Mit der Umstellung auf Blüte ändern sich die Anforderungen an deine Lampe: Die Pflanze braucht mehr Lichtenergie pro Tag, verträgt aber keine Hitze- oder Lichtspitzen. Diese Checkliste führt dich durch alle Stellschrauben einer LED-Growlampe – vom Lichtzyklus über PPFD und DLI bis zur Aufhängung. Die Zahlen sind Richtwerte für Grows ohne zusätzliches CO2.
Lichtzyklus: Wie viele Stunden Licht in der Blüte? #
- Photoperiodische Sorten: 12 Stunden Licht, 12 Stunden ununterbrochene Dunkelheit. Erst dieser Wechsel löst die Blüte zuverlässig aus. Wie du den Zyklus sauber umstellst, erklärt der Ratgeber Blütephase einleiten.
- Autoflower: Keine Umstellung nötig. Üblich sind 18/6 oder 20/4 vom Keimling bis zur Ernte. Mehr Stunden bringen mehr Tageslichtmenge, aber auch mehr Stromverbrauch.
- Zeitschaltuhr prüfen: Digitale Timer nach Stromausfall kontrollieren, mechanische Timer auf festen Sitz der Stifte prüfen.
- Dunkelphase lichtdicht halten: Keine Status-LEDs, Lichtspalten am Reißverschluss oder Licht aus dem Raum. Lichtlecks in der Dunkelphase gelten als häufiger Auslöser für Stressreaktionen.
- Zeitfenster sinnvoll legen: Die Lichtphase in die kühleren Nachtstunden zu legen, hilft im Sommer bei der Temperaturkontrolle.
Lichtintensität: PPFD in der Blüte #
Die PPFD beschreibt, wie viel nutzbares Licht pro Sekunde auf einem Quadratmeter Pflanzenfläche ankommt. Für die Blüte gelten folgende Richtwerte:
| Phase | PPFD (µmol/m²/s) | Hinweis |
|---|---|---|
| Umstellung, Woche 1–2 | 500–700 | während des Stretchs langsam steigern |
| Hauptblüte, Woche 3–7 | 700–900 | ohne CO2 meist sinnvolle Obergrenze |
| Letzte 1–2 Wochen | 600–800 | leicht reduzieren schont Terpene, ist aber optional |
| Autoflower (18/6) | 500–750 | längere Lichtphase gleicht geringere Intensität aus |
- Nicht sprunghaft erhöhen: Die Intensität in Schritten von etwa 10 % alle zwei bis drei Tage anheben und die Blätter beobachten.
- Über 900–1000 µmol/m²/s nur mit Erfahrung: Ohne CO2-Anreicherung und ein sehr gut eingestelltes Klima kann die Pflanze diese Mengen meist nicht verwerten.
- Grenze erkennen: Nach oben gewölbte, „tacoartige“ Blätter, ausbleichende Spitzen oder gelbe Blätter nahe der Lampe sind Warnzeichen.
Tageslichtmenge: DLI berechnen #
Der DLI fasst Intensität und Beleuchtungsdauer zusammen. Die Formel lautet: PPFD × Lichtstunden × 3600 ÷ 1.000.000 = DLI in mol/m²/Tag.
- Rechenbeispiel Photoperiode: 800 µmol/m²/s × 12 Stunden ergibt rund 35 mol/m²/Tag.
- Rechenbeispiel Autoflower: 600 µmol/m²/s × 18 Stunden ergibt rund 39 mol/m²/Tag.
- Zielkorridor: Für die Blüte werden häufig 30–45 mol/m²/Tag genannt. Werte darüber bringen ohne CO2 selten zusätzlichen Ertrag.
- Konsequenz: Wer bei Autoflower auf 20/4 geht, kann die Intensität etwas senken und kommt auf denselben DLI.
Abstand und Aufhängung #
- Herstellerangabe als Startpunkt: Viele Vollspektrum-LEDs werden in der Blüte mit 30–45 cm Abstand zur Blattspitze betrieben. Maßgeblich ist aber die gemessene PPFD, nicht die Zentimeterzahl. Details liefert die Anleitung zum LED-Abstand.
- Stretch einplanen: In den ersten zwei bis drei Wochen nach der Umstellung können Pflanzen ihre Höhe verdoppeln. Den Abstand in dieser Zeit alle paar Tage kontrollieren.
