Die Umstellung auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit ist der wichtigste Wendepunkt bei photoperiodischen Sorten. Was du jetzt versäumst, lässt sich in der Blüte nur schwer nachholen: Pflanzen strecken sich, das Blätterdach wird dicht, und größere Eingriffe bedeuten dann Stress. Arbeite die folgenden Punkte in den Tagen vor der Umstellung ab. Ob deine Pflanzen überhaupt bereit sind, klärt der Ratgeber Wann ist Cannabis bereit für die Blüte?.
Autoflower wechseln unabhängig vom Lichtzyklus in die Blüte. Für sie gelten die Punkte zu Klima, Platz und Technik, nicht aber die Lichtumstellung.
Pflanzen und Größe #
- Pflanzen haben mindestens vier bis sechs Wochen Wachstum hinter sich und fünf bis sieben Nodien gebildet.
- Die aktuelle Höhe ist gemessen und der Stretch eingeplant: Rechne je nach Sorte mit dem 1,5- bis 2-Fachen, bei sativa-betonten Sorten teils mehr.
- Zwischen Pflanzenspitzen und Lampe bleibt nach dem Stretch noch der empfohlene Mindestabstand.
- Das Wurzelsystem füllt den Endtopf gut aus; wer noch umtopfen muss, erledigt das ein bis zwei Wochen vor der Umstellung.
- Die Pflanzen sind gesund: keine Schädlinge, keine Mangelsymptome, keine Anzeichen von Stress.
- Bei regulären Samen: Geschlecht bestimmt oder Vorblüten beobachtet, damit männliche Pflanzen früh erkannt werden. Hinweise dazu im Ratgeber Männliche Pflanzen erkennen und entfernen.
Training abschließen #
- Topping, Fimming und andere schneidende Techniken sind mindestens eine Woche vor der Umstellung erledigt, damit sich die Pflanzen erholen können.
- LST-Bindungen sind überprüft und so gesetzt, dass ein möglichst ebenes Blätterdach entsteht.
- Ein SCROG-Netz hängt auf der richtigen Höhe und ist zu etwa 70 bis 80 % gefüllt; den Rest füllt der Stretch.
- Stützen oder ein zweites Netz für schwere Blüten sind vorbereitet.
Lollipopping und Entlauben #
Lollipopping vor der Blüte ist verbreitet und sinnvoll, wenn der Bestand dicht ist. Dabei werden kleine Triebe und Blätter im unteren Drittel entfernt, die später kaum Licht bekommen.
- Kleine, schwache Triebe im unteren Drittel entfernt, die das Blätterdach nicht erreichen.
- Große Fächerblätter, die Triebspitzen stark verschatten, gezielt reduziert.
- Nicht zu viel auf einmal entfernt: lieber jetzt eine moderate Runde und nach etwa drei Wochen Blüte eine zweite.
- Zwischen den Pflanzen ist Luft für Zirkulation.
Wie du dabei vorgehst, zeigt die Anleitung Lollipopping.
Lichtdichtheit und Beleuchtung #
- Growbox in der Dunkelphase von innen kontrolliert: keine Lichtpunkte an Reißverschlüssen, Nähten und Durchlässen.
- Kontrollleuchten von Geräten in der Box abgeklebt oder abgedeckt.
- Der Raum um die Box wird in der Dunkelphase nicht durch Licht gestört, das durch Öffnungen dringen könnte.
- Zeitschaltuhr oder Controller auf 12/12 programmiert und getestet.
- Gangreserve oder Uhrzeit der Zeitschaltuhr geprüft, damit nach einem Stromausfall der Rhythmus stimmt.
- Lampenleistung für die Blüte eingeplant; viele Grower steigern die Intensität in den ersten ein bis zwei Wochen schrittweise.
Klima #
- Luftentfeuchter oder ausreichende Abluftleistung verfügbar, denn in der Blüte sollte die Luftfeuchte auf etwa 40 bis 55 % sinken.
- Temperatur in der Lichtphase bei etwa 20 bis 26 °C, in der Dunkelphase nicht mehr als 5 bis 6 °C darunter.
- Umluftventilatoren erreichen auch die unteren Bereiche des Bestands.
- Aktivkohlefilter geprüft oder erneuert, bevor der Geruch zunimmt.
- Hygrometer auf Pflanzenhöhe platziert und kalibriert oder mit einem zweiten Gerät verglichen.
Dünger und Wasser #
- Blütedünger mit mehr Phosphor und Kalium vorhanden.
- Übergang geplant: In der ersten Blütewoche oft noch Wachstumsdünger oder eine Mischung, dann schrittweise umstellen.
- pH- und EC-Meter kalibriert.
- Gießrhythmus beobachtet: In der Stretchphase steigt der Wasserbedarf meist deutlich.
Organisation #
- Umstellungsdatum im Grow-Journal notiert, damit die Blütewochen später nachvollziehbar sind.
- Erwartete Blütedauer der Sorte notiert und Erntezeitraum grob eingeplant.
- Lupe oder Mikroskop für die spätere Trichomkontrolle vorhanden.
- Urlaub und Abwesenheiten in den nächsten acht bis zwölf Wochen berücksichtigt.
Die ersten zwei Wochen nach der Umstellung #
- Täglich Höhe und Abstand zur Lampe prüfen, Lampe bei Bedarf höher hängen.
- Stretch mit LST oder Netz lenken, Triebe gleichmäßig verteilen. Details in der Checkliste Blüte-Stretch kontrollieren.
- Auf Zwitterbildung achten: Pollensäcke an weiblichen Pflanzen früh entfernen oder Pflanze aussortieren.
- Luftfeuchte schrittweise senken.
Häufige Fragen #
Wann sollte ich Lollipopping vor der Blüte machen?
Am besten kurz vor oder in den ersten Tagen nach der Umstellung. Dann erkennst du gut, welche Triebe das Blätterdach nicht erreichen werden, und die Pflanze hat Zeit, sich vor der Blütenbildung zu erholen.
Kann ich nach der Umstellung noch toppen?
Davon ist abzuraten. Topping nach der Umstellung verzögert die Blüte und kostet Energie. LST ist in der Stretchphase dagegen noch gut möglich.
Wie viel wächst Cannabis nach der Umstellung auf Blüte?
Je nach Sorte streckt sich die Pflanze in den ersten zwei bis drei Wochen um das 1,5- bis 2-Fache, manche sativa-betonte Sorten noch stärker. Plane die Höhe deshalb vor der Umstellung ein.
Muss die erste Dunkelphase länger sein?
Manche Grower starten mit einer längeren Dunkelphase von 24 bis 36 Stunden. Nötig ist das nicht; die Umstellung auf 12/12 löst die Blüte auch ohne diesen Schritt zuverlässig aus.




