Eine EC-Tabelle sagt dir, in welchem Bereich du dich je Phase bewegen solltest. Sie sagt dir aber nicht, wann du von einem Bereich in den nächsten wechselst und woran du erkennst, ob deine Pflanze mehr oder weniger verträgt. Genau darum geht es hier: um die Steuerung des EC-Werts im Verlauf des Grows. Die Richtwerte je Phase und Substrat findest du übersichtlich in der Tabelle im Ratgeber EC-Wert für jede Cannabis-Wachstumsphase. Was der EC-Wert überhaupt misst, erklärt der Eintrag Was bedeutet EC beim Grow?.

Das Prinzip: langsam steigern, nach der Pflanze richten #

Der Nährstoffbedarf von Cannabis steigt mit der Blattmasse und erreicht seinen Höhepunkt in der Blütemitte. Danach sinkt er wieder. Der EC-Verlauf über einen Grow ähnelt deshalb einer flachen Kurve: niedrig bei Sämlingen, stetig steigend in der Wachstumsphase, am höchsten in der Hauptblüte, abfallend zum Ende.

Zwei Regeln gelten für jede Anpassung:

  • Kleine Schritte: Erhöhe den EC um etwa 0,1 bis 0,2 mS/cm pro Schritt, nicht sprunghaft.
  • Erst beobachten, dann steigern: Nach jeder Erhöhung einige Tage abwarten, wie die Pflanze reagiert.

Wochenplan für photoperiodische Sorten #

Der folgende Verlauf gilt für die fertige Nährlösung in Kokos oder Hydro, gemessen in mS/cm. In vorgedüngter Erde liegen die Werte in den ersten Wochen niedriger, oft reicht dort anfangs klares Wasser.

WochePhaseEC-Richtwert Kokos/Hydro
1 bis 2Sämling0,5 bis 0,9
3 bis 4frühe Wachstumsphase0,9 bis 1,3
5 bis Umstellungspäte Wachstumsphase1,2 bis 1,6
Blüte 1 bis 2Stretch1,4 bis 1,8
Blüte 3 bis 6Hauptblüte1,6 bis 2,2
Blüte 7 bis EndeReifeWerte leicht senken, zum Schluss nach Düngeschema

Die Werte sind Richtwerte und hängen von Sorte, Licht und Dünger ab. Starke Beleuchtung und CO2-Zugabe erhöhen den Bedarf, schwaches Licht senkt ihn. Das Düngeschema des Herstellers bleibt die wichtigste Referenz.

Wochenplan für Autoflower-Sorten #

Autoflower-Sorten sind kleiner und meist empfindlicher gegenüber hohen Nährstoffkonzentrationen. Sie durchlaufen dieselbe Kurve in kürzerer Zeit:

Woche ab KeimungPhaseEC-Richtwert Kokos/Hydro
1 bis 2Sämling0,4 bis 0,8
3 bis 4Wachstum, Vorblüte0,8 bis 1,2
5 bis 8Hauptblüte1,2 bis 1,7
ab 9ReifeWerte leicht senken

Viele Grower fahren Autoflower-Sorten mit etwa 70 bis 80 % der Düngerdosis, die für photoperiodische Pflanzen angegeben ist.

Die Pflanze lesen: Signale für den richtigen EC #

Die Pflanze zeigt dir, ob die Düngestärke passt. Achte auf diese Zeichen:

BeobachtungDeutungAnpassung
Blattspitzen werden braun und trockenEC zu hochum 0,2 bis 0,3 mS/cm senken
Sehr dunkelgrüne, glänzende Blätter, Krallenformzu viel StickstoffDosis reduzieren
Untere Blätter werden gleichmäßig hellgrün bis gelbEC zu niedrigin kleinen Schritten erhöhen
Kräftiges, sattgrünes Wachstum ohne SchädenpasstEC halten oder vorsichtig steigern
Leicht helle Spitzen an einzelnen Blätternan der oberen GrenzeEC halten, nicht weiter steigern

Viele erfahrene Grower tasten sich bewusst an die Grenze heran: Sie erhöhen den EC, bis erste, ganz leichte Spitzenverfärbungen auftreten, und gehen dann einen kleinen Schritt zurück. Ausgeprägte Symptome einer Überversorgung beschreibt der Ratgeber Überdüngung bei Cannabis erkennen und behandeln.

