Eine gute Nährlösung ist kein Hexenwerk, aber sie verlangt Genauigkeit. Schon ein Milliliter zu viel pro Liter kann bei Jungpflanzen zu verbrannten Blattspitzen führen. Diese Anleitung zeigt den kompletten Ablauf – vom Ausrüsten über die Mengenberechnung bis zur Pflege eines Hydro-Reservoirs. Welche Rolle das Ausgangswasser spielt und welche pH- und EC-Werte je Substrat gelten, erklärt der Ratgeber Gießwasser richtig anmischen.

Was du brauchst #

  • Gießkanne, Eimer oder Tank mit Literskala
  • Einwegspritzen ohne Nadel oder Messpipetten (1, 5 und 10 ml), eine pro Düngerkomponente
  • Rührstab aus Kunststoff oder Edelstahl
  • Kalibriertes EC-Meter und pH-Meter
  • pH-Minus und gegebenenfalls pH-Plus
  • Notizbuch oder Grow-Tagebuch für Werte und Mengen
  • Handschuhe und Schutzbrille für den Umgang mit pH-Korrekturmitteln

Die Düngermenge berechnen #

Hersteller geben ihre Dosierung fast immer in ml pro Liter an. Die Rechnung ist einfach:

Düngermenge (ml) = Dosierung (ml/l) × Wassermenge (l)

Dosierung laut Schema5 Liter10 Liter20 Liter
0,5 ml/l2,5 ml5 ml10 ml
1 ml/l5 ml10 ml20 ml
2 ml/l10 ml20 ml40 ml
3 ml/l15 ml30 ml60 ml
4 ml/l20 ml40 ml80 ml

Die meisten Grower starten mit 50 bis 75 % der Herstellerangabe und steigern nach Bedarf. Die tatsächliche Stärke prüfst du anschließend mit dem EC-Meter. Wie du daraus ein eigenes Schema für alle Wochen entwickelst, zeigt die Anleitung Düngeschema für Cannabis erstellen.

Schritt für Schritt: Nährlösung anmischen #

  1. Düngerflaschen schütteln

    Viele Flüssigdünger setzen sich ab. Schüttle jede Flasche kräftig, bevor du sie öffnest.

  2. Wasser abmessen

    Fülle die gewünschte Menge Wasser mit etwa 18 bis 22 °C in den Behälter. Miss dabei den EC-Wert des Ausgangswassers und notiere ihn.

  3. Zusätze mit starkem pH-Einfluss zuerst

    Wenn du einen Silizium-Zusatz verwendest, kommt er als Erstes ins Wasser und wird gut verrührt.

  4. Cal-Mag bei Bedarf

    Bei weichem Wasser oder Osmosewasser folgt der Cal-Mag-Zusatz.

  5. Grunddünger einzeln zugeben

    Bei Mehrkomponenten-Düngern Teil A zugeben, umrühren, dann Teil B zugeben, wieder umrühren. Einkomponenten-Dünger einfach einrühren.

  6. Weitere Zusätze

    Wurzelstimulatoren, Blütezusätze oder Enzyme folgen am Ende, jeweils mit Umrühren dazwischen.

  7. EC messen

    Vergleiche den Wert mit deinem Ziel. Ist er zu hoch, verdünne mit Wasser; ist er zu niedrig, gib vorsichtig Dünger nach.

  8. pH-Wert einstellen

    Erst jetzt, weil jede Zugabe den pH-Wert verschiebt. pH-Minus tropfenweise zugeben, umrühren, nach einer Minute erneut messen.

  9. Werte notieren

    Datum, Menge, Düngermengen, EC und pH. Diese Aufzeichnungen sind Gold wert, wenn später Probleme auftreten.

