet die Checkliste vor dem Umstellen auf Blüte.

  2. Box auf Lichtlecks prüfen

    Licht aus, Raum abdunkeln und von innen nach Lichtpunkten suchen. Reißverschlüsse, Durchführungen und Nähte abdichten.

  3. Zeitschaltuhr umstellen

    Die Einschaltzeit bleibt gleich, die Ausschaltzeit wird so verschoben, dass genau 12 Stunden Licht bleiben.

  4. Umstellung am besten mit einer langen Nacht beginnen

    Viele Grower schalten am Umstelltag das Licht früher aus, sodass die erste Nacht besonders lang ist. Nötig ist das nicht, es schadet aber auch nicht.

  5. Zeitschaltuhr testen

    In den ersten Tagen prüfen, ob die Lampe wirklich zur geplanten Zeit schaltet.

Eine sprunghafte Umstellung von 18/6 auf 12/12 ist üblich und für die Pflanze unproblematisch. Eine schrittweise Verkürzung über mehrere Tage bringt keinen belegten Vorteil, verzögert aber den Blühbeginn.

Was ändert sich mit der Umstellung? #

Licht #

Die Pflanze bekommt ab jetzt ein Drittel weniger Lichtstunden. Um das auszugleichen, erhöhen viele Grower die Lichtintensität. Richtwerte für die Blüte liegen bei etwa 600 bis 900 µmol/m²/s PPFD, ohne CO₂-Zugabe. Erhöhe die Intensität schrittweise über ein bis zwei Wochen und achte auf Anzeichen von Lichtstress.

Dünger #

In den ersten ein bis zwei Wochen der Blüte wächst die Pflanze noch stark und braucht weiterhin Stickstoff. Danach steigt der Bedarf an Phosphor und Kalium. Viele Düngerschemata wechseln deshalb in der ersten oder zweiten Blütewoche schrittweise auf den Blütedünger.

Klima #

Mit Beginn der Blüte sollte die Luftfeuchte schrittweise sinken, von rund 60 % in der Wachstumsphase auf etwa 45 bis 55 % in der Blüte. Die Temperatur bleibt bei 22 bis 26 °C mit Licht. In der längeren Dunkelphase sinkt sie oft stärker, deshalb lohnt ein Blick auf die Nachttemperatur.

Wann zeigen sich die ersten Blüten? #

Die ersten weißen Blütenhaare an den Triebspitzen erscheinen meist 7 bis 14 Tage nach der Umstellung. Danach folgt der Stretch, in dem die Pflanze in die Höhe schießt und die Grundstruktur der Blüten anlegt. Ab etwa der vierten Woche wachsen die Blüten vor allem in die Dicke.

Autoflower: keine Umstellung nötig #

Autoflowering-Sorten blühen unabhängig vom Lichtzyklus nach einem festen Zeitplan. Sie werden meist von der Keimung bis zur Ernte mit 18/6 oder 20/4 belichtet. Eine Umstellung auf 12/12 würde ihnen nur Licht und damit Ertrag nehmen.

Typische Fehler #

  • Lichtlecks in der Dunkelphase: der häufigste Grund für verzögerte Blüte und Zwitter.
  • Zu spät umgestellt: Die Pflanzen wachsen im Stretch in die Lampe.
  • Unregelmäßiger Rhythmus: Wechselnde Schaltzeiten oder mechanische Zeitschaltuhren, die nach einem Stromausfall verrutschen, verwirren die Pflanze.
  • Schrittweise Umstellung über Wochen: kostet Zeit, ohne Nutzen.
  • Intensität zu schnell erhöht: Lichtstress an den Triebspitzen.

Eine zuverlässige Zeitschaltuhr ist in dieser Phase besonders wichtig. Worauf es dabei ankommt, erklärt der Ratgeber Zeitschaltuhr für die Growbox.

Häufige Fragen #

Wie viele Stunden Licht braucht Cannabis zum Blühen?

Photoperiodische Pflanzen blühen zuverlässig mit 12 Stunden Licht und 12 Stunden ununterbrochener Dunkelheit. Entscheidend ist die Dunkelphase, die nicht unterbrochen werden darf.

Kann ich die Blüte einleiten, ohne dass Vorblüten zu sehen sind?

Ja. Vorblüten sind hilfreich, um das Geschlecht zu bestimmen, für die Umstellung aber keine Voraussetzung. Die Pflanze sollte allerdings mindestens drei bis vier Wochen alt und kräftig sein.

Was passiert, wenn ich versehentlich das Licht in der Nacht einschalte?

Eine einmalige kurze Unterbrechung führt meist nicht zu großen Problemen. Wiederholte Unterbrechungen können die Blüte verzögern oder Zwitterbildung auslösen. Achte danach besonders auf männliche Blütenstände.

Kann ich wieder zurück auf 18/6 wechseln?

Ja, das nennt man Revegging. Die Pflanze wechselt zurück ins vegetative Wachstum, braucht dafür aber Wochen und wächst anfangs oft ungewöhnlich. Das wird meist nur bei Mutterpflanzen oder zur Erhaltung einer Genetik genutzt.

Fazit #

Die Blütephase leitest du bei photoperiodischen Sorten mit einer Umstellung auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden absolute Dunkelheit ein. Eine abrupte Umstellung ist unproblematisch. Achte auf dichte Box, zuverlässige Zeitschaltuhr, genügend Platz für den Stretch und passe Licht, Dünger und Klima schrittweise an.