Drain-EC als Kontrollwert #

Der EC des Abflusswassers zeigt, was im Wurzelraum passiert. Ist der Drain-EC deutlich höher als der EC der zugeführten Lösung, reichern sich Salze an. Liegt er darunter, nimmt die Pflanze mehr auf, als du ihr gibst.

  • Drain-EC etwa gleich oder leicht höher: alles im Rahmen.
  • Drain-EC deutlich höher, etwa 0,5 mS/cm und mehr: Zufuhr-EC senken oder mit schwächerer Lösung gründlich durchgießen.
  • Drain-EC deutlich niedriger: Die Pflanze zehrt, der Zufuhr-EC kann vorsichtig steigen.

Wie du die Drain-Messung in deine Routine einbaust, beschreibt der Beitrag Dünger richtig dosieren: EC-Drain-Logik einfach erklärt.

Umstellung auf Blütedünger #

Beim Wechsel in die Blüte ändert sich nicht nur die Zusammensetzung des Düngers, sondern oft auch der Bedarf. Im Stretch wächst die Pflanze stark und verbraucht viel Stickstoff. Wechsle deshalb nicht abrupt, sondern mische in den ersten ein bis zwei Blütewochen Wachstums- und Blütedünger oder folge dem Übergangsschema deines Herstellers. Den EC erhöhst du in dieser Phase schrittweise.

Die letzten Wochen #

Zum Ende der Blüte sinkt der Nährstoffbedarf. Viele Grower reduzieren den EC in den letzten ein bis zwei Wochen oder gießen nur noch mit klarem Wasser. Ob dieses Spülen die Qualität verbessert, ist umstritten. Unstrittig ist, dass eine überhöhte Düngung zum Ende nichts mehr bringt.

Typische Fehler beim EC-Management #

  • Zu schnell steigern: Ein Sprung von 1,0 auf 1,8 mS/cm stresst die Wurzeln.
  • Nur nach Tabelle düngen: Die Pflanze ist der Maßstab, nicht die Woche im Kalender.
  • Ausgangswasser vergessen: Leitungswasser bringt eigenen EC mit, oft 0,2 bis 0,8 mS/cm.
  • Nicht kalibrieren: Ein ungenaues Messgerät macht jeden Wochenplan wertlos.
  • Symptome falsch deuten: Gelbe Blätter können auch pH-bedingt sein. Prüfe den pH-Wert, bevor du den EC erhöhst.

Häufige Fragen #

Welcher EC-Wert ist für Cannabis richtig?

Das hängt von Phase und Substrat ab. Als grober Rahmen gelten 0,4 bis 0,9 mS/cm für Sämlinge, 1,0 bis 1,6 in der Wachstumsphase und 1,4 bis 2,2 in der Blüte, jeweils in Kokos oder Hydro. In Erde liegen die Werte meist etwas darunter.

Wie schnell darf ich den EC-Wert erhöhen?

In Schritten von etwa 0,1 bis 0,2 mS/cm, mit einigen Tagen Abstand dazwischen. So erkennst du, wie die Pflanze reagiert.

Warum steigt der EC im Drain, obwohl ich weniger dünge?

Im Substrat haben sich Salze angereichert. Gieße einmal gründlich mit schwacher Nährlösung durch, bis der Drain-EC sinkt, und prüfe dann, ob der Zufuhr-EC zu hoch war.

Fazit #

Der EC-Wert ist kein fester Wert, sondern eine Kurve, die du Woche für Woche an deine Pflanzen anpasst. Langsam steigern, auf die Blattspitzen achten, den Drain-EC kontrollieren und zum Ende hin reduzieren: So findest du für jede Phase die Düngestärke, die deine Pflanzen wirklich brauchen.