Besonderheiten je Substrat #

SubstratWie oft düngen?Hinweis
Vorgedüngte Erdeerst nach 2–4 Wochenanfangs nur Wasser mit passendem pH
Erde mit Flüssigdüngerjedes zweite oder jedes Gießenmit halber Dosis starten
Kokosbei jedem GießenKokos enthält kaum Nährstoffe, Cal-Mag meist nötig
Hydro (DWC, Tropfsystem)Reservoir durchgehendLösung wöchentlich erneuern

Die Nährlösung im Reservoir pflegen #

In Hydro-Systemen und bei automatischer Bewässerung steht die Lösung tagelang im Tank. Damit sie stabil bleibt:

  • Temperatur: 18 bis 22 °C. Wärmere Lösungen enthalten weniger Sauerstoff und fördern Keime.
  • Dunkelheit: Ein lichtdichter Tank verhindert Algenwachstum.
  • Täglich messen: EC und pH einmal am Tag prüfen.
  • Nachfüllen mit Logik: Steigt der EC, während der Wasserstand sinkt, nehmen die Pflanzen mehr Wasser als Nährstoffe auf – fülle mit klarem Wasser auf. Sinkt der EC, fülle mit einer schwach dosierten Lösung nach.
  • Regelmäßig wechseln: Alle 7 bis 10 Tage die Lösung komplett erneuern, weil sich das Nährstoffverhältnis mit der Zeit verschiebt.

Welche Tanks sich eignen und wie du sie sauber hältst, erklärt der Beitrag Wassertanks und Reservoirs im Grow.

Nährlösung mit Osmosewasser oder sehr weichem Wasser #

Osmosewasser hat einen EC nahe null und enthält weder Calcium noch Magnesium. Das gibt dir volle Kontrolle, verlangt aber einen zusätzlichen Schritt:

  • Erst aufhärten: Gib vor dem Grunddünger einen Cal-Mag-Zusatz zu, bis der EC etwa 0,3 bis 0,4 mS/cm erreicht. Das entspricht grob einem mittelharten Leitungswasser.
  • pH-Wert driftet schneller: Ohne Puffer reagiert die Lösung empfindlicher auf pH-Korrekturmittel. Gib pH-Minus besonders vorsichtig und in kleinsten Mengen zu.
  • Mischen statt ersetzen: Bei sehr hartem Leitungswasser reicht es oft, 30 bis 50 % Osmosewasser beizumischen, statt komplett umzustellen.

Wie lange hält eine fertige Nährlösung? #

Rein mineralische Lösungen bleiben in einem dunklen, kühlen, abgedeckten Behälter einige Tage stabil. Organische Dünger beginnen dagegen schon nach 24 bis 48 Stunden zu gären, riechen dann faulig und können Keime fördern. Mische organische Nährlösungen deshalb immer frisch und nur in der Menge an, die du sofort brauchst.

Typische Fehler #

  • Dosieren nach Augenmaß: Verschlusskappen und Schnapsgläser sind keine Messbecher.
  • Nicht umrühren: Dünger sinkt nach unten, und die ersten Pflanzen bekommen eine andere Konzentration als die letzten.
  • Alte Lösung auffrischen statt erneuern: Das Nährstoffverhältnis gerät aus dem Gleichgewicht.
  • Messgeräte nicht kalibriert: Falsche Werte führen zu falschen Korrekturen.
  • Schema blind folgen: Die Pflanze zeigt, ob die Dosis passt – nicht die Flasche.

Häufige Fragen #

In welcher Reihenfolge mische ich Dünger?

Wasser zuerst, dann Silizium, dann Cal-Mag, dann die Grunddünger einzeln, dann Zusätze. Nach jeder Zugabe umrühren. Den pH-Wert stellst du ganz zum Schluss ein.

Kann ich eine Nährlösung auf Vorrat anmischen?

Mineralische Lösungen für einige Tage, wenn sie dunkel, kühl und abgedeckt stehen. Vor dem Gießen immer neu umrühren und den pH-Wert prüfen. Organische Lösungen solltest du nicht auf Vorrat anmischen.

Was bedeuten die Zahlen auf der Düngerflasche?

Die drei Zahlen geben den Anteil an Stickstoff, Phosphor und Kalium an. Mehr dazu erklärt der Lexikoneintrag Was ist NPK?.

Muss ich die Nährlösung im Reservoir belüften?

In DWC-Systemen ja, dort ist eine Luftpumpe mit Sprudelstein Pflicht. In einem Vorratstank für die Tropfbewässerung schadet Umwälzen oder Belüften nicht, ist aber nicht zwingend notwendig.