Jeder Düngerhersteller liefert ein Schema mit Millilitern pro Liter und Woche. Deine Pflanzen kennen dieses Schema aber nicht. Sorte, Licht, Temperatur, Topfgröße und Leitungswasser verändern den Bedarf erheblich. Mit zwei Messwerten – dem EC im Gießwasser und dem EC im Drain – kannst du die Dosierung an deine Pflanzen anpassen, statt blind nach Tabelle zu düngen.

Die zwei Begriffe: EC und Drain #

EC (elektrische Leitfähigkeit) gibt an, wie viele gelöste Salze – also Nährstoffe – sich im Wasser befinden. Gemessen wird in Millisiemens pro Zentimeter (mS/cm). Je höher der Wert, desto konzentrierter die Lösung. Die Grundlagen erklärt der Lexikoneintrag Was bedeutet EC beim Grow?.

Drain (auch Runoff) ist das Wasser, das beim Gießen unten aus dem Topf läuft. Es hat das Substrat durchströmt und zeigt, wie viele Salze sich im Wurzelraum befinden. Mehr dazu im Eintrag Runoff beim Gießen.

Die Drain-Logik in einem Satz #

Du vergleichst den EC des Gießwassers (EC ein) mit dem EC des Drains (EC aus). Die Differenz zeigt, ob die Pflanze mehr Nährstoffe aufnimmt, als du gibst, oder ob sich Salze im Substrat ansammeln.

VergleichWas passiertWas du tun solltest
EC aus deutlich höher (mehr als ca. +0,5 mS/cm)Salze sammeln sich an, die Pflanze nimmt weniger auf als angebotenDosierung senken, einmal mit mehr Drain gießen
EC aus leicht höher (ca. +0,2 bis +0,5 mS/cm)normaler Zustand, leichte AnreicherungDosierung beibehalten
EC aus etwa gleichAngebot und Aufnahme im GleichgewichtDosierung beibehalten oder vorsichtig steigern
EC aus niedrigerPflanze nimmt mehr auf als angebotenDosierung schrittweise erhöhen

Die Grenzwerte sind Richtwerte. Wichtiger als ein einzelner Messwert ist der Trend über mehrere Gießvorgänge.

So misst du richtig #

  1. EC ein messen

    Nach dem Anmischen, am besten immer nach dem pH-Einstellen, damit die Werte vergleichbar bleiben. Notiere den Wert.

  2. Mit Drain gießen

    Gieße langsam, bis etwa 10 bis 20 % der Wassermenge unten herauslaufen. Bei Kokos eher 15 bis 25 %.

  3. Drain auffangen

    In einem sauberen Untersetzer. Alter Drain vom Vortag verfälscht das Ergebnis.

  4. Die ersten Tropfen ignorieren

    Miss den Drain, nachdem er einige Minuten gelaufen ist, und durchmische ihn.

  5. EC aus messen und notieren

    Am besten in einem Grow-Tagebuch mit Datum, EC ein, EC aus und pH.

Dosierung anpassen: Schritt für Schritt #

  1. Start mit reduzierter Dosis

    Beginne mit etwa 50 bis 75 % der Herstellerangabe. Die meisten Schemata sind großzügig bemessen.

  2. Drei Gießvorgänge beobachten

    Sammle Werte, bevor du etwas änderst.

  3. In kleinen Schritten anpassen

    Verändere den EC ein um höchstens 0,1 bis 0,2 mS/cm pro Anpassung.

  4. Pflanze gegenprüfen

    Messwerte und Pflanzenbild müssen zusammenpassen. Dunkelgrüne, glänzende Blätter mit gekrallten Spitzen deuten auf zu viel Dünger, blasse untere Blätter auf zu wenig.

  5. Bei hohem Drain-EC gegensteuern

    Einmal mit klarem, pH-korrigiertem Wasser oder mit halbierter Dosis und reichlich Drain gießen. Danach wieder normal düngen.

