In der Wachstumsphase braucht Cannabis vor allem Stickstoff für Blätter und Triebe. Mit Beginn der Blüte steigt der Bedarf an Phosphor und Kalium, während Stickstoff nach und nach zurückgefahren wird. Blütedünger bilden diesen Wechsel ab. Wird zu früh, zu abrupt oder zu stark umgestellt, reagieren die Pflanzen mit Verfärbungen oder verbrannten Blattspitzen. Mit dieser Checkliste gelingt der Übergang ohne Stress. Grundlagen zu den Hauptnährstoffen findest du im Lexikon unter Was ist NPK beim Düngen?.

1. Timing bestimmen #

  • Lichtzyklus ist auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit umgestellt oder die Umstellung ist für die nächsten Tage geplant.
  • Die Pflanzen befinden sich im Stretch, also in den ersten zwei bis drei Wochen der Blüte, in denen sie noch deutlich in die Höhe wachsen.
  • Erste Vorblüten mit weißen Härchen sind an den Triebspitzen sichtbar.
  • Bei Autoflowern: Vorblüten sind erkennbar, meist etwa drei bis fünf Wochen nach der Keimung.
  • Die Pflanzen sind gesund, ohne akute Mangel- oder Überdüngungssymptome.

Die Punkte rund um die Lichtumstellung selbst deckt die Checkliste vor dem Umstellen auf Blüte ab.

2. Ausgangslage prüfen #

  • pH-Meter und EC-Meter sind kalibriert.
  • Aktuellen EC-Wert des Gießwassers notiert.
  • Drain-EC gemessen: Liegt er deutlich über dem Gießwasser, haben sich Salze im Substrat angesammelt.
  • Drain-pH gemessen und im Zielbereich: Erde etwa 6,2 bis 6,8, Kokos und Hydro etwa 5,7 bis 6,3.
  • Blattfarbe dokumentiert, am besten mit einem Foto unter neutralem Licht.
  • Herstellerschema für den Blütedünger liegt bereit.

3. Spülen nur bei Bedarf #

Ein Spülen vor der Umstellung ist kein Pflichtschritt. Es lohnt sich nur, wenn sich Salze im Substrat angesammelt haben.

  • Drain-EC liegt deutlich, etwa 0,5 mS/cm oder mehr, über dem EC des Gießwassers: Spülen sinnvoll.
  • Braune Blattspitzen oder gekrallte Blätter deuten auf Überdüngung hin: Spülen sinnvoll.
  • Drain-EC und Blätter unauffällig: Kein Spülen nötig, direkt umstellen.
  • Beim Spülen in Erde: etwa die zwei- bis dreifache Topfmenge an pH-korrigiertem Wasser verwenden.
  • Beim Spülen in Kokos und Hydro: schwach dosierte Nährlösung statt klarem Wasser verwenden, um das Substrat nicht zu destabilisieren.
  • Nach dem Spülen das Substrat ausreichend abtrocknen lassen, bevor erneut gegossen wird.

4. Übergang im Stretch #

  • Während des Stretchs noch nicht vollständig auf Blütedünger wechseln, da die Pflanze weiter Blattmasse aufbaut.
  • Woche 1 der Blüte: etwa zwei Drittel Wachstumsdünger, ein Drittel Blütedünger.
  • Woche 2 der Blüte: etwa zu gleichen Teilen oder überwiegend Blütedünger.
  • Ab Woche 3 der Blüte: vollständig Blütedünger.
  • Bei Zweikomponentendüngern für Kokos und Hydro ändert sich meist nur die Konzentration, nicht das Produkt. Dann entfällt die Mischung.
  • Stickstoff nicht abrupt streichen, sonst vergilben die unteren Blätter schon früh in der Blüte.