- Dimmen statt hochziehen: Wenn die Box keine Höhe mehr hergibt, lieber die Leistung reduzieren als die Pflanzen zu nah an die Lampe wachsen zu lassen.
- Aufhängung sichern: Ratschen und Zeltstangen auf Tragfähigkeit prüfen, bevor die Pflanzen schwer werden.
Gleichmäßige Ausleuchtung #
- Messraster anlegen: Die PPFD an neun Punkten auf Höhe der Blütenspitzen messen (Mitte, Ecken, Kantenmitten).
- Abweichung prüfen: Liegen die Ränder deutlich unter der Mitte, Pflanzen mit Training in die Breite ziehen oder das Kronendach anpassen.
- Kronendach ebnen: Mit LST oder einem SCROG-Netz alle Haupttriebe auf eine Höhe bringen. Unterschiedlich hohe Spitzen bekommen sonst sehr unterschiedlich viel Licht.
- Reflektierende Wände sauber halten: Staub und Wasserflecken auf der Innenbeschichtung mindern die Lichtausbeute am Rand.
Spektrum anpassen #
- Vollspektrum als Basis: Weiße LEDs mit 3000–3500 K und zusätzlichem Tiefrot um 660 nm decken die Blüte gut ab.
- Rotkanal zuschalten: Bei Lampen mit getrennt steuerbaren Kanälen den Rotanteil mit Beginn der Blüte erhöhen.
- Far-Red (um 730 nm): Wird teils kurz vor oder nach dem Lichtende eingesetzt, um die Dunkelphase „schneller“ einzuleiten. Die Wirkung im Hobby-Grow ist umstritten und eher gering.
- UV: Ob UV-A oder UV-B die Harzbildung merklich steigert, ist nicht eindeutig belegt. Wenn überhaupt, dann zeitlich begrenzt in den letzten Wochen einsetzen.
Klima passend zur Lichtleistung #
- Temperatur: Unter LED liegen die Blatttemperaturen oft etwas unter der Lufttemperatur. Tagsüber sind 24–28 °C Luft ein üblicher Richtwert, nachts 18–22 °C.
- Luftfeuchte: In der Blüte schrittweise senken, etwa von 50–55 % auf 40–50 % rF in den letzten Wochen.
- Abluft prüfen: Höhere Lampenleistung bedeutet mehr Wärme. Der Lüfter muss die zusätzliche Abwärme abführen können.
- Umluft: Ein Ventilator sollte die Blätter leicht bewegen, aber nicht direkt anblasen.
Letzte Kontrollen vor und während der Blüte #
- Treiber und Kabel prüfen: Stecker fest, keine Kabel unter Zug, Treiber außerhalb der feuchtesten Zone.
- Lampe reinigen: Staub auf Dioden und Kühlkörper mindert Leistung und Kühlung.
- Protokoll führen: Dimmstufe, Abstand, PPFD-Messwerte und Pflanzenreaktion notieren – so lässt sich das Setup im nächsten Durchgang schneller einstellen.
Häufige Fragen #
Wie viele Stunden Licht brauchen Cannabispflanzen, um die Blüte einzuleiten?
Photoperiodische Pflanzen brauchen 12 Stunden Licht und 12 Stunden ungestörte Dunkelheit. Manche Grower starten auch mit 11/13, um die Umstellung bei langsam reagierenden Sorten zu beschleunigen. Autoflower blühen unabhängig vom Lichtzyklus.
Brauche ich für Wachstum und Blüte verschiedene LEDs?
Nein. Moderne Vollspektrum-LEDs decken beide Phasen ab. Der Unterschied liegt in der Intensität und der Lichtdauer, nicht in einer zweiten Lampe. Eine dimmbare Lampe ist hier klar im Vorteil.
Welche PPFD ist für Autoflower in der Blüte sinnvoll?
Bei 18/6 reichen meist 500–750 µmol/m²/s. Durch die längere Lichtphase erreichst du damit einen ähnlichen DLI wie Photoperioden mit höherer Intensität bei 12/12.
Kann ich in der Blüte zu viel Licht geben?
Ja. Zu hohe PPFD führt zu Lichtstress mit ausgeblichenen Blütenspitzen und gelben Blättern im oberen Bereich. Dimme dann um 10–20 % oder vergrößere den Abstand.