Was ist eine normale Differenz? #

Das hängt vom Substrat ab:

SubstratTypische Differenz EC aus zu EC einHinweis
Kokos+0,2 bis +0,5 mS/cmBei jedem Gießen düngen, regelmäßig mit Drain gießen
Erde mit Flüssigdünger+0,3 bis +1,0 mS/cmErde enthält eigene Nährstoffe, Drain-EC ist oft höher
Vorgedüngte Erdestark schwankendDrain-Messung eher zur Kontrolle von Anreicherung
Steinwolle+0,2 bis +0,6 mS/cmähnlich wie Kokos, engmaschig kontrollieren

Bei vorgedüngter Erde ist der Drain-EC in den ersten Wochen oft hoch, obwohl du noch nicht düngst. Das ist normal: Die Erde gibt ihre Vorräte ab.

Zielbereiche für EC ein #

Die folgenden Werte beziehen sich auf die fertige Lösung inklusive Leitungswasser und sind Richtwerte:

PhaseEC ein (mS/cm)
Keimlinge, Stecklinge0,4–0,8
Wachstum0,8–1,6
Blüte1,2–2,0
Späte Blüteleicht absenken

Starte am unteren Ende des Bereichs und arbeite dich anhand der Drain-Werte nach oben.

Beispiel: Drei Gießvorgänge in Kokos #

So kann ein typischer Verlauf in der frühen Blüte aussehen:

GießvorgangEC einEC ausDifferenzEntscheidung
Montag1,41,6+0,2beibehalten
Mittwoch1,41,9+0,5beobachten, Drain-Menge prüfen
Freitag1,42,3+0,9EC ein auf 1,2 senken, einmal mit mehr Drain gießen

Der Trend ist hier eindeutig: Die Salze sammeln sich an, obwohl die Pflanze gesund aussieht. Wer jetzt reagiert, verhindert, dass in einer Woche verbrannte Blattspitzen auftreten. Umgekehrt gilt: Sinkt der Drain-EC über mehrere Tage unter den Eingangswert und werden die unteren Blätter blass, darf die Dosis in kleinen Schritten steigen.

Typische Fehlinterpretationen #

  • Ein hoher Drain-EC heißt nicht automatisch Überdüngung. Wurde länger ohne Drain gegossen, sammeln sich Salze an, obwohl die Dosis passt.
  • Ein niedriger Drain-EC nach einem intensiven Spülgang sagt nichts über den tatsächlichen Bedarf aus.
  • Trockenes Substrat konzentriert Salze. Wer das Substrat stark austrocknen lässt, misst beim nächsten Gießen einen höheren Drain-EC.
  • pH-Probleme sehen aus wie Nährstoffprobleme. Stimmt der pH-Wert nicht, nimmt die Pflanze Nährstoffe schlecht auf, und der Drain-EC steigt. Prüfe deshalb immer auch den pH-Wert im Drain.

Häufige Fragen #

Was ist Drain beim Gießen?

Drain ist das überschüssige Wasser, das nach dem Gießen unten aus dem Topf läuft. Sein EC- und pH-Wert zeigen, was im Wurzelraum passiert.

Wie viel Drain ist richtig?

Als Richtwert 10 bis 20 % der Gießmenge, bei Kokos eher 15 bis 25 %. Zu wenig Drain lässt Salze anreichern, zu viel verschwendet Wasser und Dünger.

Muss ich bei jedem Gießen den Drain messen?

Nicht zwingend. Einmal pro Woche reicht bei Erde meist aus. In Kokos und Steinwolle, wo du bei jedem Gießen düngst, lohnt sich eine häufigere Messung.

Mein Drain-EC ist doppelt so hoch wie der Eingangswert. Was tun?

Gieße einmal mit pH-korrigiertem Wasser und etwa dem Doppelten der üblichen Drain-Menge. Danach düngst du mit leicht reduzierter Dosis weiter und beobachtest den Trend. Treten gleichzeitig Verbrennungen an den Blattspitzen auf, hilft der Ratgeber zur Überdüngung.