Der pH-Wert entscheidet, ob deine Pflanzen die Nährstoffe in der Lösung überhaupt aufnehmen können. Liegt er außerhalb des passenden Bereichs, entstehen Mangelsymptome, obwohl genug gedüngt wurde. Mit pH-Up und pH-Down lässt sich das Gießwasser schnell anpassen. Entscheidend sind die richtige Reihenfolge, kleine Schritte und ein kalibriertes Messgerät.

Welcher pH-Wert ist der richtige? #

Der Zielbereich hängt vom Substrat ab, weil Erde anders puffert als Coco oder eine reine Nährlösung.

SubstratpH-Richtwert Gießwasser/Nährlösung
Erde6,0–7,0, meist um 6,3–6,8
Coco5,5–6,5, meist um 5,8–6,2
Hydro, DWC, Steinwolle5,5–6,5, meist um 5,8–6,0

Ein leichtes Schwanken innerhalb des Bereichs ist sogar erwünscht, weil einzelne Nährstoffe bei etwas unterschiedlichen pH-Werten am besten verfügbar sind. Warum die Werte je Substrat abweichen, erklärt der Ratgeber pH-Wert für Erde, Kokos und Hydro.

Was sind pH-Up und pH-Down? #

  • pH-Down senkt den pH-Wert. Es besteht meist aus verdünnter Phosphorsäure, teils auch Salpetersäure oder Zitronensäure. Phosphor- und Salpetersäure-Produkte liefern dabei geringe Mengen Phosphor beziehungsweise Stickstoff mit.
  • pH-Up hebt den pH-Wert. Es enthält in der Regel Kaliumhydroxid oder Kaliumcarbonat und liefert damit etwas Kalium.

Beide Mittel sind stark konzentriert. Schon wenige Tropfen oder Milliliter verschieben den pH-Wert eines Eimers deutlich.

Die richtige Reihenfolge beim Anmischen #

Der häufigste Fehler ist, den pH-Wert vor dem Düngen einzustellen. Dünger selbst verändert den pH-Wert, meist nach unten. Deshalb gilt:

  1. Wasser vorbereiten

    Wasser in den Eimer füllen und auf Raumtemperatur kommen lassen, ideal sind etwa 18 bis 22 °C.

  2. Dünger zugeben

    Alle Düngerkomponenten nacheinander nach Schema einrühren. Bei mehrteiligen Düngern zwischen den Komponenten umrühren.

  3. EC messen

    Jetzt den EC-Wert prüfen und bei Bedarf mit Wasser oder Dünger nachjustieren.

  4. pH messen

    Kalibriertes pH-Meter in die gut durchmischte Lösung halten und den Wert abwarten, bis er stabil ist.

  5. In kleinen Schritten korrigieren

    Eine kleine Menge pH-Up oder pH-Down zugeben, gründlich umrühren, eine Minute warten und neu messen.

  6. Wiederholen, bis der Zielwert erreicht ist

    Lieber drei kleine Schritte als ein großer.

Die komplette Anleitung zum Anmischen findest du unter Nährlösung richtig anmischen.

Wie viel pH-Up oder pH-Down brauche ich? #

Eine feste Dosierung gibt es nicht, weil sie von der Wasserhärte, dem Dünger und dem Produkt abhängt. Hartes Leitungswasser mit viel Hydrogencarbonat braucht deutlich mehr pH-Down als weiches Wasser oder Osmosewasser.

So findest du deine Menge:

  • Beginne mit etwa 0,1 bis 0,2 ml pro Liter oder wenigen Tropfen pro 10 Liter.
  • Notiere, wie viel du bis zum Zielwert gebraucht hast.
  • Beim nächsten Mal kannst du mit etwa 80 % dieser Menge beginnen und dann fein nachjustieren.

Überkorrektur vermeiden #

Wer zu viel pH-Down erwischt und dann mit pH-Up gegensteuert, erhöht unnötig den Salzgehalt der Lösung und riskiert starke Schwankungen. Besser:

  • In kleinen Schritten dosieren und immer gründlich umrühren.
  • Nach jeder Zugabe mindestens 30 bis 60 Sekunden warten, bis der Messwert stabil ist.
  • Bei starker Überkorrektur lieber mit frischem Wasser verdünnen und EC anschließend neu prüfen.

pH und EC: So hängen die Werte zusammen #

Der EC-Wert misst die elektrische Leitfähigkeit und damit die Menge gelöster Salze in der Lösung. Er sagt, wie viel Dünger drin ist. Der pH-Wert sagt, ob die Pflanze diese Nährstoffe aufnehmen kann. Beide Werte gehören zusammen:

  • pH-Up und pH-Down erhöhen den EC-Wert leicht, weil sie selbst gelöste Stoffe enthalten. Bei normalen Mengen ist das vernachlässigbar.
  • Ein hoher EC-Wert mit falschem pH führt schneller zu Nährstoffblockaden als ein moderater EC-Wert.
  • Steigt der EC im Ablauf deutlich über den EC der Nährlösung, reichern sich Salze an. Oft verschiebt sich dann auch der pH im Substrat.

Als grobe Richtwerte für die Nährlösung gelten etwa 0,8–1,2 mS/cm für junge Pflanzen, 1,2–1,6 mS/cm in der Wachstumsphase und 1,4–2,0 mS/cm in der Blüte, je nach Sorte und Substrat. Die Details stehen im Ratgeber EC-Wert für jede Cannabis-Wachstumsphase.

Typische Fehler #

  • Unkalibriertes pH-Meter: Ein Messfehler von 0,5 Punkten macht jede Korrektur sinnlos. Kalibriere regelmäßig mit Pufferlösung.
  • Messen direkt nach der Zugabe: Die Lösung ist noch nicht durchmischt, der Wert springt.
  • pH vor dem Dünger einstellen: Der Dünger verschiebt den Wert danach wieder.
  • Nährlösung tagelang stehen lassen: Der pH-Wert driftet. Mische möglichst frisch oder kontrolliere im Tank täglich.
  • Hausmittel wie Essig oder Backpulver: Sie funktionieren nur kurzfristig oder bringen unerwünschte Stoffe wie Natrium ins Wasser.

Wenn der pH-Wert trotz sauberer Korrektur ständig wandert, findest du Ursachen und Lösungen im Beitrag pH-Schwankungen im Grow.

Häufige Fragen #

Muss ich den pH-Wert bei jedem Gießen einstellen?

Bei mineralischer Düngung in Coco und Hydro ja. In gut gepufferter Erde reicht es oft, den Wert zu kontrollieren und nur bei deutlichen Abweichungen zu korrigieren.

Kann ich pH-Down durch Zitronensäure ersetzen?

Zitronensäure senkt den pH-Wert, ist aber weniger stabil und kann in Nährlösungen das Wachstum von Mikroorganismen fördern. Für gelegentliches Gießwasser in Erde ist sie möglich, für Tanks und Hydro sind handelsübliche pH-Down-Produkte besser geeignet.

Wie lange halten pH-Up und pH-Down?

Verschlossen und kühl gelagert meist mehrere Jahre. Achte auf das Herstellerdatum und verschließe die Flaschen nach Gebrauch sofort.

Warum steigt der pH-Wert im Tank über Nacht?

Pflanzen nehmen bestimmte Ionen bevorzugt auf, CO2 entweicht aus dem Wasser und Mikroorganismen verändern die Lösung. Ein leichter Anstieg ist normal. Steigt der Wert stark, prüfe Tankhygiene und Wurzelgesundheit.