5. Neue EC-Werte einstellen #

BlütephaseEC der Nährlösung (Richtwert)
Woche 1 bis 2 (Stretch)1,2 bis 1,6 mS/cm
Woche 3 bis 6 (Blütenbildung)1,4 bis 2,0 mS/cm
Woche 7 bis Ernte (Reife)schrittweise reduzieren
  • EC in Schritten von höchstens etwa 0,2 bis 0,3 mS/cm pro Woche erhöhen.
  • Werte beziehen sich auf den Gesamt-EC einschließlich Leitungswasser.
  • Bei Erde mit Vordüngung niedriger einsteigen, weil das Substrat selbst Nährstoffe liefert.
  • CalMag-Bedarf prüfen, besonders bei Osmosewasser, weichem Wasser und Kokos.
  • Zusätze wie Phosphor-Kalium-Booster erst ab der mittleren Blüte einplanen und gering dosieren.

Wie du die Nährlösung in der richtigen Reihenfolge anmischst, beschreibt die Anleitung zum Anmischen der Nährlösung.

6. Anmischen und Gießen #

  • Wasser auf Raumtemperatur bringen, idealerweise 18 bis 22 °C.
  • Zuerst CalMag, dann Basisdünger, bei A- und B-Komponenten nacheinander, dann Zusätze.
  • Nach jeder Komponente gut umrühren.
  • EC messen und bei Bedarf mit Wasser verdünnen.
  • pH erst ganz am Ende einstellen.
  • Gießmenge an den gestiegenen Wasserverbrauch der Blüte anpassen.

7. Beobachtungsphase #

In den ersten sieben bis zehn Tagen nach der Umstellung zeigt sich, ob die Pflanzen die neue Nährstoffzusammensetzung vertragen.

  • Blattspitzen täglich kontrollieren: Leichtes Gelb an den äußersten Spitzen ist oft tolerierbar, braune verbrannte Spitzen zeigen zu viel Dünger.
  • Untere Blätter prüfen: Schnelles Vergilben von unten deutet auf zu wenig Stickstoff hin.
  • Neue Blätter beobachten: Aufhellungen zwischen den Adern können auf Magnesium- oder Eisenprobleme hinweisen.
  • Drain-EC und Drain-pH mindestens einmal pro Woche messen.
  • Werte, Dosierung und Beobachtungen im Grow-Tagebuch notieren.
  • Bei Problemen nur eine Stellschraube auf einmal ändern.

8. Warnsignale und schnelle Reaktion #

  • Dunkelgrüne, glänzende Blätter mit gekrallten Spitzen: EC um etwa 20 bis 30 % senken.
  • Blattspitzen verbrannt: EC senken, bei hohem Drain-EC spülen.
  • Starke Vergilbung schon in den ersten Blütewochen: Blütedünger mit etwas mehr Stickstoff oder Anteil Wachstumsdünger beibehalten.
  • Unregelmäßige Flecken trotz korrekter Werte: pH-Wert und Wurzelzone prüfen.

Häufige Fragen #

Wann sollte ich auf Blütedünger umstellen?

Mit Beginn der Blüte, also nach dem Umstellen auf 12/12 oder beim Erscheinen der ersten Vorblüten. Während des Stretchs empfiehlt sich eine Übergangsphase mit einer Mischung aus Wachstums- und Blütedünger.

Muss ich vor dem Wechsel auf Blütedünger spülen?

Nein, nur wenn sich Salze angesammelt haben. Ein deutlich erhöhter Drain-EC oder Symptome der Überdüngung sind klare Hinweise, dass ein Spülen sinnvoll ist.

Kann ich Wachstums- und Blütedünger mischen?

Ja, wenn beide zur gleichen Produktlinie gehören. Mischungen sind besonders während des Stretchs üblich. Achte darauf, dass der Gesamt-EC im Zielbereich bleibt.

Braucht Cannabis in der Blüte gar keinen Stickstoff mehr?

Doch. Der Bedarf sinkt, verschwindet aber nicht. Ein zu früher, vollständiger Stickstoffentzug führt zu vorzeitigem Vergilben und kann den Ertrag mindern.