„Welcher pH-Wert ist richtig?“ ist eine der häufigsten Fragen im Grow. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt auf das Medium an. Erde, Kokos und Hydro unterscheiden sich darin, wie sie Nährstoffe speichern, wie stark sie puffern und wie Wurzeln an die Nährstoffe gelangen. Entsprechend verschieben sich die Zielbereiche.

Die Zielwerte auf einen Blick #

MediumpH-Zielbereich (Richtwert)Optimum für viele GrowerPufferung
Erde6,0–7,06,2–6,8hoch
Kokos5,5–6,55,8–6,2gering bis mittel
Hydro (DWC, NFT, Steinwolle)5,5–6,25,6–6,0sehr gering

Gemessen wird in der Regel das Gießwasser bzw. die Nährlösung nach Zugabe aller Dünger. Bei Erde kann zusätzlich der Drain oder eine Substratprobe Aufschluss über den tatsächlichen pH im Wurzelraum geben.

pH in Erde: 6,0 bis 7,0 #

Erde ist ein lebendiges, stark gepuffertes Medium. Humus, Tonminerale und Kalk fangen pH-Schwankungen ab. Mikroorganismen zersetzen organische Substanz und stellen Nährstoffe bereit. Diese Prozesse funktionieren im leicht sauren bis neutralen Bereich am besten.

  • In organischen Grows mit lebender Erde wird das Gießwasser häufig gar nicht oder nur grob eingestellt, weil das Bodenleben den pH mitreguliert.
  • Bei mineralischer Düngung in Erde lohnt sich ein Gießwasser-pH von etwa 6,2 bis 6,8.
  • Leichte Schwankungen zwischen den Gießgängen sind in Erde erwünscht, weil einzelne Nährstoffe in etwas unterschiedlichen Bereichen am besten verfügbar sind.

pH in Kokos: 5,5 bis 6,5 #

Kokos ist ein weitgehend inertes Substrat. Es liefert kaum Nährstoffe, hält aber viel Wasser und Luft. Seine Pufferwirkung ist deutlich geringer als die von Erde. Zudem bindet Kokos Calcium und Magnesium, besonders wenn es nicht gepuffert wurde.

  • Der typische Zielbereich liegt bei 5,8 bis 6,2.
  • Weil Kokos wie ein Hydro-Medium gedüngt wird, gehört bei jedem Gießen Dünger dazu.
  • Ein regelmäßiger Drain von 10 bis 20 Prozent verhindert Salzansammlungen, die den pH im Substrat verschieben.

pH in Hydro: 5,5 bis 6,0 #

In Hydro-Systemen hängen die Wurzeln direkt in der Nährlösung oder in einem inerten Medium wie Steinwolle oder Blähton. Es gibt praktisch keinen Puffer. Jeder Nährstoff ist direkt gelöst, und die Wurzeln reagieren sofort auf Veränderungen.

  • Zielbereich ist 5,5 bis 6,0, manche Grower lassen den pH bewusst zwischen 5,6 und 6,2 wandern.
  • Der pH driftet in Hydro natürlicherweise, meist nach oben. Tägliche Kontrolle ist Pflicht.
  • Ein Wechsel der Nährlösung alle 7 bis 14 Tage verhindert Ungleichgewichte.

Warum die Unterschiede? #

Die Verfügbarkeit jedes Nährstoffs hängt vom pH ab. Manche Elemente wie Eisen, Mangan und Zink werden bei hohem pH schlechter aufnehmbar, andere wie Calcium und Magnesium bei niedrigem.

In Erde liegt ein großer Teil der Nährstoffe organisch gebunden vor und wird von Mikroorganismen freigesetzt. Außerdem sorgen Humus und Bodenleben dafür, dass Wurzeln Nährstoffe auch in etwas höheren Bereichen gut aufnehmen. In erdlosen Medien ist die Pflanze vollständig auf gelöste, mineralische Nährstoffe angewiesen. Deren beste Gesamtverfügbarkeit liegt etwas niedriger, im leicht sauren Bereich um 5,8.

Kurz gesagt: Je weniger Puffer und Bodenleben ein Medium hat, desto niedriger und enger ist der ideale pH-Bereich.

EC-Werte je Medium #

Die Suchanfragen zeigen: pH und EC werden fast immer zusammen gefragt. Der EC-Wert zeigt, wie viele gelöste Salze, also Nährstoffe, in der Lösung sind. Was genau dahintersteckt, erklärt der Lexikoneintrag EC beim Grow.

PhaseErde (mS/cm, Richtwert)Kokos (mS/cm)Hydro (mS/cm)
Sämling, Steckling0,4–0,80,5–0,80,4–0,8
Wachstum0,8–1,41,0–1,61,0–1,6
Frühe bis mittlere Blüte1,2–1,81,4–2,01,4–2,0
Späte Blüte1,0–1,61,2–1,81,2–1,8

Die Werte beziehen sich auf die fertige Nährlösung inklusive Ausgangs-EC des Wassers. Vorgedüngte Erde benötigt in den ersten Wochen oft deutlich weniger. Eine phasengenaue Aufschlüsselung findest du in EC-Wert für jede Wachstumsphase.

Auswirkungen falscher pH-Werte #

Liegt der pH dauerhaft außerhalb des Zielbereichs, entsteht ein sogenannter Nährstoff-Lockout: Die Nährstoffe sind vorhanden, aber für die Wurzeln nicht verfügbar. Die Pflanze zeigt Mangelsymptome, obwohl genug gedüngt wird.

pH-AbweichungTypische Folgen
zu niedrigCalcium-, Magnesium- und Phosphormangel, braune Flecken, schwache Wurzeln
zu hochEisen-, Mangan- und Zinkmangel, gelbe junge Blätter mit grünen Adern
stark schwankendgemischte Symptome, Wachstumsstopp, gestresste Pflanzen

Liegt dein pH daneben, korrigiere ihn in kleinen Schritten. Wie das mit pH-Plus und pH-Minus gelingt, zeigt pH-Wert korrigieren mit pH Up und pH Down. Wenn der Wert ständig wandert, hilft pH-Schwankungen im Grow bei der Ursachensuche.

Häufige Fragen #

Kann ich in Erde den gleichen pH wie in Kokos verwenden?

Kurzfristig schadet ein pH von 6,0 in Erde nicht. Dauerhaft zu niedrige Werte können aber Calcium und Magnesium in Erde schlechter verfügbar machen. Halte dich besser an den jeweiligen Zielbereich.

Muss ich den pH bei Erde überhaupt einstellen?

Bei mineralischer Düngung ist es empfehlenswert. In organischen Grows mit lebender Erde verzichten viele Grower darauf, solange das Wasser nicht extrem hart oder weich ist.

Wo messe ich den pH, im Wasser oder im Drain?

Standardmäßig im fertigen Gießwasser. Der Drain gibt zusätzlich Hinweise darauf, was im Substrat passiert. Weicht er stark vom Gießwasser ab, lohnt sich ein genauer Blick auf Substrat und Düngung.

Warum steigt der pH in meinem Hydro-System ständig?

Das ist normal. Pflanzen nehmen Nährstoffe ungleichmäßig auf und geben dabei Ionen ab, die den pH verschieben. Ein leichter Anstieg über einige Tage ist unkritisch, solange du den Wert regelmäßig zurückholst.